RAD-WM
Belgier gehen leer aus - Hirschi stürzt und wird übersehen - Alaphilippe doppelt nach

Der Titelverteidiger schlägt den favorisierten Belgiern ein Schnippchen. Die Schweizer sind an der Strassen-WM in Belgien chancenlos. Marc Hirschi muss nach einem Sturz genervt aufgeben.

Daniel Good
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Der neue und alte Weltmeister Julian Alaphilippe.

Der neue und alte Weltmeister Julian Alaphilippe.

Bild: Julien Warnand / EPA

Es war alles angerichtet für die Belgier zum 100-jährigen Jubiläum der WM. Hunderttausende der radsportverrückten Flamen säumten die Strassen. Mit Topfavorit Wout van Aert und Supertalent Remco Evenepoel hatten die Einheimischen im WM-Strassenrennen in Flandern zwei der stärksten Teilnehmer in ihren Reihen. Zudem stellten sie die stärkste Mannschaft mit erstklassigen Helfern wie Tim Declercq.

Der erste Franzose mit zwei WM-Titeln auf der Strasse

Aber es kam alles anders. Und der fünffache Weltmeister Eddy Merckx wird seine Nachfolger wie nach dem olympischen Strassenrennen scharf kritisieren. Es reichte den Belgiern nach 268 Kilometern nicht einmal zu einer Medaille. Jasper Stuyven, im Frühling Gewinner des Monuments Mailand–Sanremo, kam noch auf Platz vier.

Aber van Aert, der schliesslich Elfter wurde, gingen im Finale die Kräfte aus. Und Evenepoel hatte so viel Mannschaftsarbeit geleistet, dass auch er die Waffen strecken musste.

Von der Schwäche der Favoriten profitierte einer, der im «normalen» Profialltag in einer belgischen Mannschaft unter Vertrag steht und häufig die Dienste von Declercq in Anspruch nimmt. Der 29-jährige Franzose Julian Alaphilippe lancierte knapp 20 Kilometer vor dem Ziel in Leuven den entscheidenden Angriff. Die düpierten Verfolger brachten keine konzertierte Entente zu Stande und sahen den erfolgreichen Titelverteidiger bis ins Ziel nicht mehr. Platz zwei ging an den Niederländer Dylan van Baarle, die dritte Medaille holte der Däne Michael Valgren.

Alaphilippe war schon im vergangenen Jahr in Imola Weltmeister geworden. Er ist der erste Franzose, der den begehrtesten WM-Titel nun zum zweiten Mal gewonnen hat. Das schaffte nicht einmal Bernard Hinault. Vor einem Jahr kürte sich Alaphilippe zum zehnten französischen Strassenweltmeister – vor van Aert und Marc Hirschi.

Marc Hirschi stürzt – und wird übersehen

Zum Abschluss der WM 2021 war das Rennglück dem jungen Berner nicht hold. Hirschi stürzte nach einem Positionskampf und erlitt Schrammen an Knie und Ellbogen. Der 23-Jährige hätte das Rennen fortsetzen können, aber Hirschis Velo war wegen eines defekten Reifens nicht mehr fahrbar. Radio-Tour, der Informationskanal für die Personen in den Begleitfahrzeugen, meldete den Sturz nicht. Funk gibt es nicht an einer WM. So fuhr das Auto von Swiss Cycling am mutmasslich stärksten Schweizer vorbei – und dieser musste aufgeben.

So wurde Stefan Küng, der WM-Dritte von 2019, bester Schweizer. Der 27-jährige Thurgauer klassierte sich auf dem 41. Rang mit einem Rückstand von gut sechseinhalb Minuten auf Alaphilippe.

Küng verpasste den entscheidenden Postabgang gut 50 Kilometer vor dem Ziel nur um einige Positionen. Er hatte sich aber im Vorfeld des Massenstartrennens nicht allzu viel ausgerechnet:

«Es war wie erwartet eine Angelegenheit für sogenannte Puncher. Und das bin ich nicht. Ich sass in den vergangenen zwei Wochen auch fast nur auf dem Zeitfahrvelo.»

Bessere Chancen rechnet sich Küng am nächsten Sonntag aus, wenn mit Paris–Roubaix sein Lieblingsrennen auf dem Programm steht.

Als einziger Schweizer in die Offensive trat der Neoprofi Stefan Bissegger. Der 23-jährige Thurgauer lancierte nach etwa 100 Kilometern eine Konterattacke und kam in einer Gruppe mit so prominenten Fahrern wie Evenepoel und Primoz Roglic unter. Die Vorhut erarbeitete sich über zwei Minuten Vorsprung. Aber die Italiener forcierten im Feld vehement das Tempo, sodass der Olympiateilnehmer und seine Fluchtkollegen wieder eingeholt wurden.

Bissegger beendete das Rennen nicht. Einen Grund zur Freude hatte er dennoch: Mit Valgren holte ein Teamkollege Bronze, auch der fünftklassierte Neilson Powless gehört das Jahr über zu Bisseggers Mannschaft.

Mit zwei Ärztinnen und zwei Olympiazweiten

Im Strassenrennen der Frauen über 157 Kilometer kam die Genfer Ärztin Elise Chabbey als 13. und beste Schweizerin ins Ziel. Auf Platz 15 landete Sina Frei, die Olympiasilbermedaillengewinnerin im Mountainbike. Sie fuhr noch nie ein so langes Rennen. Für die Bernerin Marlen Reusser, die Olympia- und WM-Zweite im Zeitfahren, resultierte der 90. Rang.

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