OSTSCHWEIZ: Carmen Fenk war nie ganz weg

Sie war 2004 der erste Music-Star. Seither ist es ruhiger geworden um Carmen Fenk. Sie arbeitete als Moderatorin und trat als Sängerin zusammen mit ihrer Band auf. In wenigen Tagen erscheint ihre neue CD.

Richard Clavadetscher
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Sängerin/Songwriterin Carmen Fenk: «Heute mache ich meine eigene Musik.» (Bild: Michel Canonica)

Sängerin/Songwriterin Carmen Fenk: «Heute mache ich meine eigene Musik.» (Bild: Michel Canonica)

Es ist auch schon wieder eine Weile her: Im Jahr 2004 stieg die damals 26jährige Carmen Fenk aus Sevelen aus dem Nichts zur sprachnationalen Berühmtheit auf: Fenk gewann die neue Castingshow «Music-Star». Sie überzeugte sowohl die Jury als auch das Publikum mit ihrer kräftigen und gleichzeitig rauhen Stimme sowie mit ihrem starken, selbstbewusst wirkenden Auftritt. Ihr Album, aber auch ihre Single, die sie unmittelbar nach Gewinn des «Music-Stars» aufgenommen hatte, stürmten die Hitparade – damals. Ein Dutzend Jahre ist das nun auch schon wieder her.

Begegnet man Carmen Fenk heute, fühlt man sich unweigerlich in jene Zeit zurückversetzt: dieselbe kraftvolle Stimme, derselbe Schalk in den Augen, dieselbe bisweilen etwas nassforsche Art, dieselbe Selbstironie, die man noch vom Fernsehen her kennt – damals, als die Castingshow des Fernsehens SRF ein Strassenfeger war.

Als Music-Star im Jahr 2004. (Bild: ky/Dorothea Müller)

Als Music-Star im Jahr 2004. (Bild: ky/Dorothea Müller)

Lieber vorwärtsschauen

Doch Music-Star will die Rheintalerin heute nicht mehr sein. Sie akzeptiert ihn zwar als Teil ihres Lebenslaufes, aber sie schaut lieber vorwärts als zurück: auf den 26. August etwa. An diesem Datum erscheint ihre neue EP (für Extended Play, «Minialbum») mit dem Titel «Leaves & Branches». Und darüber möchte Carmen Fenk nun sprechen – nicht über den Music-Star.

Also gut: «Leaves & Branches» enthält rund ein halbes Dutzend Songs. Es sind ihre Songs – ausnahmslos. Etwas bluesig komme die Musik daher, verrät Carmen Fenk schon mal, und ihr gefalle ganz besonders das Ineinandergreifen von elektrischer und akustischer Gitarre. Insgesamt sei es eine eher ruhige Musik – eine Musik auch, die zum Beispiel den Stau auf der Autobahn etwas erträglicher mache, beschreibt sie ihr jüngstes Werk augenzwinkernd.

Vor allem aber ist es die Musik von Carmen Fenk – wie schon auf dem vor einem guten Jahr erschienen Album «Eleven». (Diese Zahl bezieht sich auf die Zeitrechnung nach «Music-Star»; 2015 war das elfte Jahr danach.)

Die Musik von Carmen Fenk: Dieser Hinweis ist ihr wichtig. Denn was sie berühmt gemacht hat damals vor zwölf Jahren, war eben gerade nicht ihre Musik, es waren anderer Leute Songs, die sie interpretierte – wenn auch meisterhaft.

Der Gewinn der Castingshow «Music-Star» habe ihr zwar Türen geöffnet – aber auch welche zugesperrt, sagt Carmen Fenk heute. Sie meint damit, dass sie durchaus von ihrer plötzlichen Berühmtheit habe profitieren können, dass sie anderseits aber nicht ernst genommen worden sei als Sängerin/Songwriterin. Das hat dann doch etwas weh getan.

Zuversicht und Neugier

War dies der Grund, weshalb nach ihrem Hitparadenstürmer-Album «Fenkadelic» musikalisch nur noch wenig von ihr zu hören war bis zum Album «Eleven» im Jahr 2015? Carmen Fenk verneint. Sie sei in all den Jahren immer aufgetreten mit ihrer Band. Dass kein Album erschien, sei schlicht darin begründet, dass es in der Band ab und an personelle Wechsel gegeben habe, man sich musikalisch erst wieder habe finden müssen. Zudem sei sie eben bei keinem Label unter Vertrag, sagt Carmen Fenk. So habe sie sich stets um alles selber kümmern müssen – bis hin zur Finanzierung eines Albums. Und sei ein Album erst einmal entstanden, finde man es auch nicht einfach im Plattenladen, es könne lediglich über ihre Website erworben werden. – Hürden über Hürden also, die es erst einmal zu übersteigen gilt.

Carmen Fenk wäre indes nicht sie selbst, wenn sie sich davon entmutigen liesse: Sie sei ein optimistischer Mensch, der das Leben und die Wege, die es eröffne, mit Zuversicht und mit Neugier in Angriff nehme. Und was dann komme, das akzeptiere sie ohne zu klagen. Das sei schon immer ihre Art gewesen.

Ursprünglich Rheintalerin, wohnt Carmen Fenk heute «im Grossraum Zürich». Genaueres lässt sie sich nicht entlocken. Dem Rheintal aber ist sie nach wie vor eng verbunden. Sie besucht ihre dort lebenden Eltern sehr oft. Auch den Dialekt hat sie nicht abgelegt; kein bisschen Zürcherisches scheint da durch, wenn sie spricht.

Stets Radiomoderatorin geblieben

Treu geblieben ist Carmen Fenk auch ihrer Arbeit: Noch vor dem «Music-Star»-Erfolg als Moderatorin beim inzwischen im Ostschweizer Sender FM1 aufgegangenen Radio Ri angestellt, ist sie heute nach wie vor in diesem Bereich tätig: Nach einer Zeit als freie Mitarbeiterin ist sie seit geraumer Zeit Moderationsleiterin mit einem 80-Prozent-Pensum bei Radio Life Channel. Radio Life Channel ist das Radioprogramm des christlichen Medienunternehmens ERF Medien mit Sitz im Gewerbegebiet von Pfäffikon ZH. Laut Eigenwerbung ist es der erste christliche 24-Stunden-Radiosender der Schweiz. Die Sendungen unter dem Motto «Radio fürs Läbä» behandeln vorab Lebens- und Glaubensfragen. Reportagen und Beiträge über aktuelle Anlässe runden das Angebot ab.

Wieder vermehrt Auftritte

Die 80-Prozent-Anstellung beim Radio ist gewollt, denn die anderen 20 Prozent investiert Carmen Fenk nach wie vor in die Musik – ihre Musik: Sie schreibt Songs, tritt mit ihrer Band auf – und ab 26. August kommt natürlich noch die Promotion ihres neuen Albums hinzu.

Unschwer festzustellen, dass Carmen Fenk die ihr eigene Power und Zuversicht in den zwölf Jahren seit «Music-Star» nicht abhanden gekommen ist.

Menschen, die aus dem Blickfeld verschwanden

In unserer Serie besuchen wir bekannte Ostschweizerinnen und Ostschweizer, die lange im Rampenlicht standen. Was haben sie nach dem Ende ihrer Karriere gemacht? Wo stehen sie heute? Und wie sind sie damit umgegangen, plötzlich nicht mehr in der Öffentlichkeit präsent zu sein? (red.)