SRF-Serie

Mona Vetsch übers Auswandern: «Sehnsucht allein reicht nicht»

Mona Vetsch mit Schildkröte. SRF

Mona Vetsch mit Schildkröte. SRF

Seit acht Jahren begleitet «Auf und davon» Auswanderer auf ihrem Weg in ein neues Leben. SRF-Reporterin Mona Vetsch (41) ist in einer «DOK»-Serie unterwegs und besucht Auswanderer aus früheren Staffeln.

Frau Vetsch, warum sind Auswanderer-Sendungen beim Publikum so beliebt?

Mona Vetsch: Bestimmt nicht, weil es uns in der Schweiz nicht gefällt. Aber Träume haben wir alle. Die Schweizer Sehnsuchtsdestinationen sind Kanada, Australien oder Skandinavien. Und dann ist Auswandern ja auch Abenteuer und Risiko. Radikaler kann man sein Leben kaum ändern.

Wann wandern Sie aus?

Ich habe das Verlangen nicht und auch nicht den Mut. Okay, vielleicht England oder Irland für ein, zwei Jahre. Ich müsste die Sprache des Landes auf jeden Fall gut sprechen, denn ohne Sprache käme ich mir irgendwie amputiert vor.

Ihr längster Auslandsaufenthalt?

Paris, mit 30. Ursprünglich war es ursprünglich als Sprachaufenthalt gedacht, aber die Stadt hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wohnte bei einer wunderbaren älteren Madame, die mich in alle Kultureinrichtungen geschleppt und mir beigebracht hat, was einen guten Wein ausmacht. Nur fliessend Französisch spreche ich bis heute nicht.

Welche von Ihnen besuchten Auswanderer haben Sie am meisten begeistert?

Unsere Italien-Auswanderer sind von einem schweren Erdbeben getroffen worden. Sie haben einen Winter lang im Wohnwagen gelebt, weil sie ihre Tiere nicht im Stich lassen wollten. Die Dörfer rundherum sind praktisch menschenleer, die meisten Häuser kaputt. Dieser Besuch hat mich tief beeindruckt.

Was muss jemand, der auswandert, unbedingt beachten?

Sehnsucht allein reicht nicht, handfest und pragmatisch sollte man dahinter. Aber auch tollkühn genug sein, sich vom Wenn und Aber nicht bremsen zu lassen. Meine Begegnungen mit den Schweizern im Ausland hatten auch gezeigt, dass sich die Beziehungen oder die Rollen in Familien oft grundlegend ändern. Auswanderer Rolf in Schweden hat es so formuliert: «Nur wenn du es verkraften könntest, plötzlich ganz allein dazustehen, darfst du auswandern.»

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