Geld
Finanziell Hand in Hand: Thurplus hilft Stadt Frauenfeld mit Millionendarlehen aus – eine Win-win-Situation

Die Stadt hat sich in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 16 Millionen Franken vom städtischen Energiedienstleister Thurplus ausgeliehen. Denn dieser hatte so viel Geld auf der hohen Kante, dass es durch die Negativzinsen gekostet hätte. Der Vorteil für die Stadt bei dieser internen Geldausleihe ist, dass die Provision für die Beschaffung von Fremdkapital entfällt.

Mathias Frei
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Wie auf der Tausendernote: In der Kantonshauptstadt hilft man sich gegenseitig aus.

Wie auf der Tausendernote: In der Kantonshauptstadt hilft man sich gegenseitig aus.

Bild: Gaetan Bally (Keystone)

Blut ist eben dicker als Wasser. Da hilft man sich in der Not auch mal mit einem Nötli oder zweien aus, vor allem, wenn es einem auch zum eigenen Vorteil gereicht. Und letztlich bleibt das Geld ja in der Familie – oder in diesem Fall in der Stadt. In der Botschaft zur Rechnung 2021 der Stadtverwaltung liest man:

«Im Rechnungsjahr wurden vermehrt die momentan nicht benötigten Liquiditätsreserven von Thurplus zur Finanzierung der Stadtverwaltung verwendet.»
Reto Angehrn, Finanzchef der Stadt Frauenfeld.

Reto Angehrn, Finanzchef der Stadt Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Das heisst konkret, dass die Stadt Darlehen aufgenommen hat bei Thurplus – in der Bilanz als «innerbetriebliche Geldausleihe» ausgewiesen. Wie der städtische Finanzchef Reto Angehrn erklärt, hat die Stadt zuletzt im Februar 2019 Fremdkapital auf dem freien Markt beschafft. 2020 und 2021 hat die Stadt dagegen nur bei Thurplus Geld aufgenommen, nämlich 16 Millionen Franken. Bei diesen innerbetrieblichen Ausleihen beträgt die maximale Laufzeit zwölf Monate. Ein Darlehen über 5 Millionen, das im Januar 2022 ausgelaufen wäre, wurde um ein Jahr verlängert, die anderen 11 Millionen sind wieder zurückgezahlt. Interne Darlehen, die bereits wieder zurückgezahlt worden sind, gab es auch von der Stadt an das Alterszentrum Park (AZP) und von Thurplus an das AZP.

Wegen Negativzins kostete brach liegendes Geld

Was ist der Hintergrund dieser internen Geldflüsse? Im Zentrum der Transaktionen steht laut Finanzchef Angehrn das Ziel, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu generieren. Da ist zum einen Thurplus. Der städtische Energiedienstleister galt lange als Goldesel und konnte grössere Reserven anhäufen. Die Überliquidität von Thurplus gehört aber seit dem Ukraine-Krieg mit den gestiegenen Energieeinkaufpreisen – die aber erst verzögert an den Endverbraucher weitergegeben werden – der Vergangenheit an. Zudem stehen mit dem geplanten Fernwärmeausbau grössere Investitionen an, die Thurplus zu einem grossen Teil aus eigenen Mitteln finanzieren wird. Fakt ist aber: Auch bei Thurplus kostete 2020 und 2021 das Geld auf den Bank- und Postkonti, weil ein Negativzins fällig war. Das hat sich durch den neusten Zinsbescheid der Schweizerischen Nationalbank mittlerweile verändert.

Das Areal von Thurplus an der Gaswerkstrasse.

Das Areal von Thurplus an der Gaswerkstrasse.

Bild: Reto Martin

Die Stadt wiederum wies in der Rechnung einen Finanzierungsfehlbetrag von 6,34 Millionen Franken aus. Das Budget 2022 und die Finanzpläne der kommenden Jahre gehen ebenfalls von Finanzierungsfehlbeiträgen aus. Es braucht also flüssige Mittel für den laufenden Betrieb und die geplanten Investitionen. Die Stadt würde zwar auch extern Geld zu gleichen Konditionen bekommen wie eben von Thurplus. Aber intern fällt die Provision für die Geldbeschaffung weg. Das heisst also: Dank der innerbetrieblichen Geldausleihe wurde das bei Thurplus brach liegende Geld aufgrund der Negativzinsen nicht weniger, während sich die Stadt die Gebühr für die Beschaffung des Eigenkapitals gespart hat und auch zinstechnisch gegenüber dem freien Markt leicht besser gefahren ist.

Stadt Frauenfeld hat hohe Kreditwürdigkeit

Dagegen sei die Bonität der Stadt kein Grund für diese Geldtransfers gewesen, sagt Reto Angehrn. Weil Thurplus aus den genannten Gründen nun selber Verwendung hat für die liquiden Mittel, musste die Stadt dieses Jahr bereits Fremdkapital auf dem freien Markt beschaffen – und das zu marktüblichen Zinsen. Angehrn sagt: «Das aktuelle Rating der Stadt kenne ich zwar nicht. Aber mir sind unsere Finanzkennzahlen bekannt. Und die sind grossteils gut.» Genau diese Werte seien letztlich relevant für eine Bewertung der Kreditwürdigkeit, sagt Angehrn. Im Übrigen müsse man Geld zahlen, um ein Rating zu bekommen.

Die Herausforderung bei diesen stadtinternen Geldausleihen sei gewesen, eine einheitliche Regelung zu finden, die keine Partei einseitig bevorteilt, sagt Angehrn. Denn die Stadt finanziere sich überwiegend durch Steuern, während Thurplus ein gebührenfinanzierter Betrieb sei.

«Die Spielregeln sind für alle genau gleich.»

Die Rahmenbedingungen wie Fixzins und Laufzeit für die einzelnen Ausleihen wurden als Stadtratsbeschluss festgehalten. Buchhalterisch gesehen, sind diese internen Ausleihen in der Rechnung 2021 nicht als Fremdkapital ausgewiesen, sondern als negativer Kontokorrent.