Scrabble ist ihr Spiel des Lebens

Blanca Gröblis grosse Leidenschaft ist Scrabble. Seit Jahren gehört die Uzwilerin im deutschen Sprachraum zu den besten Turnierspielerinnen. Am ersten internationalen Scrabble-Turnier in der Schweiz zählt sie zu den Favoritinnen.

Markus Rohner
Drucken
«Hey», sie hat gut lachen: Blanca Gröbli geht mit den Buchstaben weibeln – oder auch wieten, weifen, worfeln, wegern… (Bild: Daniel Ammann)

«Hey», sie hat gut lachen: Blanca Gröbli geht mit den Buchstaben weibeln – oder auch wieten, weifen, worfeln, wegern… (Bild: Daniel Ammann)

Bei Blanca Gröbli-Canonica, 67, dreht sich alles um Buchstaben und Worte. Kein Tag vergeht, an dem die ehemalige Lehrerin im Internet oder auf dem Brett nicht Scrabble spielt. Die Freude an der Sprache, am Lesen, am Tüfteln und Knobeln haben die Frau vor zehn Jahren zur begeisterten Scrabble-Spielerin gemacht. Es ging nicht lange, da gehörte sie im deutschen Sprachraum bald zu den Besten, die es verstehen, aus sieben Buchstaben ein Wort zu kreieren, das auf dem Scrabble-Brett möglichst viele Punkte bringt.

Manch Professor schluckte leer

2002 bestritt die Frau aus Oberuzwil in Deutschland ihr erstes Turnier, 2005 und 2006 erzielte sie als erste Schweizerin den Sieg beim «Zeit»-Scrabble-Turnier. Quasi das Wimbledon der deutschsprachigen Scrabble-Spieler. «Es war eine Sensation», erinnert sich Gröbli an die beiden Siege. Manch deutscher Professor oder Studienrat, der täglich und von Berufes wegen mit der deutschen Sprache zu tun hat, musste leer schlucken, als er am prestigeträchtigen Turnier von einer damals noch unbekannten Frau und krassen Aussenseiterin aus der Schweiz besiegt wurde.

Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Heute gehört Blanca Gröbli an internationalen Turnieren immer zu den Favoriten. Auch wenn sie in den letzten Jahren das «Zeit»-Turnier nicht mehr gewinnen konnte. «Es braucht halt auch etwas Glück, um bei einem Turnier bis in den Final vorzudringen», sagt Gröbli.

Unglaublicher Wörterspeicher

Glück hin oder her, wer sich in der deutschen Sprache nicht auskennt, der kämpft bei diesem Spiel von vorneherein auf verlorenem Posten. Wer siegen will, muss immer auf dem neusten Stand des Dudens sein. Das Standardbuch der deutschen Rechtschreibung ist die Bibel der Scrabble-Gemeinde. Wörter, die dort stehen, dürfen im Spiel verwendet werden. Zygoma, Prytane, Bahöl, bähen, bordieren, spondieren. Man glaubt sich in eine Fremdsprache verirrt zu haben. Erstaunlich, was die Frau aus dem St. Gallerland an deutschen Wörtern im Kopf gespeichert hat. Wieten, weifen, worfeln, weibeln, wegern. Da sind wir Schweizer geradezu froh, immer wieder auch Wörter aus der Deutschschweiz im Duden zu finden. Kürzlich haben es der Hitzgi und das Büsi dorthin geschafft.

Favoritin in St. Gallen

Blanca Gröbli und die Toggenburgerin Regula Schilling sind zwei von 40 Spielern, die am ersten März-Wochenende in St. Gallen am ersten internationalen Scrabble-Turnier der Schweiz teilnehmen und dort zu den Favoritinnen zählen. Schilling schaffte es im letzten Jahr in den Final des «Zeit»-Turniers und wurde 2009 deutsche Online-Meisterin. Doch der Sieg wird über die deutschen Spitzenspieler gehen, von denen ein paar in St. Gallen anwesend sein werden.

Blanca Gröbli freut es, dass ihr Hobby in den letzten Jahren in der Schweiz immer mehr Anhänger gefunden hat. In der Ostschweiz organisiert sie Scrabble-Treffs und geht regelmässig auch in die Schulen, wo sie Primarschülern im Rahmen der Projektwoche Buch das Spiel mit den Buchstaben näherbringt.

Ein ungleicher Kampf

Wer es mit Blanca Gröbli aufnehmen will, sollte seinen grössten Wortschatz mitnehmen. Wenn sie es mit «Amateuren» zu tun hat, beginnt die Meisterin gemächlich und lässt ihre Gegner nicht von Beginn weg in die Frustration versinken.

«Ich bin eine offensive Spielerin, gehe gern Risiken ein und gönne auch den anderen etwas», sagt sie grosszügig. Aber sobald sie die passenden Buchstaben beisammen hat, schlägt sie zu. Aus «Wölfe» macht sie ein «wölfend». Alles klar? Eine Wölfin, die gebärt, wölft. Je länger ein Spiel dauert, desto mehr kann sie Stärke und Routine ausspielen.

Während der Laie den Kopf zermartert und krampfhaft nach Wörtern suchen, in denen er endlich das verflixte Q oder X unterbringen kann, hat die Meisterin bereits ihr nächstes Wort gelegt: Exen. Wie bitte, exen? Das heisst in der Schülersprache von der Schule weisen.