Musik
«Unsere Musik soll nicht allen gefallen, sie darf auch Ecken und Kanten haben»: So klingt das neue Album des St.Galler Künstlerkollektivs 2kmafia

2kmafia, ein ambitioniertes St.Galler Künstlerkollektiv, bringt Mitte Juli mit «Exodus» sein neues Album heraus. Eine gelungene Fusion von Text, Musik und Performance.

Markus Wigert
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Die Musik von 2kmafia kommt ohne sexistische Texte und Machismo aus.

Die Musik von 2kmafia kommt ohne sexistische Texte und Machismo aus.

Bild: PD

Kristallklar breitet sich der Sound im Studio in Rotmonten aus. Er tönt synthetisch, digital und irgendwie entrückt. Sphärenklänge wie aus einer anderen Welt. Die Texte anklagend, gesellschaftskritisch, doppeldeutig. Man muss genau hinhören, um die Botschaften richtig zu verstehen.

Sound und Texte vermitteln eine Welt voller Widersprüche und Stolpersteine, an denen man entweder zerbrechen oder ihnen eine heilsame Ironie entgegensetzen kann. Und genau das machen die Texte von 2kmafia: Sie brechen den Schmerz der alltäglichen Zumutungen und versuchen ihn aufzulösen durch den Kontrapunkt einer Welt, wo das Gemeinsame über den rohen Egoismus gestellt wird.

Gemeinschaft statt Egoismus

Das Gemeinschaftliche spiegelt sich auch im Künstlerkollektiv selber, welches aus sechs jungen Männern besteht, alle zwischen 1998 und 2001 geboren. Die bürgerlichen Namen sind ihnen weniger wichtig als ihre Künstlernamen, mit denen sie in der Zeitung erscheinen wollen: noah2k, Gana94, T-God, Skinny, Scem und Madflow.

Mitte Juli erscheint ihr neues Album mit dem biblischen Namen Exodus, eine Art Programmmusik, mit der das Kollektiv verschiedene Orte in der Stadt musikalisch darstellt: so unter anderen den Marktplatz, das Flon und die Treppe davor, den Hauptbahnhof, das Quartier St.Fiden, den Kulturtreffpunkt Kugl und Dreiweihern. Und diese Songs entwickeln eine künstlerische Kraft, welche zugleich in den Bann zieht und einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Dabei entsteht ein fesselnder Kontrapunkt zwischen den gesellschaftskritischen Texten und einem meditativ-beruhigenden Sound aus Samples und Plugins.

Die Songs zeichnen sich aus durch rhythmische Perfektion und eine akribische Abstimmung von Text und Musik. Raffiniert sind die Strophen verwoben mit den digitalen Sphärenklängen. Man kann von eigentlichen Gedichten sprechen in bester Spoken Word und Rap-Tradition. Dass dahinter eine Menge Arbeit steckt und viel künstlerisches Talent, zeichnet das neue Album aus und ist ein Versprechen für die Zukunft. Mit Monet192 hat bereits ein anderer St. Galler Rapper gezeigt, wie der Aufstieg zu den Top 10 der Deutschrapper gelingen kann.

Die Texte leben nicht von billiger Effekthascherei

Steht die Band kurz vor dem Durchbruch? Die Frage ist berechtigt, denn die Authentizität des Kollektivs und dessen künstlerische Qualität versprechen einen durchaus möglichen Durchbruch in der Szene des deutschsprachigen Raps und das ganz ohne sexistische Texte und Machismo. Die Texte präsentieren sich sublimer und literarischer und leben nicht von billiger Effekthascherei.

Man kann von eigentlichen Gedichten sprechen mit unverwechselbaren Aussagen. Dabei sind die Themen breit gestreut: Träume, Ängste, Lebenserfahrungen, Euphorie, Lebenslust. «Wir malen mit Wörtern und verstehen die Musik und den Text als Einheit», sagt denn auch noah2k. Und T-God ergänzt: «Unsere Musik soll nicht allen gefallen, sie darf auch Ecken und Kanten haben.» Kennen gelernt haben sich die Bandmitglieder des Künstlerkollektivs auf der Treppe vor dem Kulturtreffpunkt Flon.

Das neue Album Exodus erscheint Mitte Juli auf den digitalen Streaming-Plattformen Spotify und Apple Music mit der Eingabe 2kmafia.