SPENDENAKTION
Nach Vulkanausbruch im Paradies: Ein St.Galler Fotograf hilft seinen Freunden auf La Palma

Nach dem Vulkanausbruch auf La Palma kehrte der St.Galler Andoni Lopez an seinen Sehnsuchtsort zurück, um das Leben der betroffenen Menschen und Tiere zu fotografieren. Die Bilder sind Teil einer Spendenaktion.

Chiara Gerster Jetzt kommentieren
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Andoni Lopez vor seinem selbst umgebauten «Büssli» in der St.Galler Schneelandschaft – statt in der schwarzen Asche von La Palma.

Andoni Lopez vor seinem selbst umgebauten «Büssli» in der St.Galler Schneelandschaft – statt in der schwarzen Asche von La Palma.

Bild: Benjamin Manser

Der St.Galler Fotograf Andoni Lopez beobachtet den Schnee aus seinem Studio am St.Galler Güterbahnhof. «In La Palma haben wir immer gewitzelt, dass ich in der Schweiz durch den weissen Schnee gehe – und sie durch schwarze Asche», sagt der 29-Jährige. Nach dem Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma besuchte er Anfang November seinen Freundeskreis auf der Insel, um eine Spendenaktion zu starten. Mit dabei waren zwei seiner Kameras.

Biker, Polymech und vor allem Fotograf

«Ich bin ein waschechter St.Galler seit eh und je», sagt Lopez, der in der Stadt St.Gallen aufwuchs. Zu Hause wurde Spanisch gesprochen. Weil ihm sein Vater während seiner Kindheit öfters eine Kamera in die Hand drückte, begann Lopez mit 18 Jahren zu fotografieren – anfangs vor allem Sportfotos. «Ich hatte damals mein Leben ums Mountainbiken aufgebaut.» Lopez habe nie in Erwägung gezogen, mit der Fotografie Geld zu verdienen. So absolvierte er nach der Oberstufe eine Lehre als Polymechaniker und arbeitete anschliessend acht Jahre im Beruf. «Weil die Arbeit nie meines war, habe ich alles hingeschmissen, um zu sehen, wo mich das Leben hintreibt», sagt Lopez. «Ich weiss, es hört sich klischeehaft an.»

Nachdem er sich 2017 zwei Monate Zeit nahm, um sein «Büssli» umzubauen, reiste er durch Europa und besuchte ein erstes Mal La Palma. Dort nahm er an geführten Mountainbiketouren teil. Als ihn einige Monate später der Gruppenleiter anschrieb, ob Lopez selbst als Bikeguide arbeiten möchte, war für ihn sofort klar: Er würde eine Weile auf La Palma leben.

Täglich sass er vor allem auf dem Velo und verdiente zum ersten Mal Geld durchs Fotografieren.

«Ich habe auf der Insel meinen Traum gelebt.»

Über seinen neuen spanischen Freundeskreis lernte er Christian Maugg kennen.

Der Nidwalder Fotograf Christian Maugg auf La Palma.

Der Nidwalder Fotograf Christian Maugg auf La Palma.

Bild: Andoni Lopez

Der Nidwalder ist ebenfalls Fotograf und lebte als Kind für fünf Jahre in La Palma. Beide schwärmen von ihren spanischen Freunden: «Es ist eine Gruppe Gleichgesinnter – verrückte und weltoffene Menschen, die gerne reisen.» Nach sechs Monaten kehrte Lopez zurück in die Schweiz.

Nun sei er hier, wohnt mit seiner Freundin in einer Wohnung mitten in St.Gallen und hat sich als Fotograf selbstständig gemacht.

Livefeed des Vulkanausbruchs

Dann brach Mitte September ein Vulkan auf La Palma aus. Die Geschehnisse auf der Insel haben die beiden Schweizer laufend von ihrem spanischen Freundeskreis mitbekommen. «Der Gruppenchat war wie ein Livefeed», erzählt Lopez. «Wir waren starr und sprachlos.» Viele mussten ihr Zuhause verlassen und leben nun im Ungewissen, ob die Lava auch ihre Häuser verschlingen wird.

«Der Lavastrom ist wie eine Wand, der sich ganz langsam bewegt und alles frisst, was ihm in die Quere kommt.»

Nun leben die betroffenen Menschen entweder in ihren Zweitwohnungen, bei ihren Familien oder in einer umfunktionierten Hotelanlage auf der Insel. Trotzdem gehen die Palmeros wöchentlich in die abgesperrte Zone, um Asche von ihren verschütteten Häusern zu schaufeln. Maugg sagt: «Im Kollegenkreis helfen sich alle gegenseitig.»

Spenden für Mensch und Tier

Andoni Lopez und Christian Maugg wollten helfen. «Wir haben uns beide betroffen gefühlt», sagt Lopez. So kam Idee einer Spendenaktion auf: Mit Fotos von La Palma soll auf die Lage der Menschen und Tiere auf der Insel aufmerksam gemacht werden. Anfang November nahmen die beiden Fotografen die Fähre nach La Palma. Sie begleiteten ihre Freundinnen und Freunde, packten mit an und dokumentierten alles mit ihren Kameras.

