Sulgens Stimmbürger heissen die Revision der Ortsplanung gut

Das Projekt stellt im Kanton Thurgau eine Premiere dar, wurde es doch in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Kradolf-Schönenberg realisiert.

Hannelore Bruderer
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Blick auf Sulgen (im Vordergrund) sowie Kradolf (links hinten) und Schönenberg (rechts hinten). (Bild: Andrea Stalder)

Blick auf Sulgen (im Vordergrund) sowie Kradolf (links hinten) und Schönenberg (rechts hinten). (Bild: Andrea Stalder)

Am Dienstagabend begrüsste Gemeindepräsident Andreas Opprecht 106 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Auholzsaal. Sie war aufgrund der Ortsplanungsrevision einberufen worden. Die Revision wurde 2013 durch das neue Planungs- und Baugesetz angestossen.

Ein komplexer Prozess

Da die Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg einen gemeinsamen funktionalen Raum bilden, hätten sich die Gemeindebehörden vor vier Jahren entschlossen, die Revision gemeinsam anzupacken, erklärte der Gemeindepräsident.

Dazu wurde eine 15-köpfige, breit abgestützte Planungskommission mit Mitgliedern aus beiden Gemeinden gegründet. Das Planungsbüro NRP Ingenieure AG aus Amriswil wurde mit der Durchführung des Projekts beauftragt. Bevor er zur Umfrage und Abstimmung schritt, erläuterte Opprecht den komplexen Prozess, der sich über vier Jahre erstreckt hatte.

Konzentration auf Zentren

Das räumliche Konzept, betrachtet über die Fläche beider Gemeinden, berücksichtigt die Bereiche Siedlung, Natur und Landschaft sowie Verkehr. Die neue Zonenplanung, die eine Konzentration des Siedlungsraums in den Zentren fördert, ist auf einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahre ausgerichtet.

Im Baureglement wurden neue Begriffe und Messwerte eingeführt. Sie entsprechen der interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe.

Ausnützungsziffer hat ausgedient

Nach seinen Ausführungen beantwortete der Gemeindepräsident zusammen mit Andreas Niklaus vom Planungsbüro Fragen aus dem Publikum. So interessierte, ob der Boden in der Landschaftsschutzzone voll landwirtschaftlich genutzt werden kann oder ob in dieser Zone landwirtschaftliche Bauten erstellt werden dürfen.

Ein Votant wollte, dass der Sachverhalt betreffend des Wechsels von der bisher üblichen Raumberechnung mittels Ausnützungsziffer zur neuen Geschossflächenziffer genau erklärt wird. Die Geschossflächenziffer falle in der Regel im Vergleich zur Ausnützungsziffer leicht höher aus, sagte Niklaus. So lasse sich etwa das Innenverdichtungspotenzial in der Dorfzone besser nutzen.

Die Fragerunde dauert nur kurz. Mit grosser Mehrheit genehmigten die Stimmbürger im Anschluss den Zonenplan und das Baureglement. Beide werden in den nächsten Wochen dem Kanton eingereicht. Die Gemeindebehörde rechnet mit einer Genehmigung im Laufe des Jahres 2020.

Neue Linienführung der BTS bei Donzhausen

Unter dem Traktandum Mitteilungen informierte Gemeindepräsident Andreas Opprecht über den Stand der Strassen- und Leitungsbauprojekte der politischen Gemeinde, des Elektrizitätswerks und des Wasserwerks. Damit die Truppenunterkunft weiterhin genutzt werden kann, seien Investitionen nötig, sagte Opprecht. Der Gemeinderat wolle deshalb erst einmal abklären, wie sicher eine Nutzung der Anlage durch das Militär in Zukunft ist, bevor er weitere Schritte veranlasse.

Die neue Linienführung der Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) ist ebenfalls ein Thema, dem sich der Gemeinderat angenommen hat. Ursprünglich geplant war, dass die Strasse bei Donzhausen tiefer gelegt wird. Die neue Linienführung sieht die BTS nun weiter nördlich und höher gelegt vor, da dieser Abschnitt mit dem Aushub anderer Streckenteile aufgeschüttet werden soll. Der Gemeinderat hat sich in diesem Zusammenhang an die zuständige Regierungsrätin Carmen Haag gewandt. (hab)