Erotik-Tempel öffnet bald

Lange war es ruhig um die künftige Kontaktbar am Blumenbergplatz. Jetzt erklärt Betreiber Alfonso Coretti, warum es zu Verzögerungen beim Umbau kam.

Malolo Kessler
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Das Bürohaus gegenüber dem «Palace» wird derzeit zur Kontaktbar umgebaut. (Bild: Coralie Wenger)

Das Bürohaus gegenüber dem «Palace» wird derzeit zur Kontaktbar umgebaut. (Bild: Coralie Wenger)

St. Gallen. Betonstücke, Bretter, Bauschutt. Kabel, die sich über den kahlen Boden schlängeln. Plastikplanen, die das Parkett bedecken. Und ein Lift ohne Licht: Das ehemalige Bürohaus am Blumenbergplatz ist derzeit noch mehr Baustelle als Kontaktbar. Eigentlich sollten hier aber schon längst Sexarbeiterinnen, Partygänger und Pärchen ein- und ausgehen. Nachdem das Baugesuch für die Kontaktbar im Juni 2009 rechtskräftig wurde, sprach der Betreiber davon, Mitte des Jahres 2010 zu eröffnen.

18 statt 24 Zimmer

«Wir mussten einige bauliche Änderungen vornehmen, die wir so nicht eingeplant hatten», sagt Alfonso Coretti, der den Club Studio 15 an der Bahnhofstrasse führt und die Kontaktbar betreiben wird. Aufgrund dieser Änderungen könne man jetzt erst im Sommer dieses Jahres eröffnen. Eine der baulichen Änderungen sei die Reduktion der Anzahl Zimmer gewesen. Ursprünglich sind 24 geplant gewesen. Jetzt sind es noch 18 Zimmer, dafür grössere. Zwei davon werden als Büro- und Aufenthaltsraum genutzt, die anderen 16 werden vermietet. Die Zimmer liegen in den oberen Etagen des Hauses. Ein Teil des Treppenhauses ist schon in verschiedenen Gelbtönen gestrichen. Rote Teppiche sollen einst den Betonboden bedecken. Einige Zimmer sind bereits tapeziert. In blassen Grün-, Orange-, Rosatönen. Gemalte nackte Frauenkörper, Früchte, Pflanzen. «Die Zimmer werden alle verschieden ausgestattet», sagt Coretti. Duschen habe es aber in jedem Zimmer, in den meisten auch WCs. In jenen im obersten Stock sind Whirlpools eingebaut. «Partyzimmer» nennt der künftige Betreiber diese Räume. Grundsätzlich könne jeder ein solches Zimmer mieten, sagt Coretti. «Eine Männergruppe, die Junggesellen-Abschied feiert, genauso wie ein Pärchen, das sich einmal in einer anderen Atmosphäre vergnügen will.» Und auch Sexarbeiterinnen, die in den Zimmern ihre Dienste anbieten wollen. In dieser Kontaktbar, deren Name Coretti noch nicht verraten möchte, sollen sie einst ihre eigene Chefin sein.

Im Erdgeschoss sind die Räume noch völlig leer. Hier werden eine Bar und eine Lounge entstehen. «Der Stil soll zwischen modern und antik liegen», sagt Coretti. «Wir wollen ein bisschen <Moulin Rouge> nach St. Gallen bringen.» Im ersten Untergeschoss des achtstöckigen Hauses wird ebenfalls eine Bar eingebaut. Zudem die Rezeption. Der Aussenbereich soll laut Coretti diskret gestaltet werden. Ohne rote Lichter, die für rote Köpfe sorgen könnten. Kein Geglitzer, kein Geblinke. Zurückhaltung ist denn auch Corettis Credo. Erotisch, elegant, einzigartig soll die künftig grösste Kontaktbar in der St. Galler Innenstadt sein. «Etwas, das es so in St. Gallen noch nicht gibt.» Ein Etablissement ohne Table-Dance, ohne Striptease. Hier solle jeder ungezwungen hereinkommen können – «auch einfach einmal, um nur ein Bierchen zu trinken», sagt Coretti. «Niemand ist zu irgendetwas verpflichtet, wenn er herkommt.» Klar hielten sich Frauen im Barbereich auf. Frauen für gewisse Stunden. «Diese laufen aber nicht nackt oder halbnackt herum und sind nicht aufdringlich.»

Etwas Neues ausprobieren

Coretti hat sich entschlossen, die Kontaktbar zu betreiben, weil er etwas Neues ausprobieren wollte. «Es ist eine interessante Herausforderung für mich. In der Regel sind solche Betriebe ja etwas ausserhalb des Stadtkerns angesiedelt.»

Coretti erwartet trotzdem, dass genug Leute kommen werden. Auch aus anderen Städten der Schweiz. «Ich wünsche mir, dass St. Gallen dereinst auf diese Kontaktbar stolz sein kann.»