Musik
Viel mehr als musikalischer Kitsch: Jubiläumskonzert der Coverband The Noise Brothers im Eisenwerk Frauenfeld

Bei einem Wein würde man nach 30 Jahren sagen: gut gealtert. Und wer samstagnachts dem Auftritt der gleichaltrige Party-Cover-Band «The Noise Brothers» im Eisenwerk Frauenfeld folgte, kam unweigerlich zum gleichen Schluss.

Christof Lampart
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Voll in seinem Element: Frontsänger Pat Noise.

Voll in seinem Element: Frontsänger Pat Noise.

Gegründet wurden die Noise Brothers 1991 in Frauenfeld. Nun lud die Band im 31. Jahr ihres Bestehens in der Post-Corona-Zeit zur 30-Jahr-Feier ein. Vier Musiker, die zu dieser Zeit vorwiegend als Musiklehrer oder Studiomusiker beschäftigt waren, entschlossen sich damals, Spass auf der Bühne zu haben und «Dampf abzulassen».

Das war damals so – und das war in der Samstagnacht (und auch noch gut 20 Minuten darüber hinaus) im Eisenwerk Frauenfeld nicht anders. Denn was das mit diversen Gastmusikern wie Beni Müller (Keyboard/Orgel) verstärkte Quartett während über drei Stunden live auf die Bühne hinlegte, brachte den Saal im Eisenwerk zum Kochen – und zwar je länger, je mehr.

Besucherinnen und Besucher tanzen zum Konzert der «Noise Brothers».

Besucherinnen und Besucher tanzen zum Konzert der «Noise Brothers».

Bild: Ralph Ribi

Gut abgestimmte Dramaturgie

Nebst ihrer Leidenschaft für den mal mehr, mal weniger harten Rock vergangener Tage wussten The Noise Brothers auch hervorragend ihren Auftritt zu inszenieren und wirkungsvoll in Gang zu bringen.

Zum Aufwärmen gab es den Schmuseklassiker «Everybody needs Somebody», dann Bob Marley-Songs wie «I shot the Sheriff» und «Could it be love». Lauter Lieder, die zum Reinfinden ins Konzert dienten. Einige tanzten schon, doch die überbordende Energie, welche sich vor allem im zweiten Teil im Saal entfesselte, war hier noch gezähmt. Zwar spürbar, aber noch unter Verschluss gehalten.

Doch wer die Noise Brothers kennt, der weiss, dass sie es nicht lange beim Schmusesound belassen, wenn die Menge abrocken möchte. Ein vermeintlich letzter «Ausrutscher» in den musikalischen Kitsch musste aber mit «Stayin’ Alive» von den Bee Gees noch sein, bevor dann langsam, aber sicher «härtere Saiten» aufgezogen wurden.

Bild: Ralph Ribi

Schlagzahl und Stimmung steigern sich Lied für Lied

Was die Rolling Stones wegen vermeintlich rassistischer Untertöne in den USA nicht mehr spielen («Brown Sugar»), ist für Pat Noise und die Seinen kein Grund, davon abzulassen. Vor allem, wenn es beim Publikum so gut ankommt, wie am Samstag in Frauenfeld. Und so feierten gefühlt alle Superstars und Gruppen ihr Revival. Angefangen bei Elvis Presley bis hin zu modernen deutschen Rockklassiker wie «Tage wie diesen» aus dem Jahr 2012 (Die Toten Hosen) steigert sich Schlagzahl und Stimmung gefühlt praktisch Lied für Lied.

Wer dachte, dass schon bei «Schrei nach Liebe» (Die Ärzte) die Stimmung auf dem Höhepunkt ist, kennt entweder die The Noise Brothers nicht, oder hat sie lange nicht mehr gehört. Immer wieder packten die Jungs eins drauf, wobei sie mitnichten einfach die Klassiker abspulten, sondern den Songs ihr eigene Prägung verliehen. Genial wie frech das ikonische «I love Rock and Roll» von den Arrows (später coverte Joan Jett den Song) wiedergegeben wurde und die Konzertbesucher voll mitgingen. Doch auch das sollte noch nicht der Höhepunkt gewesen sein. Dieser wurde unzweifelhaft erst wenige Minuten vor Mitternacht erreicht als Billy Idols «Rebell Yell» angestimmt wurde. Nun kochte der Saal – und die Stimmung war so, dass höchstens bei den Musikern leichte (und verständliche) Ermüdungserscheinungen auszumachen waren.

Das Publikum jedenfalls hätte noch stundenlang zuhören können. Aber wenn schon «Easy» von den Commodores läuft, dann weiss auch der letzte Rockfan, was es zu dieser frühen Stunde geschlagen hat.