Ein Stammbaum gibt seine Geheimnisse preis

Berühmte Männer verfolgen gerne ihren Stammbaum. Und wenn sie es nicht selber tun, dann kümmern sich andere darum. Genau das trifft zu bei demjenigen, dessen Geburtstag wir vor zwei Wochen begangen haben.

Ingrid Grave Dominikanerin In Zürich
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Matthäus schreibt über den Stammbaum Jesu und vier seiner Vor-Mütter. (Bild: Shutterstock)

Matthäus schreibt über den Stammbaum Jesu und vier seiner Vor-Mütter. (Bild: Shutterstock)

Berühmte Männer verfolgen gerne ihren Stammbaum. Und wenn sie es nicht selber tun, dann kümmern sich andere darum. Genau das trifft zu bei demjenigen, dessen Geburtstag wir vor zwei Wochen begangen haben.

Den Stammbaum Jesu «erforscht» hat ein gewisser Matthäus (Mt 1, 1 – 17). Beim Lesen der schier endlosen Liste von Vätern und Vorvätern wird es einem fast langweilig, wenn sich da nicht die Namen von vier interessanten Vor-Müttern eingeschlichen hätten!

Da ist Tamar, jung, zweifache Witwe und kinderlos. Sie hat keinen Stand mehr in der Gesellschaft. Es gibt aber für sie als Frau noch eine Chance und ein Recht. Das wird ihr verweigert, und zwar von ihrem mächtigen Schwiegervater Juda.

Da greift sie zu einer lebensgefährlichen List – als Dirne verkleidet verführt sie ihn, den inzwischen Verwitweten. Knapp einer Hinrichtung entkommen, wird ihr Recht auf Schwangerschaft anerkannt. Sie gebärt Zwillinge.

Rahab lebt als Dirne in Jericho. Sie gewährt den feindlichen Spionen Israels Unterschlupf, weil sie den Gott Israels als den Höchsten erkannt hat. Das bedeutet aber zugleich Verrat an ihrer Vaterstadt. Nach der Schlacht wird sie von Josua, dem siegreichen Feldherrn Israels, geehelicht.

Die dritte im Stammbaum heisst Rut, eine Fremde wie Rahab und kinderlose Witwe wie Tamar. Der Asylantin Rut gelingt der Sprung zurück ins Leben, indem sie – auf Anraten ihrer Schwiegermutter – einen gewichtigen Mann in Israel für sich zu gewinnen wagt.

Das gelingt!

Dadurch wird sie zur Urgrossmutter von König David.

Bleibt noch Batseba, die schöne und kinderlose Frau des Uria. Sie nimmt ein Bad in ihrem Garten, heimlich von König David beobachtet. Er lässt Batseba für eine Nacht zu sich in den Palast holen. Sie wird schwanger. – Batseba hätte wissen müssen, so sagen die einen, dass ihr Garten im Blickfeld des königlichen Palastes lag. Als einfache Frau hatte sie keine Chance, sich dem Wunsch des Königs zu verweigern, sagen die andern. – Nach dem Tod ihres Mannes, von König David geschickt gesteuert, wird Batseba königliche Gemahlin. Ihr Sohn ist der weise König Salomon. Ob Jesus sich für die eine oder andere Tat dieser Vormütter geniert hat? Oder war er stolz auf sie? Zweifellos aber wird er von ihrem schicksalhaften Frauenleben tief berührt gewesen sein.