Nachfolger der Marbacher Kobelt-Brüder

Peter Steiger aus Diepoldsau ist der dritte Rheintaler, der mit eidgenössischem Laub ausgezeichnet wurde – sogar viermal. Der 64-jährige pensionierte Maurer holte seinen ersten Kranz, als sich die Karriere der Kobelt-Brüder dem Ende zuneigte.

Mäx Hasler
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Heute restauriert Peter Steiger mit Vorliebe alte Autos, hier einen Aster Margeot aus dem Jahr 1895. (Bild: Mäx Hasler)

Heute restauriert Peter Steiger mit Vorliebe alte Autos, hier einen Aster Margeot aus dem Jahr 1895. (Bild: Mäx Hasler)

Schwingen. Sein erstes eidgenössisches Laub erschwang sich Steiger 1972 in La-Chaux-de-Fonds, wo er mit sechs gewonnenen und zwei gestellten Gängen Fünfter wurde. Zwei Jahre später legte er in Schwyz nach, wo er nach fünf gewonnenen, einem gestellten – gegen Schwingerkönig Roschi – und zwei verlorenen Gängen gegen Hunsperger und Ulmann den sechsten Rang belegte.

Dritter und Zweiter

In Basel schaute 1977 nach sieben gewonnenen und dem verlorenen Gang gegen Ehrensberger der dritte Platz heraus und 1980 in St. Gallen nach ebenfalls sieben gewonnenen und dem verlorenen Gang gegen den späteren Schwingerkönig Ernst Schläpfer belegte er den zweiten Schlussrang.

Im gleichen Jahr in dem er sein erstes eidgenössisches Laub holte, gewann Steiger auch das Rheintal-Oberländische in Mels. 1975 gewann er in Chur das Bündner Kantonale, das Appenzeller Kantonale in Schönengrund und das Nordostschweizer in Teufen. Ein Jahr später schwang Steiger am Glarner Kantonalen in Oberurnen obenaus und 1978 siegte er am Kantonalen in St. Gallen und am Thurgauer in Altnau. Spitzenplätze gab es für ihn auch am Stoos-, Brünig- und am Rigischwinget. Steiger holte damals an allen Bergfesten Kränze. Insgesamt gewann Steiger 65 Kränze, so viel wie kein anderer Rheintaler Schwinger, davon 39 Kantonalkränze und 12 NOS-Auszeichnungen in Serie.

Diese Erfolge, sagt Steiger, seien mehr gewesen als er selber erwartet habe, obwohl er ein ehrgeiziger Schwinger war. Diesen Erfolg verdanke er zum Teil auch seinen damaligen Trainingspartnern Werner Hug, Karl Steiger senior, Max Kobelt, Helmut Grutschnigg und nicht zuletzt Lothar Herrsche, die von ihm alles gefordert hätten. An diesen Kollegen habe er in den Trainings wachsen können. Mit 1,78 Meter Grösse und einem Gewicht von zu Beginn 74 und am Ende der Karriere 82 Kilo war Steiger nicht unbedingt ein Hüne. Dieses Manko machte er mit seiner Kondition und der Bodenarbeit wett, nebst dem Hochschwung und dem Bananengriff die Spezialität von Steiger.

Nehmen, wer kommt

Für Steiger gibt es keinen ersten, wertvollsten oder schönsten Kranz. «Für mich waren Kränze nicht so wichtig. Wichtig war, dabei gewesen zu sein und alles gesund überstanden zu haben. Ich habe an jedem Kranz Freude gehabt, denn es war nicht selbstverständlich, mit einem Kranz nach Hause zu kommen.» Er kenne viele Spitzenschwinger, die kein eidgenössisches Eichenlaub geholt haben. Auch im Schwingsport gebe es Lampenfieber, werde dort aber als Festfieber bezeichnet.

Einen Lieblings- oder Angstgegner hat Steiger keinen gehabt: «Man konnte sich die Gegner nicht aussuchen, man musste nehmen, wer kommt. Wichtig war der Durchhalte- und Siegeswille, den ich mir durch harte Trainings angeeignet hatte. Ich sagte immer: Der Erfolg muss kommen, wenn man hart trainiert.» Einen Lieblingsgegner hatte er aber doch, einen, vor dem er Hochachtung habe, Karl Meli. Nicht weil er gegen Meli 30-mal gestellt hat, sondern weil sich der zweifache Schwingerkönig nie zu schade war, an kleinen Festen anzutreten.

Erfolge auch als Ringer

Steiger glänzte nicht nur im Sägemehl, er war auch ein guter Ringer. Zweimal war er Schweizer Meister und achtmal Juniorenmeister. Auch an EM und WM war er dabei. Daran hat er schlechte Erinnerungen. Nicht sportlich, sondern menschlich: «Ein paar Jahre später begegnete ich einem damaligen Gegner aus der ehemaligen DDR, der an Krücken daherhumpelte. Ich hatte Mitleid mit ihm und dachte mir, wegen einer Medaille die Gesundheit aufs Spiel zu setzen, kann es nicht sein.»

Die 18 Jahre, in denen er geschwungen hat, seien eine sehr schöne Zeit gewesen, die er nicht missen möchte. Die Kameradschaft suche ihresgleichen und Schwingen sei für ihn eine Lebensschule gewesen. An einen Königstitel habe er nie den geringsten Gedanken verschwendet. Es habe damals schon gute und weniger gute Schwinger gegeben. «Ich persönlich war zufrieden, wenn ich mich unter dem ersten Sechstel klassierte. Das war nämlich nicht selbstverständlich. Um König zu werden, braucht es auch nicht unbedingt konstante Leistungen, manchmal hat auch die Tagesform entschieden.»

Forrer Favorit am Kantonalen

Jörg Abderhalden, Ruedi Hunsperger und Karl Meli, die zudem konstant gut schwangen, sind für ihn die besten Schwinger aller Zeiten. Ob der neue Schwingerkönig Kilian Wenger in deren Fussstapfen treten könne, werde sich zeigen. Favorit für das Kantonale in Balgach ist für Steiger Nöldi Forrer. Aber auch Urban Götte und Beat Clopath gelte es zu beachten. Den Rheintaler traut Steiger auch den einen oder anderen Kranz zu. Remo Meier, Beda Coray oder Reto Hutter hätten das Zeug dazu. Zudem sollte die Schwinghalle in Montlingen, auf die der Schwingklub Mittelrheintal stolz sein dürfe, endlich einmal Rendite abwerfen. Wenn es nicht klappe, müsse man halt akzeptieren, dass es Bessere gibt. «Ich bin ganz sicher dabei, denn als kantonales Ehrenmitglied ist der Besuch eines Kantonalen wohl Pflicht. Jedes Jahr besuche ich zudem ein Schwingfest, an dem ich noch nie als Zuschauer dabei war», sagte der Mann, der am Kantonalen 1980 in St. Gallen den letzten Kranz holte, und dann nach einem Kreuzbandriss seine Karriere beendete.