Interview
«Ich will die Augen nicht mehr vor dem Leid verschliessen»: Uesslingerin setzt sich für «Sea-Watch» ein

Die Uesslingerin Cristina Roduner sammelt Geld für die Hilfsorganisation Sea-Watch. Innerhalb von knapp 48 Stunden kamen bereits 1100 Franken zusammen.

Rahel Haag
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Das Rettungsschiff Sea-Watch 3 mit 42 geretteten Flüchtlingen an Bord. (Bild: Keystone)

Das Rettungsschiff Sea-Watch 3 mit 42 geretteten Flüchtlingen an Bord. (Bild: Keystone)

Cristina Roduner, weshalb haben Sie sich entschieden, via Facebook für «Sea-Watch» Geld zu sammeln?

Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3. (Bild: Keystone)

Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3. (Bild: Keystone)

Bisher war mir zwar bewusst, dass im Mittelmeer immer wieder Flüchtlinge ertrinken, doch ich habe ein Stück weit die Augen davor verschlossen. Carola Rackete, die Kapitänin des Rettungsschiffs Sea-Watch 3, hat für mich der Tragödie ein Gesicht gegeben. Das hat mich aufgerüttelt. Deshalb wollte ich helfen.

Wann haben Sie die Spendenaktion gestartet?

Am Donnerstagabend. Ich habe mir überlegt, was ich von Daheim aus für die Menschen in Not tun kann. Mit dem Geld möchte ich jene unterstützen, die befähigt sind, den Flüchtlingen zu helfen.

Seit dem Start der Aktion haben Sie den Betrag schon dreimal erhöht.

Cristina Roduner, Initiantin der Spendenaktion für «Sea-Watch». (Bild: PD)

Cristina Roduner, Initiantin der Spendenaktion für «Sea-Watch». (Bild: PD)

Genau, zu Beginn dachte ich, dass es toll wäre, wenn 200 Franken zusammenkommen würde. Das war im Nu geschafft und auch das zweite Ziel von 500 Franken war rasch erreicht. Nach 47 Stunden und 50 Minuten war der Betrag bereits auf 1100 Franken angestiegen. Nun habe ich mich entschieden, die Aktion bis am Sonntag, 14. Juli, laufen zu lassen. Das neue Ziel liegt bei 2000 Franken.

Denken Sie, dass auch die Marke von 2000 Franken überschritten wird?

Das kann ich nicht beurteilen. Einerseits habe ich gemerkt, dass das Thema auch andere beschäftigt. Andererseits könnte es sein, dass meine Reichweite auf Facebook bereits erschöpft ist. Insgeheim hoffe ich, dass 5000 Franken zusammenkommen.

Verfolgen Sie mit der Spendenaktion weitere Ziele?

Ich will die Augen nicht mehr vor dem Leid verschliessen und andere Menschen für das Thema sensibilisieren. In erster Linie würde ich mir wünschen, dass wir Schweizer uns humanitärer verhalten. Selbstverständlich haben wir unsere eigenen Probleme, aber grundsätzlich geht es uns doch gut.