Öffentlicher Verkehr
Neue Busse kommen, alte gehen: Wohin? Das zweite Leben der St.Galler Stadtbusse

Bis Sommer nehmen die Verkehrsbetriebe St.Gallen neue Busse in Verkehr, sechs Batteriegelenktrolleybusse und elf Batteriedoppelgelenktrolleybusse. Ein Teil der alten Fahrzeuge wird dafür verkauft. Wohin ihre Reise geht, ist noch unklar.

Diana Hagmann-Bula
Merken
Drucken
Teilen
Wo die alten Busse diesmal hingegen, ist noch unklar.

Wo die alten Busse diesmal hingegen, ist noch unklar.

Bild: Sabrina Stübi

Ab nächster Woche machen in St.Gallen zwei neue Batterietrolleybusse den öffentlichen Verkehr grüner. Bis Sommer kommen 15 weitere dazu. Und dann wird es eng in der Leichtbauhalle im Sittertobel. Nur knapp ein Jahr nach dem Aufbau ist sie voll. Im Hauptdepot an der Steinachstrasse gibt es schon seit Jahren keinen Platz mehr. Ein neues Zuhause für Busse, die nicht im Einsatz sind, samt Betriebszentrale der Technischen Betriebe ist geplant. Für 100 Millionen, im Lerchenfeld. Stadtrat Peter Jans geht jedoch davon aus, dass sie (sofern die Bevölkerung zustimmt) nicht vor 2026 fertig gebaut sind.

Deshalb müssen die alten Dieselbusse weg. Zumindest die meisten. Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG), sagt:

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen.

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen.

Bild: Michel Canonica
«Ein paar Exemplare werden wir vorübergehend als Reserve behalten.»

Sie kommen dann zum Beispiel als Shuttlebus zum Bergrennen Hemberg in Einsatz oder als Bahnersatz ab Mörschwil. Sie fahren vielleicht wieder Musik- und Partyfreunde ans Open Air St.Gallen. «Unser Nebengeschäft. Irgendwann wird es wieder möglich sein», hofft Eigenmann.

Eingeschlagenen Scheiben und ein Deal, der fast platzte

Bis Sommer sollen zwei Dieselbusse verkauft sein, bis Ende Jahr wohl acht weitere, heisst es. Wo die Reise der Fahrzeuge hinführt, ist noch unklar. «Wir haben auch schon einige inländische Interessenten», sagt Eigenmann. Weder Namen noch möglichen Preis kann er zum jetzigen Zeitpunkt nennen.

«Wenn spezialisierte Unternehmen oder Händler sehen, dass eine Destination neue Fahrzeuge ausschreibt, melden sie sich. Gerade bei ausländischen Interessenten muss man auf der Hut sein. Nicht alle machen seriöse Geschäfte», beschreibt Eigenmann den Markt für Altbusse. Eigenmann hat in seiner Zeit als VBSG-Leiter schon einmal eine Flotte erneuert. Und schon einmal alte Busse verkauft. In den Jahren 2009 und 2010 war das. Einige Autobusse gingen damals nach Bulgarien und Rumänien. «Ein Deutscher, der dort in der Entwicklungshilfe tätig war, vermittelte sie», erinnert sich Eigenmann.

Die VBSG stellten die Busse bis zum Abholtermin bei der Deponie Tüfentobel ab. Eines Nachts schlugen Jugendliche mit Feuerlöschern einige Scheiben ein. «Der Mann nahm die Busse trotzdem. Er liess die Fenster in Bulgarien reparieren, das kam günstiger als hier in der Schweiz. Ich gewährte ihm dafür einen kleinen Preisnachlass», so Eigenmann weiter. 4000 bis 5000 Franken habe damals ein Fahrzeug eingebracht.

2010 verkaufte er Trolleybusse nach Sarajevo. Eigentlich habe er sich mit dem Vermittler, «einem höflichen Herrn», schon fast geeinigt gehabt. «Da wurde der Verkehrsdirektor der bosnischen Stadt Knall auf Fall abgesetzt. Das Geschäft kam ins Wanken», sagt Eigenmann. Und:

«Wie in einem Krimi habe ich mich gefühlt.»

Bild: Hannes Thalmann (23. September 2005)

Einige Zeit später meldete sich der Nachfolger aus Sarajevo bei den VBSG. Er wollte direkt einkaufen, nicht über einen Mittelsmann. Eigenmann sagt:

«Fortan verhandelte ich mit einem Schweizer Zahnarzt, dem Bruder des neuen Verkehrsdirektors von Sarajevo.»

Der Abschluss gelang doch noch. Der Preis: zwischen 40'000 und 50'000 Franken pro Bus.

Heiligkreuz in Chile

Wo auf der Welt fahren sonst noch St.Galler Stadtbusse herum? Eigenmann sagt, dass sein Vorgänger Fahrzeuge ins chilenische Valparaiso verkauft habe. «Vor sechs Jahren fuhren sie noch, soweit ich weiss. Wir haben entsprechende Fotos zugeschickt bekommen», sagt Eigenmann. Farbe, Anschrift, alles gleich wie damals in der Gallusstadt. Sogar die 3 für die Linie Heiligkreuz sei noch als Fahrziel angezeigt gewesen. «Das neue Ziel haben sie einfach auf einem Täfelchen hinter die Scheibe geklebt.»

In wirtschaftlich schlechter gestellten Ländern sind die alten Busse aus St.Gallen noch gut genug. Im Ausland verbringen sie ihren Lebensabend, stehen für Fortschritt, den man sich hier von neueren Busgenerationen verspricht. Beim Verkauf nach Sarajevo habe ihn denn auch das schlechte Gewissen etwas geplagt.

«Die Fahrzeuge aus den 1990er-Jahren taten nach wie vor ihren Dienst, klar. Aber gut fürs Klima waren sie nicht.»

Diesmal wird Eigenmann die ausgemusterten Fahrzeuge ohne Gewissensbisse loswerden. «Wir haben sie 2008 gekauft. Damals waren sie supermodern. Sie entsprechen der Euro-Norm 5 EEV und tragen der Umwelt deutlich mehr Sorge.»