Buchs
Monografie: Viel Lob für Susanne Kellers Buch über Carl Kostka

Die Monografie der Buchserin über den sudetendeutschen Politiker liegt nun auch auf Deutsch vor.

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Susanne-Keller-Giger ist bei uns bekannt als Präsidentin des Historischen Vereins der Region Werdenberg.

Susanne-Keller-Giger ist bei uns bekannt als Präsidentin des Historischen Vereins der Region Werdenberg.

Bild: Heini Schwendener

Ihre erste Bekanntschaft mit Tschechien machte Susanne Keller-Giger in den Neunzigerjahren als Deutschlektorin in der nordböhmischen Stadt Liberec/Reichenberg. Danach studierte sie Osteuropäische Geschich­- te und Slawistik in Zürich. Mit Tschechien blieb sie stets verbunden, etwa über ihre Lizen­ziatsarbeit oder als Vorstandsmitglied des Vereins Kooperation St.Gallen-Liberec.

Inzwischen hat die freischaffende Historikerin und Publizistin, die in Buchs wohnt, ein Buch über den sudetendeutschen Politiker Carl Kostka (1870– 1957) verfasst. Es erschien 2018 in tschechischer Sprache. Nun liegt es auch auf Deutsch vor.

Erfolgloser Einsatz für Verständigung

Ihre Monografie über den Senator und letzten demokratischen deutschen Bürgermeister von Reichenberg bietet den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die vielfältigen – jedoch letztlich erfolglosen – Bemühungen um eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen in der Ersten Tschechoslowakischen Republik. Carl Kostka war auch Mitbegründer der Deutschdemokratischen Freiheitspartei. Das Buch von Susanne Keller-Giger hat in der Fachwelt gute Aufnahme gefunden. Der Liechtensteiner Historiker Peter Geiger schreibt, das Buch der Buchserin löse den in der Einleitung formulierten Anspruch ein, das bisher zu wenig erforschte Schicksal der sudetendeutschen Gegner des Nationalsozialismus zu erhellen.

Ladislav Smejkal, Historiker aus Böhmisch Leipa, lobt: «In der Arbeit über Carl Kostka gibt es viele neue Erkenntnisse zur gemeinsamen deutsch-tschechischen Vergangenheit. Die Fachwelt und die Öffentlichkeit bekommen die Figur eines aufrichtig demokratischen Politikers vorgelegt.»

Der Historiker Vaclav Horcicka aus Prag schreibt, die Autorin habe dank ihrer familiären Wurzeln «in einem neutralen Land in den Alpen» mit dem nötigen Abstand an das Thema herangehen können.

Der St.Galler Historiker Max Lemmenmeier bezeichnet das Buch als ausgezeichnet und spannend zu lesen. Und weiter: «Was mich bei der Lektüre bedrückt hat, ist dieser unsägliche Nationalismus, der alle liberalen, demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätze schlagartig hinweggeschwemmt hat.»

Thomas Oellermann, Historiker aus Prag, würdigt Keller- Gigers Buch als wichtigen Beitrag zur Geschichte derjenigen Sudetendeutschen, die sich ge­gen Nationalismus und Nationalsozialismus stellten und sich aktiv zur demokratischen Tschechoslowakei bekannten. Die Autorin zeige auf, dass es Widerstand gegen den Nationalsozialismus auch in der bürgerlichen liberalen Mitte der sudetendeutschen Gesellschaft gegeben ha­be, und nicht nur bei den Sozialdemokraten und Katholiken, wie zahlreiche andere Studien aufgezeigt hätten. (she)

Hinweis

Suanne Keller-Giger: Carl Kostka und die Deutschdemokratische Freiheitspartei in der Tschechoslowakei der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Sabat, Kulmbach 2021. ISBN 978-3-943506-96-9