KOMPLETTÜBERHOLUNG
Dank eines neuen Soundsystems hört sich das Wort Gottes in der katholischen Stadtkirche in Frauenfeld wieder klar an

Damit Predigten nicht in der Weite des Raumes verhallen: Spezialisten aus dem Luzernischen haben in der St.-Nikolaus-Kirche während vier Tagen eine neue Audioanlage montiert und eingepegelt. Die alte Technik war 20 Jahre alt und genügte qualitativ nicht mehr.

Mathias Frei
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Die Spezialisten Michael Messerli und Markus Müller beim Einpegeln der neuen Anlage.

Die Spezialisten Michael Messerli und Markus Müller beim Einpegeln der neuen Anlage.

Bild: Mathias Frei

«Test, 1, 2. Test, 1, 2.» Donnerstagmittag. Soundcheck. Aber nicht für ein Konzert, sondern für die neue Audioanlage in der katholischen Stadtkirche St.Nikolaus. Wo sonst gepredigt wird, steht nun Markus Müller und testet die neuen Mikrofone auf Herz und Nieren. Eine halbe Kirchenlänge entfernt sitzt Michael Messerli und schaut sich die Werte auf dem Laptop an. Müller und Messerli sind Beschallungsspezialisten der im luzernischen Büron beheimateten Firma Muribär Kirchentechnik. Müller meint:

«Es heisst zwar, wir würden Kirchen beschallen, aber eigentlich beschallen wir die Kirchgänger.»

Er gilt seit 30 Jahren als Spezialist auf diesem Gebiet. Die grosse akustische Herausforderung bei Kirchen sei aufgrund der Architektur der Hall. Diesen komplett zu minimieren, sei praktisch unmöglich. Deshalb gehe es darum, möglichst wenig Raum anzuspielen, dafür möglichst direkt die Kirchgänger in den Bänken.

Beschwerden von Kirchgängern über die Tonqualität

Hinweisschild auf einem der vorderen Kirchenbänke auf die induktive Höranlage in der Stadtkirche.

Hinweisschild auf einem der vorderen Kirchenbänke auf die induktive Höranlage in der Stadtkirche.

Bild: Mathias Frei

Die alte Anlage in der Stadtkirche war 20 Jahre alt. Akustisch habe sie nicht mehr den Qualitätsanforderungen entsprochen, sagt Christof Kaiser, der den Hausdienst der katholischen Kirchgemeinde FrauenfeldPlus leitet. Es seien auch entsprechende Klagen aus dem Kreis der Gottesdienstbesucher eingegangen. Die neue Anlage nun lasse sich viel besser einstellen.

Die beiden Spezialisten trafen am Montag in Frauenfeld ein. Zuerst ging es an die Demontage der alten Anlage. Danach wurden die farblich abgestimmten neuen Boxen montiert. Am Donnerstag war Einpegeln angesagt, am Nachmittag desselben Tages war Vikar Hieronimus Kwure zum Mic-Check bestellt. Ab Freitag lief die neue Audioanlage.

Beschallungsspezialist Michael Messerli am technischen Herz der Anlage.

Beschallungsspezialist Michael Messerli am technischen Herz der Anlage.

Bild: Mathias Frei

Die Kompletterneuerung des Audiosystems hat sich die katholische Kirchgemeinde FrauenfeldPlus 40'000 Franken kosten lassen. Wie Kaiser erklärt, sei die Thematik 2016 bei der Sanierung der Stadtkirche noch kein Thema gewesen.

«Die Leistungsdefizite nahmen aber in jüngerer Vergangenheit zu. Dadurch litt die Sprachverständlichkeit der Liturgen für die Kirchgänger.»
Einpegeln der neuen Anlage mittels Computerunterstützung.

Einpegeln der neuen Anlage mittels Computerunterstützung.

Bild: Mathias Frei

Vergangenes Jahr nahm die Firma Muribär sodann Tests vor mit einer mobilen Anlage. Diese Audioanalysen bestätigten die Defizite. Die Sprachverständlichkeit der neuen Technik sei um Längen besser, freut sich Kaiser. Auch die einfache Handhabe biete grosse Vorteile. Während bei Gottesdiensten in der evangelischen Stadtkirche der Mesmer am Mischpult stehe, sei bei den Katholiken der Mesmer in den Gottesdienstablauf involviert. Die neue Anlage in der St.-Nikolaus-Kirche lasse sich aber per iPad steuern. So könne der Organist auf der Empore nötigenfalls noch während des Gottesdienstes kleine Audioanpassungen vornehmen.

Auch ein neues Videosystem ist installiert

Die alten Kabel konnten für das neue Soundsystem übernommen werden. Neu ist aber nebst den Verstärkern, den Boxen, der Steuerung und einem neuen Videosystem die komplette Mikrofonierung. Im Altarbereich gibt es vier Positionen für verkabelte Mikrofone. Dazu stehen für Funkmikrofone drei Frequenzen bereit. Neu gibt es zudem nur noch zwei statt drei Lautsprecherlinien. Das heisst: nebst zwei Monitorboxen im Altarbereich neu vier 1,8-Meter-Boxen statt bisher deren sechs.

Markus Müller beim Soundcheck.

Markus Müller beim Soundcheck.

Bild: Mathias Frei

Die Lautsprecherboxen haben eine leichte Neigung. Ihre Reichweite beträgt 15 bis 18 Meter. So treffen die Schallwellen in einer Kurve auf die Ohren der Gottesdienstbesucher. Markus Müller sagt:

«Ziel ist es, dass man an jedem Ort in den Kirchenbänken mit drei Dezibel beschallt wird.»

Was bleibt, ist die Induktionsschleifen-Höranlage im vorderen Viertel der Kirche. Die Kirchenbänke sind entsprechend gekennzeichnet. Mittels elektromagnetischer Induktion können Hörgeräte ein Audiosignal empfangen. Dies erleichtert Hörgeräteträgern die akustische Teilnahme am Gottesdienst.