Haag/Buchs
«Habe viel ausgedruckt, ausgeschnitten und laminiert»: Nicht nur Kinder hatten am Montag ihren ersten Schultag – auch frischgebackene Lehrerinnen und Lehrer

Neben Erstklässlerinnen und Erstklässlern erlebten gestern auch viele junge Lehrkräfte ihren ersten Schultag.

Corinne Hanselmann
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Zum ersten Mal eine eigene Klasse: Thiery Sinnesberger ist gestern mit seiner 5. Klasse in Haag ins Schuljahr gestartet.

Zum ersten Mal eine eigene Klasse: Thiery Sinnesberger ist gestern mit seiner 5. Klasse in Haag ins Schuljahr gestartet.

Bild: Corinne Hanselmann

Zum ersten Mal standen Alessia Rothenberger und Thiery Sinnesberger Montagmorgen als hauptverantwort­liche Klassenlehrpersonen im Schulzimmer. Sie vor einer 4. Klasse in Räfis, er vor den Fünftklässlern in Haag. Beide haben erst vor wenigen Monaten ihre Ausbildung zur Primarlehrperson an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Rorschach abgeschlossen.

Alessia Rothenberger aus Buchs und Thiery Sinnesberger aus Gams verspürten grosse Vorfreude auf den Schulstart, als sich der W&O am Ende der Sommerferien mit ihnen unterhielt. Thiery Sinnesberger sagt:

«Die Kinder kennenzulernen und als eigenständige Lehrperson mit ihnen arbeiten zu dürfen, ist das, was mich am meisten motiviert.»

Mit dieser Vorfreude mischte sich bei Alessia Rothenberger auch die Freude auf die Zusammenarbeit mit den Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler sowie die administrativen und organisatorischen Angelegenheiten, die sie als Klassenlehrperson nun selber übernimmt.

Aufwendiges Einrichten des eigenen Schulzimmers

Sie und auch ihr Studienkollege Thiery Sinnesberger haben die vergangenen Wochen damit verbracht, Unterricht vorzubereiten und das Schulzimmer einzurichten. «Ich habe viel ausgedruckt, ausgeschnitten und laminiert, Regale aufgebaut und Bücher organisiert», erzählt Alessia Rothenberger, während sie ihr Schulzimmer im Altbau der Primarschule Räfis zeigt.

Eine gemütliche Leseecke ist entstanden, an der Wand gibt es unter anderem einen Ämtliplan, einen Geburtstagskalender und eine kindgerechte Weltkarte. Auf die Wandtafel hat sie die aus Nintendo-Spielen bekannten Figuren Mario und Luigi gemalt. Sie finden sich auch auf Arbeitsblättern und Unterlagen wieder und sind eine Art Schulzimmermotto, erklärt die 25-Jährige.

Den Kindern Positives mit auf den Weg geben

Als Lehrerin der 4. Klasse in Räfis hat sie ihre Traumstelle angetreten, wie sie selber sagt. «Ich wollte unbedingt nach Buchs.» Ihr gefalle die Atmosphäre hier, besonders in Räfis. Alessia Rothenberger ist in Buchs aufgewachsen, hat eine kaufmännische Lehre bei der Stadt und danach die Berufsmatura absolviert. Als Jugendliche begann sie zudem als Leiterin im Turnverein Buchs mit Kindern zu arbeiten.

«Irgendwann sagte im Training ein Kollege zu mir: Wieso wirst du eigentlich nicht Lehrerin? Du arbeitest so gerne mit Kindern und machst das so gut. Da hat es bei mir Klick gemacht.»

Nach dem Vorkurs PH an der Interstaatlichen Maturitätsschule für Erwachsene und einem Zwischenjahr startete sie an der PH.

Alessia Rothenberger unterrichtet eine 4. Klasse in der Primarschule Räfis.

Alessia Rothenberger unterrichtet eine 4. Klasse in der Primarschule Räfis.

Bild: Corinne Hanselmann

«Ich hoffe darauf, dass ich einen positiven Einfluss auf den Werdegang und das schulische oder berufliche Interesse der Kinder haben kann», beschreibt Alessia Rothenberger ihre Motivation. Ein grosses Anliegen ist es der jungen Lehrerin, ihren Schülerinnen und Schülern ein positives Menschen- sowie Weltbild vermitteln und lehren zu können.

Während ihrer Zeit an der PH hat sie beispielsweise mehrere Arbeiten über die Thematik Mobbing geschrieben. Für den ersten Schultag hatte die Viertklasslehrerin ein «eher gemütliches» Programm vorbereitet: Die 22 Schülerinnen und Schüler durften unter anderem von den Ferien erzählen, die Erstklässlerinnen und Erstklässler begrüssen und an der Tür­dekoration basteln. «Es geht darum, anzukommen und sich kennenzulernen.»

Nach Stellvertretung auf Primarstufe gewechselt

Der Lehrerberuf hat Thiery Sinnesberger schon immer gereizt. «Zuerst wollte ich Gymilehrer werden.» Nach dem Sportgymnasium in Davos ist der Gamser einige Zeit profimässig Ski­rennen gefahren, bevor er an der HSG ein Studium im Wirtschaftsbereich begann, mit dem Grobziel Gymilehrer.

«Aufgrund des Lehrermangels konnte ich während des Studiums eine sechswöchige Stellvertretung als Lehrer einer 6. Klasse machen. Das hat mir sehr gut gefallen und ich habe gemerkt, dass mir das Unterrichten der etwas jüngeren Schülerinnen und Schüler sehr zusagt», erzählt er. «Ich habe das Gefühl, in diesem Alter sind sie noch richtig motiviert und man spürt Freude und Entdeckergeist bei interessanten Themen. Das gefällt mir.» So wechselte er von der HSG an die PH.

Er sei als Kind immer gerne zur Schule gegangen. «Sie ist mir auch nie schwer gefallen. Weil ich schon in der Primarschulzeit sehr aktiv skigefahren bin und ich fürs Training gewisse Freiheiten erhielt, war auch klar: Die Leistungen in der Schule müssen stimmen.»

Die Bewerbung für die Lehrerstelle in Haag sei seine erste gewesen, erzählt Sinnesberger. «Ich wollte wieder zurück in die Region, in der ich aufgewachsen bin und wo mein Kollegenkreis mehrheitlich lebt. Zudem gefällt es mir hier halt einfach», sagt der 26-Jährige und lacht.

Rolle der Lehrperson hat sich weiterentwickelt

Die beiden jungen Lehrkräfte sind sich einig, dass sich seit der eigenen Primarschulzeit einiges weiterentwickelt hat, etwa in Bezug auf den Lehrplan, die Beurteilung und die Art des Unterrichts. «Wir hatten noch sehr viel Frontalunterricht», erinnert sich Thiery Sinnesberger.

«Heute steht die Lehrperson nicht mehr nur vorne und erklärt, bevor die Kinder Aufgaben lösen, sondern es gibt viel mehr Schülerbeteiligung im Unterricht.»

Mindestens bis zu den Herbstferien haben die Lehrerin und der Lehrer ihren Unterrichtsstoff bereits vorbereitet. Der ehemalige Skirennfahrer Sinnesberger blickt sogar bereits etwas weiter: «Es gibt in unserer Schule Skitage, aber Winterlager schon länger nicht mehr. Da schauen wir jetzt mal, ob wir das vielleicht wieder einführen können», sagt er und lacht.