Italien auf dem Tisch, die Ostschweiz an der Wand

An weiss gedeckten Tischen wird unter grossen Leuchtern getafelt, an den Wänden hängt Kunst von Eggler, Müller, Oertli, Schweizer und anderen Ostschweizern ? und nach acht Uhr abends macht der Hausherr die Runde, um die Kerzen an der Wand anzuzünden. Es ist gut sein im «Atrium» unweit des St. Galler Hauptbahnhofs. Das Lokal ? seinen Namen hat es vom lateinischen atrium, der ersten und grössten gedeckten Halle alter römischer Häuser ? dürfte zu den prächtigsten und stimmungsvollsten Restauranträumen St. Gallens gehören. Gross genug, um nicht eng zu wirken, klein genug, um gemütlich zu sein, mit einer Patina, an welcher die Geschichten von ungezwungenen Abenden und Begegnungen buchstäblich ablesbar sind.

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An weiss gedeckten Tischen wird unter grossen Leuchtern getafelt, an den Wänden hängt Kunst von Eggler, Müller, Oertli, Schweizer und anderen Ostschweizern – und nach acht Uhr abends macht der Hausherr die Runde, um die Kerzen an der Wand anzuzünden. Es ist gut sein im «Atrium» unweit des St. Galler Hauptbahnhofs. Das Lokal – seinen Namen hat es vom lateinischen atrium, der ersten und grössten gedeckten Halle alter römischer Häuser – dürfte zu den prächtigsten und stimmungsvollsten Restauranträumen St. Gallens gehören. Gross genug, um nicht eng zu wirken, klein genug, um gemütlich zu sein, mit einer Patina, an welcher die Geschichten von ungezwungenen Abenden und Begegnungen buchstäblich ablesbar sind.

Pasta und mehr

Vielen St. Gallern ist das Lokal noch als «Latini» bekannt, andere reden gar noch vom Stadtcafé (der Schriftzug prangt tatsächlich bis heute an der Fassade). Zum «Atrium» wurde es vor vier Jahren, als Raphael Schenker es übernahm. Bis dahin war der im Tessin und in Appenzell aufgewachsene Schenker Geschäftsleiter verschiedener Restaurants der Bindella-Gruppe – zuletzt eben des «Latini». Der gelernte Koch und Absolvent der Hotelfachschule hatte zuvor im Appenzeller «Säntis», im «Palace» St. Moritz und im «Gallusplatz» St. Gallen gearbeitet.

Haute cuisine mit Sternen und Punkten schwebt Schenker im «Atrium» nicht vor. Er pflegt eine echte, ungekünstelte italienische Küche, verkauft viel Pasta (in allen Formen, von Tagliatelle bis Trofie, an verschiedensten Saucen, von bolognese bis pugliese (18.– bis 28.–) und Risotto, den wahren, saftigen (17.– bis 22.–). Als Eröffnung des Mahls steht ein Dutzend Antipasti zur Wahl (8.– bis 24.–), auch die Hauptgänge atmen Italianità, von Scaloppine al limone (34.–) bis zum Ossobuco di vitello ai porcini (29.90).

Die Weinwelt Italiens

Unsere Probe aufs Exempel deckte sich mit Schenkers Vorgaben. Tomaten- und Eierschwämmli-Suppe (8.– bzw. 8.50) waren kräftig und von unverfälschtem Aroma, die Tortelli alla zucca (Kürbisravioli, 19.50/23.50) sowie die Trofie al pesto (15.–/17.–) schmack- und nahrhaft. Das Polastrello al timo (Mistkratzerli mit Thymianbutter, 29.–) kam schlicht daher, ohne weiteren Schnickschnack auf dem Teller – und schmeckte. Das Bistecca di cinghiale wurde an einer prächtigen Wacholder-Rahmsauce gereicht, dazu gabs Broccoli und Spätzli (32.50). Das Frischlings-Entrecôte hatten wir etwas zarter und saftiger erwartet, der einzige kleine Einwand des Abends.

Die Standardkarte mit den italienischen Klassikern von Antipasto bis Secondo ergänzt Schenker mit einer ein- bis zweimonatlich wechselnden Saisonkarte, derzeit heisst deren Motto «stagione ai funghi e zucca» (Pilze und Kürbis). Das ist durchdacht arrangiert, zusammen mit den vier Mittagsmenüs ein verführerisches Angebot.

Auch die Wein- und Grappakarte ist Italien verpflichtet, mit attraktiven Flaschenweinen (davon ein gutes Dutzend im Offenausschank) und wechselnden Monatsweinen (ab 4.70 der Dezi). Mit der Riserva Castel del Monte «Il Falcone» aus Apulien (57.–) waren wir bestens bedient.

Unser Eindruck: Das «Atrium» versprüht ungezwungene Italianità, von der Bar am Eingang bis zu den weiss gedeckten Tischen. Die Küche ist ehrlich und ungekünstelt, die Bedienung aufmerksam. (Hn.)


Visitenkarte

Atrium, St. Gallen

Schützengasse 8, 9000 St. Gallen, Raphael Schenker

Tel. 071 223 37 17, Fax .. 27

www.atrium-ristorante.ch

Öffnungszeiten: Täglich geöffnet

Karte: Mittagsmenüs 17.50–28.50. A-la-carte-Hauptgerichte 29.– bis 37.–

Besonderes: Eines der St. Galler Restaurants, das auch sonntags geöffnet ist. Reservation empfehlenswert. Stilvolles Ambiente mit Ostschweizer Kunst.