Ostschweizer rüsten für Einbruchssaison auf

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt die Hochsaison der Langfinger. In der Ostschweiz steigt deshalb die Nachfrage nach Alarm- und Videoanlagen. Das Teuerste soll es dann aber oftmals doch nicht sein.

Daniel Walt
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Einbrecher kommen teils durchs Fenster - Exemplare mit höherem Standard, aber auch Alarmanlagen oder Videoüberwachungen sollen das verhindern. (Bild: Fotolia)

Einbrecher kommen teils durchs Fenster - Exemplare mit höherem Standard, aber auch Alarmanlagen oder Videoüberwachungen sollen das verhindern. (Bild: Fotolia)

Nebelschwaden ziehen um die Häuser, am frühen Abend ist es bereits dunkel. Perfekte Bedingungen für Dämmerungseinbrecher - und Auslöser von Ängsten. "Während man im Sommer viel draussen ist, macht man sich jetzt mehr Gedanken über die Sicherheit im Haus. Das ist auch eine psychologische Geschichte", sagt Michael Graf. Er ist Verkaufsleiter der Firma Siedler Alarm aus Frauenfeld. Das Unternehmen verzeichnet aktuell eine steigende Nachfrage nach Sicherheitstechnik – genauso wie andere Ostschweizer Firmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Der Trend ist auch landesweit zu beobachten: Ein Grund neben der früher einsetzenden Dunkelheit sei die generelle Zunahme von Einbrüchen, wie Werner Lerch vom Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen sagt. "Dann muss nur noch in der Nähe eingebrochen werden, und schon fällt der Entscheid, sich verstärkt schützen zu wollen."

Livebilder aus dem Haus
Landesweit im Trend bei den Kunden liegen laut Werner Lerch funkgesteuerte Einbruchmeldeanlagen mit Detektoren. Ebenfalls hoch ist die Nachfrage nach Videoüberwachungssystemen oder guten Schlössern und Türen. Wie sieht es diesbezüglich in der Ostschweiz aus? Laut Michael Graf von der Siedler Alarm aus Frauenfeld sind derzeit speziell Systeme gefragt, welche die Hausbewohner vor Einschleichdiebstählen in ihrer Anwesenheit schützen. Es gibt aber auch einen Markt für Hightech-Alarmanlagen, die sich per Mobiltelefon bedienen lassen. So kann man beispielsweise im Kino kurz auf dem Handy kontrollieren, ob die Anlage tatsächlich aktiviert ist, beim Essen im Restaurant Fenster und Türen des Hauses im Auge behalten – und zu Gast bei Freunden sogar Livebilder aus dem Heim empfangen.

Zutritt per Fingerabdruck oder Code
Auch die Firma ES Sicherheit aus St.Gallen verkauft immer wieder elektronische Alarmanlagen. "Gefragt sind auch Videoüberwachungsanlagen – im gehobenen Bereich, aber zunehmend auch einfachere Lösungen", wie Verkaufsleiter Sandro Kengelbacher erläutert. Auch bei der Ostschweizer Niederlassung der Firma Securiton in St.Gallen liegen derzeit Einbruch-Meldeanlagen im Trend. Kleinst-Zutrittskontrollen sind ebenfalls gefragt, wie Geschäftsstellenleiter Jörg Ammann festhält. Diese Systeme erlauben den Zutritt zu einer Liegenschaft nur mittels Fingerabdrücken oder eines Codes.

Schraubenzieher nützt nichts
Die Firma Swiss Windows aus Mörschwil ist im Bereich Fenster und Türen tätig. "Im Vergleich zum Sommer haben wir aktuell 25 Prozent mehr Reparatureinsätze nach Einbrüchen", hält Kommunikationsleiter Urs Haering fest. Aber auch Aufträge von Personen oder Firmen, die noch nicht Opfer eines Einbruchs geworden seien, nähmen auf den Winter zu. Swiss Windows bietet beispielsweise Fenster mit erhöhtem Standard an. Hier setzen Einbrecher den Schraubenzieher oder Geissfuss vergebens an - entsprechende Härtetests sollen dafür bürgen. Auch Türen mit erhöhtem Einbruchsschutz sind im Angebot. Haering, früher selbst einmal Opfer eines Einbruchs, bezeichnet sich nicht als Sicherheitsfanatiker. Trotzdem weisen die Fenster bei ihm daheim einen höheren Sicherheitsstandard auf als gewöhnliche.

Geld für Sicherheit?
Die steigende Nachfrage zeigt: Den Ostschweizern ist die Sicherheit in den eigenen vier Wänden lieb. So richtig teuer soll sie oftmals aber doch nicht werden, wie der zunehmende Absatz auch von einfacheren Überwachungslösungen nahelegt. Michael Graf von der Frauenfelder Firma Siedler Alarm bestätigt diesen Eindruck: "Es ist wie beim Autokauf: Den einen genügt ein günstiges Modell, um von A nach B zu kommen – andere kaufen dagegen gerne auch etwas ganz Teures." Urs Haering von der Firma Swiss Windows hat die Erfahrung gemacht, dass Eigenheimbesitzer oftmals sogar mehr Energie in Küche und Bad sowie allenfalls noch in den Hauptzugang stecken – "Fenster hingegen haben eher einen kleineren Stellenwert." Bildhaft drückt es Sandro Kengelbacher von der St.Galler Firma ES Sicherheit aus: "Manchmal leisten sich Leute lieber ein Multimediasystem als eine teure Sicherheitsanlage." Den Einbruch im Krimi können die entsprechenden Käufer dann zwar in bester Qualität im Home-Cinema verfolgen. Einen allfälligen in den eigenen vier Wänden bekommen sie dafür im Ausgang nicht live auf dem Handy mit.

Wozu die Polizei rät

Die gängigsten Tipps der Polizei, um Einbrechern keine Gelegenheit zum Zuschlagen zu geben:

  • Den Eindruck erwecken, anwesend zu sein: Licht brennen lassen, speziell in der Dämmerung; Briefkasten nicht überlaufen lassen; keine Abwesenheitsnotizen an Türen; keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder auf sozialen Plattformen wie Facebook hinterlassen, man sei verreist.
  • Nachbarschaftshilfe: Vertrauenspersonen zur Wohnung schauen lassen, wenn man wegfährt; verdächtige Beobachtungen im Quartier – beispielsweise fremde Personen oder Fahrzeuge – melden.
  • Typische Einstiegsstellen wie Fenster, Türen oder Schächte so aus- und nachrüsten, dass sie nicht überwunden werden können. (dwa)