10 Jahre nach der Gründung tritt der erste Präsident des Energietals Toggenburg ab

Zehn Jahre nach der Gründung des Energietals gibt der 61-Jährige sein Amt als Präsident ab. Nachfolgerin ist Patrizia Egloff, sie soll neue Ideen einbringen.

Beat Lanzendorfer
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2009 wurde das Energietal Toggenburger gegründet und Thomas Grob (links) sein erster Präsident. Zu der Zeit begann gerade der Photovoltaik-Boom, wie hier 2010 auf dem Dach der Wattwiler Schule Grüenau. (Bild: Hansruedi Kugler)

2009 wurde das Energietal Toggenburger gegründet und Thomas Grob (links) sein erster Präsident. Zu der Zeit begann gerade der Photovoltaik-Boom, wie hier 2010 auf dem Dach der Wattwiler Schule Grüenau. (Bild: Hansruedi Kugler)

Visionen entstehen im Kopf. Sie umzusetzen benötigt Energie. Von dieser setzte Thomas Grob viel frei, um den Traum eine energieautarken Toggenburgs zu verfolgen. Diese Leidenschaft teilte er vor mehr als einem Jahrzehnt mit Rainer Heiniger, dem damaligen Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallverwertung Bazenheid (ZAB).

Gemeinsam haben sie beharrlich auf die Gründung des Energietals im Jahr 2009 hingearbeitet. Rainer Heiniger hat 2014 seine Pension angetreten, der ZAB zählt aber noch heute zu den wichtigsten Partnern des Energietals.

Thomas Grob seinerseits fand als Gründungspräsident und nach zehn Jahren an der Spitze des Fördervereins, es sei an der Zeit, das Steuer jüngeren Händen zu übergeben. An der Jubiläums-Generalversammlung am Montagabend im Oberstufenzentrum Mosnang trat er zurück.

Zwölf Gemeinden verfolgen ein gemeinsames Ziel

Patrizia Egloff, die neue Präsidentin des Energietals, und der abtretende Präsident Thomas Grob. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Patrizia Egloff, die neue Präsidentin des Energietals, und der abtretende Präsident Thomas Grob. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ab sofort übernimmt Patrizia Egloff das Zepter. Sie geht gemeinsam mit den zwölf Gemeinden von Wildhaus-Alt St.Johann bis Kirchberg den Weg in die Energie-Selbstständigkeit weiter. Die Ziele bleiben dieselben: Bis 2034 soll alle im Tal verbrauchte Energie aus erneuerbaren Quellen selbst produziert werden und bis 2059 die 2000-Watt-Gesellschaft realisiert sein. In seinem Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt benutzte Grob die Wörter vorausschauend, prägend, beharrlich, verankert, engagiert und innovativ. Er sagte:

«Irgendwann kommen einem aber die Ideen abhanden, daher benötigt es Leute mit Innovationen.»

Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, die Verantwortung abzugeben. Und weiter: «Viele seien wohl der Meinung, ohne Grob gehe es nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Das Energietal ist mittlerweile so breit aufgestellt, ich mache mir um dessen Zukunft keine Sorgen». Apropos Zukunft: Grob verhehlte nicht, dass er von der Schweizer Energiepolitik enttäuscht ist. Sie sei zögerlich, mutlos, inkonsequent, rückwärtsgerichtet, betreibe eine «Fünfer- und Weggli-Politik» und verzerre die Faktenlage. Die Schweiz sei ein Hightechland. Wenn sie mit ihren Möglichkeiten zur erneuerbaren Energie keine Führungsrolle einnehme, wer dann.

Finanziell auf soliden Füssen

Patrizia Egloff, die Leiterin der Geschäftsstelle, gehört seit Januar 2016 zum Team des Energietals. Die übrigen Vorstandsmitglieder stellten sich zur Wiederwahl und wurden wie die neue Präsidentin von den 87 anwesenden Stimmberechtigten gewählt. Egloff soll den Förderverein im Sinne des bisherigen Präsidenten weiterführen, aber auch den Mut haben, Neues einzubringen.

Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des Energietals mit dem abtretenden Präsidenten Thomas Grob (links) und dessen Nachfolgerin Patrizia Egloff (zweite von links) sowie Referent Stefan Brändle (fünfter von links) und Gemeindepräsident Renato Truniger (sechster von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des Energietals mit dem abtretenden Präsidenten Thomas Grob (links) und dessen Nachfolgerin Patrizia Egloff (zweite von links) sowie Referent Stefan Brändle (fünfter von links) und Gemeindepräsident Renato Truniger (sechster von links). (Bild: Beat Lanzendorfer)

Als Laudatorin für den Abtretenden fand Marlise Porchet die passenden Worte. Sie ist wie Thomas Grob seit den Anfängen des Energietals dabei. Worte des Dankes kamen auch von Paul Dürr im Namen der Energieakademie, der Kooperation zwischen dem Förderverein Energietal Toggenburg und dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg. Nun sahen die Anwesenden in der Turnhalle des Oberstufenzentrums den Zeitpunkt gekommen, die Arbeit von Thomas Grob mit einer Standing Ovation zu würdigen.

Der alte Präsident übergibt der neuen Vorstandsvorsitzenden gemäss Kassier Markus Holenstein einen finanziell soliden Förderverein, der das vergangene Jahr mit einem Gewinn von knapp 3000 Franken abgeschlossen hat. Das Budget 2019 geht wiederum von einem kleinen Gewinn aus. Eines der Ziele im neuen Jahr sei das Generieren neuer Mitglieder. Im Anschluss an den offiziellen Teil stellte Gemeindepräsident Renato Truniger als Gastgeber die Gemeinde Mosnang vor.

Referat zur 2000-Watt-Gesellschaft

Stefan Brändle, der Experte für erneuerbare Energien und Elektromobilität, zeigte am Ende des Abends auf, was es benötigt, um das Ziel «Leben in der 2000-Watt-Gesellschaft» umzusetzen. Der Mensch verändere die Umwelt, deshalb nehmen die Extremereignisse in Form von Umweltkatastrophen zu. Die Abkehr von Öl und Kohle hin zu erneuerbaren Energien sei dringend nötig. Die weltweiten Demonstrationen gegen den Klimawandel zeigten auf, dass vor allem die jüngeren Generationen eine nachhaltigere Umsetzung der Klimaziele 2050 fordern.

Die Generalversammlung rundete ein Apéro im Eventhaus ab, das aus Anlass zum 10-Jahr-Jubiläum des Energietals jeweils während eines Monats in einer der zwölf Toggenburger Gemeinden steht. Es ist für jedermann offen.