Der Vulkan entstand im Flachen. Insgesamt ist er schon über 200 Meter gewachsen.
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Esther Camps Sanz hat zusammen mit ihrem Team die Tierauffangstation «Benawara» aus dem Boden gestampft.
Ein Spektakel bei Nacht. Die Gemeinde «El Paso» liegt drei Kilometer vom Vulkan entfernt.
Einige Palmeros schaufeln wöchentlich ihre Häuser frei von schwarzer Asche.
Die grösste Stadt von La Palma, Los Llanos de Aridane, bleibt nicht verschont.
Bigi blickt mit Hoffnung ins Geschehen. «Palermos haben einen starken Willen», sagt Lopez.
Andoni Lopez Freundesgruppe in La Palma hält zusammen und hilft sich wo sie kann.
Aus emotionalen Gründen würden viele Bewohnerinnen und Bewohner wollen die Häuser nicht mehr von Innen sehen.
Ein Bild aus der abgesperrten Zone. Hier in «Las Manchas».
«Das Schaufeln macht mich fit», habe Dani(Bild) während der Arbeit zu Andoni Lopez gesagt.
Vom Dach auf den Boden. Irgendwann wird auch die Asche um die Häuser weggebracht werden müssen.
«Grün, die Farbe der Hoffnung», sagt Lopez zum Bild.
Die körperliche Anstrengung macht sich nach einem Tag Schaufeln bemerkbar.
Wenn Tiere gesichtet werden, werden sie eingefangen und nach Los Llanos De Aridane zur Tierauffangsstation «Benawara» gebracht.
Die Tiere warten auf einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin. Viele wurden von den alten im Stich gelassen.
Beim Friedhof wurden die ungenutzten Gräber zu Futterstellen für Tiere umfunktioniert.
Das umfunktioniertes Hotel «La Palma Princess» wird als Unterkunft für Menschen genutzt, die alles verloren haben. Viele wissen nicht wie es weitergeht.
Homeschooling ist angesagt – dieses Mal wegen des Vulkans.
Lopez sagt: «Schlussendlich kann man nur zuschauen, hoffen und abwarten.»

Der Vulkan entstand im Flachen. Insgesamt ist er schon über 200 Meter gewachsen.

Bild: Andoni Lopez

«Die Insel war ein Paradies, wir konnten da ohne Grenzen leben – dann kommen wir zurück und es ist nichts mehr, wie wir es kennen», sagt Maugg. Lopez habe den Vulkan irgendwann nicht mehr sehen können und darum den Krater und die Ausbrüche nur selten abgelichtet:

«Wir wollten Menschen und Tiere fotografieren, denn die sind betroffen. Der Vulkan ist da, daran kannst du nichts ändern.»

Während der Zeit lebten sie bei einem Paar, deren Mutter alles verloren hatte. Ihr Haus, ihr Grundstück und ihr selbst angebautes Obst und Gemüse. Auch ihre Katzen konnte sie nicht alle retten. Fast jede Nacht seien sie von Erdbeben wachgerüttelt worden.

Die Hilfe der Regierung gehe sehr langsam vorwärts: «Deshalb wollten wir mit anpacken.» Die beiden haben mit den Fotos von La Palma je einen Blog gestartet und verkaufen dort seit dem 30. November die Abdrücke. Ihnen sei wichtig, dass das gesamte gespendete Geld – mit Ausnahme der Materialkosten – den Betroffenen zugutekommt. Zudem haben sie ein Spendenkonto eröffnet.

Aussicht auf «La Laguna». Die Schule ist bereits vom Lava eingenommen worden.
9 Bilder
«Vulkan Cumbre Vieja», der Vulkan hat immer noch keinen Namen. Er wird auch «Volcan de La Palma» genannt.
Es sei nicht eifach die Tiere einzufangen die kein zu Hause mehr haben. Durch den Vulkan und den Erdbeben wurden sie verängstigt.
Unmengen von schwarzer Asche bei der Kirche in Las Manchas.
Wieder ein Dach fertiggeputzt und Feierabend in Las Manchas. In der abgesperrten Zone dürfen sie sich höchstens sechs Stunden aufhalten
Nicht alle Dächer halten Stand. Im Hintergrund raucht der Vulkan Schwefelrauch.
Camino Cruz Chica Kreuzung, nahe an der evakuierten Zone. Christian Mauggs Postauto Haltestelle als Kind.
Nahe an der Stadt Los Llanos schmilzt die Gefahr daher. Der Dunst habe das Fotografieren erschwert.
Aussicht vom Roque de Los Muchachos. Obwohl der Vulkan 16 Kilometer entfernt ist, ist er noch sichtbar.

Aussicht auf «La Laguna». Die Schule ist bereits vom Lava eingenommen worden.

Bild: Christian Maugg

Ein Teil des Geldes geht an die NGO «ONG La Palma». Sie verteilt beispielsweise Essensgutscheine, Kleider und zahlt Reparaturen an Autos. Der andere Teil erhält die Tierauffangstation «Benawara». Diese rettet zurückgelassene und streunende Tiere aus dem Vulkangebiet und betreut sie in einer Mehrzweckhalle.

Trotz allem sei es eine schöne Woche in La Palma gewesen, sagt der St.Galler Fotograf:

«Wir lachten zusammen, um den Ernst der Lage zu verdrängen.»
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