VANDALISMUS
Toggenburger Politiker empört: Viele Plakate für «Ehe für alle» sind schon nach wenigen Tagen verunstaltet

Die Abstimmung über die Gesetzesänderung für die «Ehe für alle» findet in rund drei Wochen am 26. September statt. Einigen stösst der Gedanke, dass homosexuelle Paare heiraten dürfen, sauer auf. Doch auch die Gegner der Vorlage sehen sich mit Vandalismus konfrontiert.

Nicole Milz, FM1-Today
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Der Toggenburger Jungpolitiker Joel Müller (SP) vor einem beschädigten Plakat für die Vorlage «Ehe für alle».

Der Toggenburger Jungpolitiker Joel Müller (SP) vor einem beschädigten Plakat für die Vorlage «Ehe für alle».

Bild: TVO

Die Plakate der Ja-Komitees der Initiative «Ehe für alle» sind zu einem guten Teil zerstört. Und dies, obwohl diese erst seit vergangenem Mittwoch hängen. Für den Toggenburger SP-Politiker Joel Müller, Mitglied des Ja-Komitees Ostschweiz, ist dies ein ärgerlicher Zustand, der ihm Sorge bereitet: «Das zeigt, dass Homophobie in unserer Gesellschaft noch immer sehr verbreitet ist.»

Schweizweit rund 100 Plakate zerstört

Ein Schwerpunkt der Vandalenakte ereignete sich im Hinterthurgau, wie FM1-Today berichtet. Schweizweit seien bisher schon über 100 Plakate verunstaltet worden. Dass dies in solch kurzer Zeit passiert, sei aussergewöhnlich, sagt Sven Bradke, Geschäftsleiter der Kommunikationsagentur Mediapolis und Wahlkampfexperte.

«Es liegt nicht an der Art des Plakats, sondern am Thema, welches sehr umstritten ist. Wer wertkonservativ ist, kann sich kaum vorstellen, dass gleichgeschlechtliche Partner eine Ehe führen können. Da kommen die Emotionen ins Spiel, welche dazu führen, dass die Plakate verunstaltet werden.»

Doch nicht nur das Ja-Komitee der Initiative hat mit Vandalen zu kämpfen. Auch das Nein-Komitee berichtet über ausserordentlich viele zerstörte Plakate. Im südlichen Thurgau musste eines ihrer Plakate bereits dreimal ersetzt werden. Die Plakate der Gegner der «Ehe für alle» hängen allerdings schon länger, nämlich seit drei Wochen.

Der Schaden liegt im vierstelligen Bereich

Das Ja-Komitee schätzt den Schaden aktuell auf einen vierstelligen Betrag. An den gemieteten Plätzen in der Stadt St.Gallen etwa sollen neue Plakate platziert werden. «Ob wir wirklich alle ersetzen können, wird sich zeigen», sagt Joel Müller. «In der Kampagnenplanung werden solche Kosten mit einkalkuliert. Aber für unser Budget sind es natürlich erhebliche Beträge.» Die Entscheidung, ob das Schweizer Volk die «Ehe für alle» annimmt oder ablehnt, fällt am 26. September an der Urne.

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