Einem Bericht der italienischen Zeitung "La Stampa" vom Donnerstag zufolge prahlte Berlusconi bei einem Abendessen damit, dass der russische Präsident Wladimir Putin ihm einen Ministerposten in Moskau übertragen würde.

Putin habe ihm gesagt, er wäre bereit, ihm die russische Staatsbürgerschaft und die Leitung des Wirtschaftsministeriums anzubieten, zitierte "La Stampa" Berlusconi unter Berufung auf einen Anwesenden des Abendessens. In Italien sei er "an den Rand gedrängt" worden, klagte der 78-Jährige demnach. "Meine Zukunft? Minister werden für meinen Freund Putin!"

Kein formelles Angebot

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow machte allerdings deutlich, dass eine etwaige Äusserung Putins in diese Richtung allerhöchstens als "sinnbildliche Unterstützung" für einen alten Freund zu verstehen sei. Ein formelles Angebot an Berlusconi, ein offizielles Amt zu übernehmen, gebe es aber nicht, "das wäre natürlich unmöglich", sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax.

Putin und Berlusconi verbindet eine langjährige Freundschaft, die beiden verbrachten zum Beispiel schon einmal ein gemeinsames Wochenende im russischen Altai-Gebirge. Als Putin im Juni Rom besuchte, versicherte ihm Berlusconi, seine Partei Forza Italia werde sich für die Aufhebung der im Zuge der Ukraine-Krise erlassenen Sanktionen einsetzen.

Der Kommentator von "La Stampa" spottete am Donnerstag über die öffentlichen Russland-Träumereien Berlusconis: "Silviusko" werde für das Scheitern seines ersten Fünfjahresplans wenigstens nicht "die ausufernde Macht von Richtern und Journalisten" verantwortlich machen können, schrieb Massimo Gramellini. Von dieser "Plage" habe sich Russland schon lange befreit.

In Anspielung auf Berlusconis Vorliebe für junge Frauen fügte er hinzu: Wichtige Treffen mit Putin würden sicher nach Mitternacht in dessen Datsche abgehalten - "mit einer Gruppe junger Ökonominnen".

Ärger mit der Justiz

Berlusconi hat seit seinem Rückzug aus der italienischen Regierung jede Menge Ärger mit der Justiz: Anfang Juli wurde er wegen Bestechung eines Senators zu drei Jahren Haft verurteilt, auch wegen Steuerbetrugs wurde der Medienunternehmer rechtskräftig verurteilt.

Wegen seines fortgeschrittenen Alters musste er die Haft nicht antreten, stattdessen leistete er gemeinnützige Arbeit in einem Seniorenheim. Ärger hatte Berlusconi auch wegen der berüchtigten "Bunga Bunga"-Partys mit sehr jungen Prostituierten. Er wurde allerdings von dem Vorwurf freigesprochen, bewusst Sex mit Minderjährigen gehabt zu haben.