Kommentar
Der Robin Hood der St.Galler Hausbesitzer hat den Wasserrappenfonds trockengelegt

Die Blue Community St.Gallen ist passé. Remo Daguati, der Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands von Stadt und Kanton, hat den Wasserrappen mit rechtlichen Schritten bekämpft. Das ist keine Leistung.

Daniel Wirth
Daniel Wirth
Drucken
Sauberes klares Wasser im Glas - das ist nicht überall auf unserem Planeten eine Selbstverständlichkeit.

Sauberes klares Wasser im Glas - das ist nicht überall auf unserem Planeten eine Selbstverständlichkeit.

51207781

Remo Daguati, der umtriebige Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands von Stadt und Kanton St. Gallen und FDP-Stadtparlamentarier, Standortförderer und Arealentwickler, macht wieder einmal auf sich aufmerksam. Nicht wie gewohnt mit einem pointierten Votum oder einem Vorstoss wider den politischen Mainstream, dieses Mal mit einem juristischen Grosserfolg: Daguati hat den Wasserrappenfonds trockengelegt.

Zusammen mit Städten wie Paris und Bern, der Universität und der Fachhochschule St. Gallen und vielen kirchlichen Einrichtungen ist auch die Stadt St. Gallen eine sogenannte Blue Community. Diese Blue Communities unterstützen beispielsweise Entwicklungsländer in ihren Bemühungen, eine funktionierende öffentliche Trinkwasserversorgung zu schaffen.

Exakt zu diesem Zweck erhob die Stadt St. Gallen mit dem Segen des Stadtparlaments 2019 den sogenannten Wasserrappen und richtete einen Fonds ein. Auf jeden Kubikmeter Wasser wurden zwei Rappen aufgeschlagen und diesem Fonds zugeführt – in zwei Jahren kamen so rund 160000 Franken zusammen oder ein Franken pro Jahr und Einwohner. Aus dem Wasserrappenfonds floss Geld nach Moldawien oder nach Nigeria.

Für Daguati ist das Ganze eine unzulässige Steuer. Als Robin Hood der Hausbesitzer bekämpfte er den Wasserrappen mit rechtlichen Mitteln. Aus Prinzip. Dass in vielen Ländern auf dieser Welt Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und Durst leiden, hat er ausgeblendet. Das ist, ganz trocken formuliert, grundsätzlich egoistisch.