Lüchingen droht Post zu verlieren

LÜCHINGEN. Lüchingen muss damit rechnen, seine Post zu verlieren. Der im Dorf lebende Altstätter Stadtpräsident Ruedi Mattle bestätigt: «Es laufen Gespräche über die Zukunft der Lüchinger Post.» Dass es die Raiffeisenbank im Dorf ab dem Jahr 2016 nicht mehr gibt, steht schon fest.

Gert Bruderer
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Links von der Post (Bildmitte) bestand bis vor wenigen Jahren die Metzgerei, rechts neben der Post gab es den Dorfladen. (Bild: Gert Bruderer)

Links von der Post (Bildmitte) bestand bis vor wenigen Jahren die Metzgerei, rechts neben der Post gab es den Dorfladen. (Bild: Gert Bruderer)

LÜCHINGEN. Das Thema ist nicht neu. Bereits vor drei Jahren hat die Dorfbevölkerung eine drastische Kürzung der Öffnungszeiten hinnehmen müssen. Immer weniger waren die Dienstleistungen der kleinen Poststelle genutzt worden.

Seit der Kürzung der Öffnungszeiten ist die Post nur noch von 8 bis 11.30 Uhr geöffnet und samstags geschlossen. Somit war mit einem weiteren Umsatzrückgang zu rechnen. Die Medienstelle der Post aber relativiert: Nicht nur die kürzeren Öffnungszeiten seien der Grund für den Umsatzrückgang. Die Kundschaft sei immer mobiler, zahle Rechnungen übers Internet, sei der Post im eigenen Dorf nicht mehr unbedingt treu, erledige viel auf dem Arbeitsweg.

Stadt leistet Widerstand

Würde die Stadt Altstätten der Schliessung der Lüchinger Poststelle zustimmen, würde die Post wohl nicht zögern. Aber Ruedi Mattle sagt: «Die Stadt ist dagegen.» Es gebe dazu eine Aktennotiz jüngeren Datums.

Schon Mattles Vorgänger Daniel Bühler war regelmässig in Kontakt mit Vertretern der Post – wegen Hinterforst, Altstätten und Lüchingen. In Hinterforst ist vor vier Jahren im Dorfladen eine Agentur eingerichtet worden, in Altstätten war eine Zeitlang die Rückkehr der Post ins Städtli ein Thema, für Lüchingen war eine neue Lösung geprüft worden. Zu jener Zeit gab es noch einen Dorfladen und eine Metzg.

Heute hat das Dorf in seinem Zentrum keinen Laden mehr. Nur noch die Raiffeisenbank (mit Produkten, die jene der Post teilweise konkurrenzieren) gibt es – und einen modernen Coiffeur-Salon. Am nördlichen Dorfrand bestehen ein Lidl sowie ein Coop-Tankstellenshop. Kurzum: Ein Dorfladen als klassischer Partner der Post fehlt. Auch die Tage der Bank sind gezählt, wie man seit dem Wochenende weiss. An der Generalversammlung der Raiffeisenbank Oberes Rheintal wurde darüber informiert, dass die Bank in Lüchingen nur noch bis Ende des nächstes Jahres bestehe.

Letztlich entscheidet die Post

Die Befürchtung, die Lüchinger Poststelle könnte aufgehoben werden, hegte die Bevölkerung vor drei Jahren auch darum, weil damals der langjährige Poststellenleiter Rolf Tanner pensioniert wurde. Spekulationen gab es ausserdem, weil das Gebäude, in dem die Post das Parterre gemietet hat, den Besitzer wechselte. Fazli Sulejmani, dessen Familie das Haus heute gehört, lacht, als er nach der Zukunft der Poststelle gefragt wird. Schon kurz nach dem Kauf des Hauses, sagt er, habe sich ein Journalist mit der gleichen Frage bei ihm gemeldet. Aus Sicht seiner Familie sei alles klar und der Mietvertrag mit der Post nicht gefährdet; im Gegenteil freue man sich, wenn die Post als Mieterin im Gebäude bleibe.

Ob die Post in Lüchingen vertreten bleibt oder ob sie die seit langem erwogene Schliessung der Poststelle nun (gemäss jüngsten Anzeichen) durchziehen wolle, sei schwer abschätzbar, sagt der Stadtpräsident. Die Post meint auf Anfrage nur, es sei nichts entschieden. Sollte die Post Ernst machen, hätte die Stadt einen Monat lang Zeit, den Beschluss bei der Postkommission anzufechten. Allerdings gibt diese Kommission nur eine Empfehlung ab. Der Entscheid liegt letztlich bei der Post.