Kirche
«Es sollte kein Pflichtzölibat geben»: Nach 35 Jahren als Pfarreisekretärin findet Maria Weber aus Kirchberg klare Worte

Ende September geht sie in Pension. 35 Jahre war Maria Weber Pfarreisekretärin in Kirchberg. Sie blickt auf ihre Tätigkeit zurück, äussert sich aber auch kritisch zur Entwicklung der Kirche.

Beat Lanzendorfer
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Maria Weber mit einem Taufbuch, in dem die Einträge seit 1614 von Hand nachgetragen werden.

Maria Weber mit einem Taufbuch, in dem die Einträge seit 1614 von Hand nachgetragen werden.

Bild: Beat Lanzendorfer

Heute kaum mehr vorstellbar: In den Achtzigerjahren konnte eine schöne Handschrift entscheidend sein, ob eine Bewerbung zur erhofften Anstellung führt. So war es bei Maria Weber, als sie sich im Jahr 1987 in Kirchberg als Pfarreisekretärin bewarb.

Auch im Sekretariat im katholischen Pfarrhaus steht mittlerweile seit Jahrzehnten ein Computer. Doch die Pfarreibücher, die heute noch von Hand nachgetragen werden, sind geblieben. Die ersten stammen aus dem Jahr 1614.

An der jahrhundertealten Tradition wird selbstverständlich auch dann festgehalten, wenn Maria Weber Ende September zum letzten Mal einen Eintrag tätigt und danach nach 35 Jahren Pfarreisekretärin in den Ruhestand übertritt.

Die abwechslungsreiche Arbeit geschätzt

Zu Beginn ihrer Anstellung arbeitete Maria Weber etwa zwei Stunden pro Tag. Im Lauf der Jahre hat sie ihr Pensum sukzessive ausgebaut. Heute sind es 60 Prozent. Sie sagt: «Es gab immer weniger Pfarrer, wodurch der Aufwand für sie immer grösser wurde. Darum wurden viele Arbeiten dem Sekretariat übertragen.»

Als sie anfing, gab es noch kein Stellenprofil, sie sei «in den Beruf hineingewachsen». Heute hingegen gebe es den Beruf Pfarreisekretärin. An ihrer Arbeit schätzt sie die Vielseitigkeit. «Nebst den Schreibarbeiten gilt es auch, die Buchhaltung zu erledigen.» Ein Vorteil ist auch die Nähe zu ihrem Zuhause. «Mein Arbeitsweg dauert zwei Minuten.»

Sie kennt praktisch alle im Dorf

Genauso geschätzt hat sie den persönlichen Kontakt mit den Menschen. «Er ist zwar weniger geworden, weil heute vieles telefonisch oder via E-Mail erledigt wird.» Und dann sei es natürlich nicht zu verachten, dass sie nach vielen Jahren, in denen sie in Kirchberg wohnt, praktisch alle Einwohnerinnen und Einwohner kenne. Das könne manchmal auch belastend sein, wenn eine nahestehende Person sterbe.

Maria Weber, bald pensionierte Kirchberger Pfarreisekretärin.

Maria Weber, bald pensionierte Kirchberger Pfarreisekretärin.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Solche Schicksale bewegen immer, speziell dann, wenn es sich um einen jüngeren Menschen handelt.»

Während einer rund einjährigen Pfarrvakanz sei sie bei Todesfällen oft die erste Ansprechperson gewesen. Heute würden Pfarrer Mathai Ottappally und Seelsorgerin Leila Zmero diese Aufgabe übernehmen.

In Rickenbach aufgewachsen

Die gebürtige Rickenbacherin, ihre Eltern führten die Käserei Haag, verbrachte ihr ganzes berufliches Leben in der Gemeinde Kirchberg. Von 1974 bis 1977 absolvierte sie bei Hans Elmiger bei der Bazenheider Zweigstelle der damaligen Spar- und Leihkasse Kirchberg, der heutigen Clientis Bank Toggenburg, eine Banklehre.

Während der Lehrzeit lernte sie ihren späteren Ehemann Max kennen. 1981 kam Sohn Michael zur Welt. Nach einem beruflichen Unterbruch wurde sie 1987 dann die erste Pfarreisekretärin im Kirchberger Pfarrhaus.

«Pfarrer Stephan Tönz brauchte damals Unterstützung, weshalb ich auf das Stelleninserat aufmerksam geworden bin.» Beim Bewerbungsgespräch hat der Pfarrer dann explizit darauf hingewiesen, dass bei mehreren Bewerbungen die Handschrift ein entscheidender Faktor sei. Wie urteilt sie heute über ihre Handschrift? «Ich kann sie manchmal auch nicht mehr lesen», sagt sie lachend. Pfarrer Tönz hat sie damals trotzdem überzeugt.

Die Kirche werde nach wie vor für die ältere Generation gemacht

Die Frage, ob sich die Kirche zu früher verändert hat und ob sie allenfalls offener geworden ist, möchte Maria Weber nicht abschliessend beantworten: «Entscheidend ist doch, ob die Jungen in die Kirche gehen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Kirche nach wie vor für die ältere Generation gemacht wird.» Maria Weber würde sich wünschen, dass sich die Kirche noch mehr öffnet.

Beim Thema Zölibat hat sie eine klare Meinung: «Es sollte kein Pflichtzölibat geben. Wenn ein Pfarrer aber im Zölibat leben möchte, soll er dies tun.» Ginge es nach ihr, würde das Zölibat aufgehoben. Und auch den Frauenanteil in der Kirche würde sie erhöhen, wobei sie hier Kirchberg als positives Beispiel erwähnt.

35 Jahre war der Arbeitsplatz von Maria Weber im Kirchberger Pfarrhaus. Rechts neben der katholischen Kirche.

35 Jahre war der Arbeitsplatz von Maria Weber im Kirchberger Pfarrhaus. Rechts neben der katholischen Kirche.

Bild: Beat Lanzendorfer

«Wir sind ein reines Frauenteam. Zwei arbeiten im Pfarreisekretariat. Wir haben eine Seelsorgerin, eine Mesmerin und eine Vizemesmerin. Das klappt bestens.» Ein Rezept, wie die Kirche offener gestaltet werden könnte, habe sie nicht, sie denke aber, dass viele Menschen den Wunsch in sich tragen, dass sich etwas verändert.

Ein Jahr länger gearbeitet

Maria Weber wird am 26. September 65. Sie hätte sich schon vor einem Jahr in den Ruhestand verabschieden können. «Weil wir aber einige Wechsel im Seelsorgeteam hatten, habe ich noch ein Jahr angehängt. Es hat für mich gepasst.»

Was macht sie, wenn sie nicht mehr täglich den zweiminütigen Arbeitsweg zurücklegen muss? «Ich habe bewusst keine konkreten Pläne erstellt.» Für das Wandern, das neue E-Bike, das Reisen und das Engagement im Kulturverein Open Ohr möchte sie sich aber Zeit nehmen. Und wenn ihre Nachfolgerinnen Stephanie Frey und Rita Klaus Fragen haben, wird Maria Weber den kurzen Weg ins Kirchberger Pfarreisekretariat bestimmt auf sich nehmen.