Wirklich Jackpot geknackt?

Ein Schweizer Kosovo-Albaner rückt den Casinos Austria mit Anwälten zu Leibe. Die Streitfrage lautet, ob er in Bregenz den 43-Millionen-Euro-Jackpot oder nur die Software geknackt hat.

Manfred Maurer/Wien
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Bregenz. Behar Merlaku hat sein Glück in der Schweiz gefunden. Demnächst soll der mit einer Eidgenossin verheiratete Kosovo-Albaner die schweizerische Staatsbürgerschaft erhalten. Das materielle Glück freilich suchte er in Österreich – und glaubte es am 26. März 2011 auch gefunden zu haben. An jenem Abend hatte er im Casino zu Bregenz ein paar Euro in einen der Spielautomaten geworfen. «Automatisch Millionär werden» – so werben die Casinos Austria um Kundschaft. Und tatsächlich: Bei Behar Merlaku schien das zu funktionieren. «Während des Spiels hat der Automat plötzlich angehalten, und oben hat eine blinkende Leuchte den Jackpot angezeigt», schildert der 26-Jährige diesen Moment des unbeschreiblichen Glücks.

«Leider technisches Problem»

Der Spielautomat löst ein elektronisches Feuerwerk aus, eine Stimme gratuliert zum geknackten Jackpot, das Display zeigt eine unvorstellbare Summe an: 42,9 Millionen Euro! «Ich habe mich so riesig gefreut, es war unbeschreiblich, da kommen einem Ideen, was man alles machen könnte mit dem Geld.» Doch allzu lange brauchte sich der junge Mann nicht den Kopf über die Verwendung von knapp 43 Millionen Euro zu zerbrechen. Ein Angestellter des Casinos holte den Bodenleger aus Dietikon auf den Boden der Realität zurück: Der Jackpot sei nicht wirklich geknackt worden, es hätte leider ein technisches Problem gegeben.

Höchstgewinn bei 2 Millionen

Doch damit will sich Herr Merlaku nicht abfinden. Er hat den Jackpot geknackt, und das will er auch beweisen. Immerhin hat er mit dem Handy ein Video aufgenommen. Auf dem ist zu sehen, wie der Spielautomat den Jackpot anzeigt. Auch die Gewinnsumme ist auf dem Video klar ersichtlich. Leider zeigt das Video aber auch den kleinen Schönheitsfehler dieses Jackpots. Nach den Regeln der Casinos Austria müssen fünf gleiche Symbole in einer Linie zu stehen kommen. Doch das war in diesem Spiel nicht der Fall. Es gab keine fünf Symbole in einer Reihe, wie die Casinos Austria betonen, und auch Merlakus Anwalt Thomas Kerle einräumt.

Der Zürcher Zocker lässt sich seinen Jackpot aber durch so eine Kleinigkeit nicht verderben. Der Automat hat einen Megagewinn angezeigt, und damit basta! Es gebe eben verschiedene Arten von Jackpots, nicht nur solche, bei denen fünf gleiche Symbole in einer Linie stehen müssen. Anwalt Kerle verweist auf die Möglichkeit eines «Mystery Jackpots», der unabhängig von einer Gewinnreihe nach dem Zufallsprinzip anfallen kann. Nur, so ein Spiel gibt es bei den Casinos Austria nicht. Auch ein Gewinn in dieser Höhe ist beim österreichischen Glückspielmonopolisten nicht möglich. Der Höchstgewinn für den Austria-Jackpot könne nie über 2 Millionen Euro liegen, sagen die Casinos und sehen in der Gewinnsumme einen weiteren Beweis für den Softwarefehler.

Casinos verweigern Gespräch

Die technischen Probleme betrachtet Herr Merlaku allerdings nicht als die seinen. Das Casino hatte ihm in einem Spiel mitgeteilt, dass er einen Jackpot in Höhe von 42,9 Millionen Euro gewonnen habe. Und die will er jetzt einfach haben. Die Casinos Austria sehen das naturgemäss anders, weshalb der Fast-Schweizer sie auch nur noch «Mafia» und «Betrüger» nennt. Vor allem fühlte er sich nicht ganz ernst genommen.

«Bis heute waren die Casinos Austria nicht einmal bereit, mit mir zu reden», klagt Merlaku. Vielleicht hatten die Casino-Manager wirklich geglaubt, diesen Kosovo-Albaner abwimmeln zu können. Was soll der schon unternehmen? Ein Kosovo-Albaner kann freilich, so das Klischee, ungemütlich werden, wenn er sich unfair behandelt fühlt. Und Merlaku will ungemütlich werden. Der engagierte Anwalt soll nicht der einzige bleiben. Auch in der Schweiz und in den USA will er sich einen Rechtsvertreter nehmen. «Bis ich das Geld habe», sagt er kämpferisch.