Publikumsaktie
«Zufrieden, aber nicht euphorisch»: Olma-Messen haben sechs Millionen Franken neues Kapital gesammelt

Die Olma-Messen stecken in finanziellen Nöten. Im August haben sie die Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft und eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Franken angekündigt, unter anderem wurde eine Publikumsaktie lanciert. Jetzt verkündet die Messegesellschaft einen ersten Zwischenstand.

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Die Olma wurde dieses Jahr sehr gut besucht.

Die Olma wurde dieses Jahr sehr gut besucht.

Bild: Arthur Gamsa
Christine Bolt, Direktorin Olma-Messen.

Christine Bolt, Direktorin Olma-Messen.

Bild: Ralph Ribi

«Gut drei Monate nach der Ankündigung der geplanten Wandlung in eine Aktiengesellschaft dürfen wir einen ersten Zwischenstand verkünden», lässt sich Christine Bolt, Direktorin der Olma-Messen St.Gallen, in einer Medienmitteilung vom Mittwoch zitieren.

Im August wurde die Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft angekündigt sowie die damit verbundene Kapitalerhöhung von 20 Millionen Franken. Nach rund 100 Tagen lautet der Zwischenstand: Sechs Millionen Franken.

Das Ziel: 20 Millionen bis Frühling 2024

Die sechs Millionen Franken bestehen aus Registrierungen für die Publikumsaktie sowie Kapitalerhöhungen von bisherigen und zukünftigen Genossenschaftern der Olma-Messen. «Wir sind mit dem Zwischenstand zufrieden», sagt Bolt auf Anfrage. Ein Grund zur Euphorie sei es aber noch nicht. Das Ziel laute, die Kapitalerhöhung um 20 Millionen Franken bis Frühling 2024 zu erreichen:

«Wir denken, dass das realistisch ist, haben jedoch auch Respekt davor.»

Wie es in der Mitteilung heisst, haben diverse Unternehmen, Verbände und Private ihr Interesse an der Kapitalerhöhung bereits offiziell angekündigt oder ihre bestehenden Genossenschaftsanteile erhöht. Zahlreiche Gespräche seien noch im Gange. Die gut besuchte Olma im vergangenen Oktober sowie aussergewöhnlich viele Buchungsanfragen für Kongresse und Events würden dem Vorhaben Rückenwind geben.

Kapitalerhöhung nimmt Fahrt auf

Von Anfang an setzte sich das lokale und regionale Gewerbe für die Zukunft der Olma-Messen ein. Felix Keller, Geschäftsführer Gewerbe Stadt St.Gallen, sagt:

«Es liegt stark im Interesse des Gewerbes und Detailhandels, dass die Olma-Messen gut gerüstet in die Zukunft schreiten können.»

Viele ihrer Mitglieder seien zudem regelmässige Lieferanten der Olma-Messen. «Wir haben unsere Mitglieder aktiv aufgefordert, das Vorhaben zu unterstützen.» Dieser Aufruf hat gewirkt. Sowohl der kantonale wie auch der städtische Gewerbeverband mit den Subgenossenschaftern haben das Genossenschaftskapital um eine Viertelmillion aufgestockt. Zusätzlich engagiert sich Pro City St.Gallen neu als Genossenschafterin.

Einen breiten Rückhalt geniessen die Olma-Messen auch bei der Landwirtschaft, heisst es weiter im Communiqué. Zahlreiche Verbände aus dem landwirtschaftlichen Umfeld haben ihre bestehenden Anteile erhöht, teilweise um rund 50 Prozent. Unter anderem engagieren sich die Laveba Genossenschaft mit einer halben Million Franken sowie die vereinigten Milchbauern Mitte-Ost mit einem bedeutenden Betrag.

An der AG können sich neu auch Privatpersonen beteiligen, was rege genutzt wird. Bereits rund 3500 Aktien wurden von Privaten reserviert (Stand 20. November).

Unternehmen steigen noch als Genossenschafter ein

Die heutigen Statuten der Genossenschaft lassen nur juristische Personen mit einem Mindestanteil von 10’000 Franken zu. Wer heute noch als Genossenschafter einsteigt, profitiert laut Medienmitteilung von einer 1:1-Umwandlung der Anteile von der Genossenschaft in die Aktiengesellschaft, welche am 28. April 2023 geplant ist.

«Wir dürfen mehrere neue Genossenschafter in unserer Reihe begrüssen, für welche diese Konditionen attraktiv sind. Zudem laufen derzeit viele Gespräche», sagt Christine Bolt. Dies sei einerseits ein starkes Zeichen, andererseits trage es bereits einen Teil zur entspannten Liquidität der Olma-Messen St.Gallen bei.

Politische Entscheide stehen bevor

Thomas Scheitlin, Verwaltungsratspräsident der Olma-Messen.

Thomas Scheitlin, Verwaltungsratspräsident der Olma-Messen.

Bild: Ralph Ribi

Die finanzielle Zukunftssicherung der Olma-Messen St.Gallen beruht auf drei Massnahmen. Nebst der geplanten Wandlung in eine Aktiengesellschaft und der Kapitalerhöhung sollen die im Jahr 2020 gewährten Darlehen von Stadt und Kanton St.Gallen von je 8,4 Millionen Franken in Eigenkapital gewandelt werden. Thomas Scheitlin, Verwaltungsratspräsident der Olma-Messen St.Gallen, betont:

«Diese Lösung haben wir gemeinsam mit Stadt und Kanton St.Gallen sowie den Banken erarbeitet.»

Auf der politischen Bühne löste das Vorhaben Diskussionen aus. Laut Medienmitteilung konnten die Verantwortlichen der Olma-Messen St.Gallen im Rahmen von Fraktionssitzungen, vorberatenden Kommissionen und weiteren formellen und informellen Plattformen die vielen Fragen zum komplexen Vorhaben weitgehend beantworten und die Bedeutung darstellen.

Thomas Scheitlin ergänzt: «Ein Ja zur Vorlage wäre ein wichtiges Zeichen, das Vertrauen schafft und unserem Vorhaben weiteren Rückenwind gibt.» Die Parlamente beschliessen ab Ende November in ihren Sessionen über die Wandlung des Darlehens. (vat/av)

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