Drei Weieren
«Ein Hoch auf unsere zukünftige Wirtschaftselite»: Die Leserschaft erzürnt sich über HSG-Littering-Sünder

Zwischen 200 und 400 HSG-Studierende haben am Dienstagmorgen im Naherholungsgebiet Drei Weieren Plastiksäcke, Bierdosen, Pizzakartons und Flaschen hinterlassen. Die unschönen Bilder bewegen die Leserschaft. Neben der allgemeinen Entrüstung an der «zukünftigen Elite» wird allerdings auch Kritik in Richtung Stadt laut.

Aylin Erol
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Abfall, so weit das Auge reicht, fanden die Bademeister der Drei Weieren am Dienstagmorgen vor.

Abfall, so weit das Auge reicht, fanden die Bademeister der Drei Weieren am Dienstagmorgen vor.

Bild: Christina Weder (13. September 2022)

Am Montagabend wurde auf Drei Weieren gefeiert, getrunken, gegessen – und dann eben nicht gründlich aufgeräumt. Die Bilder von auf der Möslengutwiese herumliegenden Bierdosen, Glasflaschen und allerlei Plastik erzürnte unsere Leserschaft. Bei den Littering-Sünderinnen und -Sündern handelt es sich um HSG-Studierende.

«Ein Hoch auf unsere zukünftige Wirtschaftselite», meint ein Facebook-User zynisch und bekommt reichlich Zuspruch aus der Community. «Das gibt zum Teil unsere neuen Führungskräfte», schreibt eine andere.

Früher war alles besser? – Eher nicht

Da es sich bei den Abfallverursacherinnen und -Abfallverursachern um Studierende der HSG-Startwoche handelt – also Personen, die tendenziell zwischen 18 und 21 Jahre alt sind – hagelte es sogleich auch Kritik an der vermeintlich heuchlerischen Klimajugend:

«Sie demonstrieren für die Umwelt und machen die grösste Sauerei!»

Der Schritt zum «früher war alles besser»-Mantra ist da nicht mehr gross: «Das ist heutzutage so. Also wir haben unseren Dreck alle mitgenommen.» Doch dem widersprechen doch einige Kommentare: «Eine Schande, aber das haben sie vor 20 Jahren schon praktiziert», schreibt eine Userin auf Facebook.

Ein weiterer Kommentator, der angibt, über 60 Jahre Anwohner am Mannenweier gewesen zu sein, freut sich bereits auf den Zeitungsbericht 2023 über dasselbe Problem: «Alle Jahre berichtet das Tagblatt über die Abfälle auf Drei Weieren! Alle Jahre wird anschliessend wieder viel diskutiert, der «runde» Tisch wird am Mannenweier aufgestellt! Und nächstes Jahr wird das Tagblatt wieder über die übermässigen Abfälle diskutieren.»

Tatsächlich hat diese Zeitung nicht zum ersten Mal von Littering im Naherholungsgebiet geschrieben. 2018 berichteten wir etwa vom Bademeister Renato Dietrich, der jeden Morgen bis zu zwei Stunden lang Abfall zusammenfegte – Zurückgebliebenes von Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmern. Dietrich meinte damals aber:

«Vor zehn Jahren lag hier doppelt so viel Abfall herum.»

Davon, dass man die Weieren über Nacht abschliessen müsse, wie dies einige Leserinnen und Leser vorschlagen, hielt er schon 2018 nichts. Denn damit würde man all jene bestrafen, die sich an die Regeln halten. «Und das ist die Mehrheit.»

Braucht es grössere und mehr Abfallkübel?

Trotzdem müssten richtige Lösungen her, findet die Leserschaft und sieht einen Teil des Problems bei zu kleinen Abfallkübeln. Immerhin fanden die Bademeister bei den Drei Weieren am Mittwochmorgen vor allem auch rund um die überquellenden Abfallkübel verstreut Müll. «Vielleicht könnte man auf den Drei Weieren etwas grössere Abfallbehälter aufstellen als diese kleinen, feuerverzinkten Drahtkörbe aus dem Jahr 1957. Wie wärs damit?», fragt ein Kommentator.

Was die Stadt dazu meint? «Diese Massnahme macht aus unserer Sicht keinen Sinn», sagt Werner Kühne, stellvertretender Strasseninspektor der Stadt. Mehr Abfallkübel bedeuteten mehr Aufwand und Kosten für die Stadt. Denn unter «normalen» Umständen würden die gestellten Behälter ausreichen. «Wir gehen aufgrund der Berichte der Stadtpolizei davon aus, dass am Montag zwischen 200 und 400 HSG-Studierende feierten. Das ist eine absolute Ausnahmesituation.» Für solche Fälle sei die Polizei eigentlich auch gerüstet und könne zusätzliche Abfallsäcke bereitstellen.

«Dass bei so vielen Menschen aber auch ein bisschen Müll liegen geblieben ist, ist verständlich – wenn auch natürlich nicht schön, gerade für die Anwohnenden.»

Kühne gibt zu bedenken, dass ein Grossteil des Mülls von den Studierenden richtig entsorgt worden sei. Auch die Anhäufung rund um die Abfallkübel sei in dieser Situation begrüssenswert.

Der Morgen danach: Ein Teil des Abfalls, der liegengeblieben ist.

Der Morgen danach: Ein Teil des Abfalls, der liegengeblieben ist.

Bild: Christina Weder (13. September 2022)

Aus Sicht der Stadt ist das Thema Littering bei den Drei Weieren deshalb deutlich kleiner, als es auf Aussenstehende wirkt. «Von weiteren Massnahmen gegen das Problem, das ohnehin immer kleiner wird, sieht die Stadt deshalb ab», sagt Kühne. Die Gesellschaft sei inzwischen sehr auf Littering sensibilisiert. Auch soziale Kontrolle spiele da rein.

«Es traut sich doch kaum mehr jemand, Abfall einfach auf den Weg zu werfen.»

Ausserdem habe die Ermahnung der HSG an ihre Studierenden bereits Früchte getragen. Am Dienstag feierten einige erneut beim Manneweier und Co. «Zurückgeblieben ist auf den Wiesen und Strassen rundherum aber kaum Müll», sagt Kühne. Da bleibt nur eines zu sagen, wie auch ein Leser auf unserer Newsapp bereits meinte:

«Gratulation an alle anderen Personen, die immer tipptopp aufräumen! Das zählt und ist Charaktersache.»