Bibern gefällt's am Eselschwanz

Im Frühling 2006 wurden erstmals Biberspuren im Gebiet Eselschwanz entdeckt. Rudolf, so hat ihn Biberschutzfachmann Markus Moser getauft, war zuerst alleine unterwegs, mittlerweile weisen die Spuren auf vier bis sechs Tiere hin.

Rudolf Hirtl
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st. Margrethen. Wildhüter Mirko Calderara schiebt einen Ast beiseite und führt die Schreiberlinge auf einen Nebenpfad; weg vom Baggersee im Eselschwanz, wo bis anhin am meisten Spuren der sympathischen Nager zu entdecken waren. Über Stock und Stein, gelegentlich muss unter umgestürzten Bäumen durchgekraxelt werden, geht's ans Ufer des Alten Rheins. Wo ist denn nun der Biberbau? «Du stehst drauf», sagt Calderara mit einem schelmischen Lachen.

Futter für den Winter gebunkert

Tatsächlich, der Weg und ein Teil der Umgebung haben sich an dieser Stelle einen halben Meter gesenkt, ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich hier lebende Biber darunter eine gemütliche Stube ausgegraben haben. Das Luftloch sowie der mit Schilf sorgsam gedeckte und unter Wasser liegende Eingang beseitigen letzte Zweifel. Im Eselschwanz, wo er innerhalb seines Aktionsradius von 1,5 Kilometern steil abfallende Ufer vorfindet, verzichtet der Biber auf den Bau einer Wasserburg und gräbt sich stattdessen einen mehrere Meter langen Tunnel mit Nestkammer in die Uferwand.

«Es wird nicht mehr allzu lange dauern, ehe der Bau teilweise einstürzt», schätzt der erfahrene Wildhüter. Kein Problem, mit wachsamem Auge sind Eingänge zu anderen Bauten auszumachen. Einige auch über dem Wasserspiegel des Alten Rheins. «Diese werden nur bei Hochwasser benutzt», sagt Calderara und zeigt auf das Futterlager an der anderen Seite des Flusses. Dieses hätten die Tiere im Herbst angelegt und derart gut verankert, dass es auch starker Strömung widerstehe. Zudem befinde es sich grossteils unter Wasser, wodurch die Äste frisch blieben.

Wo sich der Erdbau von Rudolf befindet, bittet der Wildhüter nicht zu verraten; auch sollten Naturfreunde den Bau nicht auf eigene Faust suchen, um das scheue Tier nicht zu vertreiben.

Viele Spuren deuten auf Biber

Auch wer auf den erlaubten Wegen und Pfaden bleibt (bitte die angebrachten Naturschutzregeln beachten), bekommt genügend Spuren der Biber zu sehen. Angenagte Bäume oder frisch angeknabberte Äste sind an allen Ecken und Enden zu sehen.

Die Spuren weisen laut Mirko Calderara darauf hin, dass heute zwischen vier und sechs Biber am Eselschwanz leben; Rudolf samt Gefährtin und einige Jungtiere. Eines der flügge gewordenen Jungtiere wurde vor wenigen Wochen auf der nahen Autobahn getötet. Vermutlich habe er sich auf den Weg gemacht, ein eigenes Revier zu erschliessen, und sei dabei überfahren worden.

Rudolf ist vermutlich aus der Region Radolfzell schwimmend ins Gebiet Eselschwanz gekommen; möglicherweise ist er aber auch aus Bayern zugewandert.