«Bräker's Globe»: Wie ein Stück Toggenburger Geschichte in den Europapark kam

Vor 20 Jahren verkaufte Christoph Blocher «Bräker’s Globe» an den Europapark. Das Theater wurde ursprünglich für die Bräker Festspiele in Lichtensteig gebaut.

Michael Hehli
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Das Globe Theatre an seinem heutigen Standort im Englischen Themenbereich des Europaparks. (Bild: PD)

Das Globe Theatre an seinem heutigen Standort im Englischen Themenbereich des Europaparks. (Bild: PD)

Aus 484 Kubikmetern Holz und über 3000 Einzelteilen bestand «Bräker’s Globe». Der um zwei Drittel verkleinerte Nachbau des Londoner Globe Theatre wurde 1998 in Lichtensteig für die Bräker Festspiele anlässlich des 200. Todestages des Schriftstellers auf dem Parkplatz bei der katholischen Kirche gebaut.

Das Budget für den Anlass betrug 1,6 Millionen Franken. Hauptsponsoren waren die UBS und die Schweizer Illustrierte. 500'000 Franken des Budgets kamen vom damaligen Nationalrat Christoph Blocher, trotz des Protestes linker Lokalpolitiker.

Bau kostete eine halbe Million Franken

Für den Bau stellten sechs verschiedene Baufirmen Personal zur Verfügung. Die Einzelteile wurden allesamt in Toggenburger Firmen produziert und schliesslich vor Ort zusammengebaut. Das Projekt wurde ausserdem von der IG Holz Toggenburg und vielen Unternehmern unterstützt.

Die unentgeltlich oder zu Sonderpreisen geleistete Arbeit hatte einen Wert von 160'000 Franken. Trotzdem kostete der Bau schlussendlich 500'000 Franken. Im Juli 1998 konnte der Globe schliesslich den Veranstaltern übergeben werden.

Das Globe Theatre, als es noch in Lichtensteig stand. (Bild: Daniel Ammann)

Das Globe Theatre, als es noch in Lichtensteig stand. (Bild: Daniel Ammann)

Theater wurde nach Vorstellungen zum Kauf angeboten

Im Anschluss an die Vorstellungen liessen die Globeinfra AG und deren Mehrheitsaktionär, Christoph Blocher, das Theater wieder auseinandernehmen, lagerten es ein und suchten nach einem Käufer.

Der Region Toggenburg boten sie das Bauwerk für 650'000 Franken an. Nachdem dieses Angebot abgelehnt worden war, senkte die Globeinfra den Preis auf 250'000 Franken. Auch diesen Vorschlag schlug das Toggenburg mit der Begründung aus, dass die Unterstützung aus der Region zu gering ausfalle.

Nicht überall herrschte Verständnis für den Versuch, den Globe den Toggenburgern zu verkaufen. So mutmasste Reinhard Kobelt von der Regionalplanungsgruppe:

«Vielleicht wollte Blocher am Ende doch nicht einen so grossen Betrag hinwerfen.»

Die Globeinfra AG habe das Gebäude immer als ihr Eigentum betrachtet und wollte es von Anfang an nach den Festspielen weiternutzen, hielt Karl Imhof von der Globeinfra AG und Vizepräsident der EMS-Gruppe entgegen.

Lukas Leuenberger, der Produzent der Festspiele, sagte, die 500'000 Franken habe Blocher nicht der Region, sondern ihm zur Verfügung gestellt. «Wenn man jemandem etwas nachschmeisst, dann vergammelt es. Wenn also Bräker’s Globe dem Toggenburg etwas wert ist, dann muss es das auch beweisen.»

Christoph Blocher selbst meinte:

«Ich habe nie gesagt, ich schenke dem Toggenburg das Theater. Ich übernahm das Defizit.»

Dieses Defizit werde kleiner, wenn das Theater verkauft werden könne.

Für den Verbleib des Theaters in der Region setzte sich der ehemalige Stadtammann Lichtensteigs, Fridolin Eisenring, ein. Einen Vergnügungspark empfand er als «entwürdigend» für das dreistöckige Theater. «Das Toggenburg hat einfach zu spät reagiert und eine Chance vertan», wurde er im «Toggenburger» zitiert. Immerhin sei die Ungewissheit zu Ende.

Roland Mack, die Euromaus und Christoph Blocher (v. links) bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags. Im Hintergrund Kurt Felix und Lukas Leuenberger. (Bild: PD)

Roland Mack, die Euromaus und Christoph Blocher (v. links) bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags. Im Hintergrund Kurt Felix und Lukas Leuenberger. (Bild: PD)

Zur Unterzeichnung des Kaufvertrags reiste Blocher nach Rust

Roland Mack, der Geschäftsführer des Europaparks in Rust investierte laut dem «Blick» schliesslich zwischen 400'000 und 600'000 Deutsche Mark für Kauf und Wiederaufbau des Gebäudes. Die Inflation ausser Acht gelassen sind dies zwischen 327'000 und 491'000 Franken. Diese Zahlen blieben allerdings unbestätigt.

Zur Unterzeichnung des Vertrages reisten Ende August 1999 Christoph Blocher, Theaterproduzent Lukas Leuenberger und Fernsehmoderator Kurt Felix, welcher Mack auf den Verkauf des Globe aufmerksam gemacht hatte, nach Rust. Bis heute steht das Toggenburger Globe Theatre im Englischen Themenbereich des Europaparks, wo es während der Saison für Aufführungen verschiedener Art verwendet wird.