B-Limite, aber kein Startplatz

Der 22-jährige Oberegger Skicrosser Marc Bischofberger hat überraschend die B-Limite für die Olympischen Spiele in Sotschi erreicht. Ob das für die Olympia-Qualifikation reicht, werden die nächsten drei Weltcuprennen zeigen.

Yves Solenthaler
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Marc Bischofberger: Der Oberegger hat sich mit einem siebten Platz im letzten Weltcup-Rennen ins Gespräch für Sotschi 2014 gebracht. (Bild: Swiss Ski)

Marc Bischofberger: Der Oberegger hat sich mit einem siebten Platz im letzten Weltcup-Rennen ins Gespräch für Sotschi 2014 gebracht. (Bild: Swiss Ski)

SKICROSS. Die Skicrosser leiden unter der Schneearmut, weshalb bisher erst vier Weltcuprennen ausgeführt werden konnten. Marc Bischofberger, Weltcup-Neuling vom Skiclub Oberegg, erfreut sich aber einer phantastischen Form – und kann nach einem siebten Platz in Innichen (Italien) sogar mit den Olympischen Spielen liebäugeln.

Kein Olympia-Druck

Mit diesem Ergebnis hat Bischofberger die B-Limite von Swiss Ski für Sotschi 2014 geschafft. Weil er aber erst seit dieser Saison regelmässig auf höchster Ebene fährt, fehlen ihm die für Olympia wichtigen Resultate des letzten Winters. «Darüber mache ich mir keine Gedanken», sagt Bischofberger, «mein Ziel in den Weltcuprennen bleibt die Qualifikation für die K.-o.-Runden (Top 32).» Er ist unbelastet vom Olympia-Druck in die Saison gestartet und möchte diese Lockerheit vor den nächsten Rennen nicht einbüssen.

Im Moment sind vom Schweizer Skicross-Team nur Armin Niederer und Alex Fiva für Sotschi qualifiziert. Mehr Startplätze gibt es nur dann, wenn es weitere Schweizer in die Top 32 der Weltrangliste schaffen. Und ein heisser Anwärter auf einen solchen Platz ist Mike Schmid, der Olympiasieger von 2010. Er war lange verletzt und bestreitet am 16./17. Januar in Val Thorens (Frankreich) seine ersten Weltcuprennen der Saison. Dazu liegt in der internen Rangliste Patrick Gasser vor dem Skicrosser aus Oberegg.

In der Fis-Weltrangliste liegt Bischofberger auf Platz 35, im aktuellen Gesamtweltcup erscheint er bereits auf Position 17. Diese Klassierung ergibt sich aus Bischofbergers bisherigen Resultaten: In vier Rennen erreichte er dreimal die K.-o.-Läufe – im Skicross gibt es jeweils eine Quali mit Einzelstart, in der sich die schnellsten 32 für die Ausscheidungsrennen qualifizieren. Dorthin hat es Bischofberger drei- von viermal geschafft. Sein Resultatblatt enthält die Ränge 16, 40, 24 und 7.

Highlight Top-10-Platz

Der siebte Platz kurz vor Weihnachten im Südtiroler Pustertal ist natürlich das Highlight, das zudem aussagt, dass die Formkurve Bischofbergers aufwärts zeigt: «Dass es so gut läuft – schon während des ganzen Winters –, ist phantastisch.» Beim Top-10- Platz in Innichen sei er aber auch vom Glück begünstigt gewesen: «Dort profitierte ich sicher davon, dass einige Fahrer ausgeschieden sind.» Dennoch hätte Bischofberger nichts gegen eine Wiederholung dieses Resultats. Nach den Rennen in Val Thorens findet vor Sotschi noch eine Konkurrenz in Kreischberg (Österreich) statt.

Wenn Bischofbergers Resultate dort gar noch besser werden, wäre der Weg nach Sotschi nicht mehr weit.

Flexibler Arbeitgeber

Der B-Kader-Athlet von Swiss Ski arbeitet bei ThyssenKrupp an seinem Wohnort Oberegg. «Im Dezember war ich aber nicht häufig am Arbeiten», sagt er. Wegen der langen Reisen und vielen Trainings schätzt es Bischofberger, dass sein Arbeitgeber derart flexibel ist. Finanziell kommt er über die Runden, weil er zu Hause wohnt, wo er auch Tips bekommt: Marcs Vater Beni Bischofberger fuhr früher Europacup-Rennen bei den Alpinen. Ein wirtschaftliches Ziel für diese Saison hat der Oberegger dennoch: «Ich bin noch auf der Suche nach einem persönlichen Kopf-Sponsor.»

Diese Woche trainierten die Schweizer Weltcup-Skicrosser in Sedrun. Nach einem Wochenende in Oberegg, geht es für Bischofberger am Montag schon weiter nach Frankreich.