Nesslau
Nach 82 Trauungen, 225 Taufen und 310 Abdankungen: Nesslauer Pfarrer geht nach 18-jähriger Tätigkeit in Pension

Hiltrud und Lothar Schullerus wurden feierlich verabschiedet, bleiben aber in Teilzeit weiter tätig.

Adi Lippuner
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Das Ehepaar Hiltrud und Lothar Schullerus mit Robert Schmid, Präsident der Kirchenvorsteherschaft (von links).

Das Ehepaar Hiltrud und Lothar Schullerus mit Robert Schmid, Präsident der Kirchenvorsteherschaft (von links).

Bild: Adi Lippuner

Dass der Tag des Verabschiedens in die Pension einmal kommen würde, wusste der Präsident der Nesslauer Kirchenvorsteherschaft, Robert Schmid, bereits seit geraumer Zeit. Am Sonntag, im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes, wurden ihr geschätzter Pfarrer Lothar Schullerus und seine Frau Hiltrud offiziell verabschiedet. Weil sich, trotz intensiver Bemühungen, noch keine Nachfolgelösung abzeichnet, bleibt der Pfarrer als Verweser in Teilzeit weiterhin im Einsatz.

Für Lothar Schullerus war es, wie er rückblickend betonte, eine äusserst bereichernde Zeit. «Ich wurde in der Gemeinde von Anfang an gut aufgenommen und durfte euch ein Stück weit auf dem Weg in die Zukunft begleiten. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren haben wir es immer geschafft, in Frieden eine Lösung zu finden.» Gerne lässt die Kirchgemeinde «ihren» Pfarrer nicht gehen, das wurde gleich mehrfach und von verschiedenen Seiten betont.

Grosse Wertschätzung und Gesangsdarbietungen

Zum Ausdruck gebracht wurde dies unter anderem mit dem von der Kirchenvorsteherschaft arrangierten Text aus dem Lied von Andrew Bond «Es Gschänk vom Himmel», welches zu Ehren des nun offiziell zu den Pensionisten gehörenden Pfarrers gesungen wurde. «Diese Darbietung hat mich sehr berührt, denn was ihr alle nicht wissen konnten: In meiner alten Heimat verabschiedeten sich die Schüler zum Abschluss der Mittelschule bei jedem Lehrer mit Gesangsdarbietungen. Dass ihr dies für mich getan habt, ist ein ganz besonderes Geschenk.»

Jeweils eine Vertreterin oder ein Vertreter der Konfirmandenjahrgänge der letzten 18 Jahre überbrachte Grussworte und erinnerte an das damals ausgewählte Motto. Stellvertretend für alle, die Aussage aus dem Jahr 2013: «Wir hatten damals das Thema Glück, rückblickend dürfen wir sagen, dass die Gemeinde grosses Glück hatte, dass du unser Pfarrer geworden bist.»

Eindrückliche Zahlen nach 18 Jahren Tätigkeit

In den 18 Jahren, 2 Monaten und 4 Tagen hat Lothar Schullerus als Pfarrer 82 Trauungen vollzogen, 225 Taufen durchgeführt, 334 Konfirmanden auf dem Weg ins Erwachsenenleben begleitet, aber auch bei 310 Abdankungen Trost gespendet. Geschenke, anerkennende Worte, Musik und Gesang brachten zum Ausdruck, dass die Nesslauer «ihren» Pfarrer, er stammt ursprünglich aus Siebenbürgen-Sachsen und seine Familie hat einen  Jahrhundertealtem Deutschem Stammbaum, äusserst ungerne gehen lassen. Aufgewachsen in Sibu in Rumänien, fand er vor 18 Jahren den Weg ins Toggenburg.

Ein Geschenk hat Lothar Schullerus ganz speziell beeindruckt. Es ist ein «Chueligort» mit seinen Initialen. «Mir war immer klar, dass ich als Zugezogener nie einen solch traditionellen Gurt tragen darf. Doch nun, bei einem Gurt mit meinen Initialen ist mir dies erlaubt.» Und weil die sonntägliche Feier mit Darbietungen des Kirchenchors, Orgelmusik von Stefanie Rutz, einem Steicherensemble und einem fröhlichen Umtrunk zwar den offiziellen Amtsrücktritt bedeute, Lothar Schullerus aber als Verweser tätig bleibt, war die Stimmung weniger gedrückt.