Gachnang
Die fetten Jahre sind vorbei: Trotz roter Zahlen bewilligt das Stimmvolk den 4,5-Millionen-Kredit für eine Wasserleitung

Wegen hoher Investitionen dürften sich in Gachnang in den nächsten Jahren die Defizite häufen. Dennoch sagten die Stimmbürger an der Budgetgemeinde Ja zum defizitären Voranschlag fürs nächste Jahr sowie für die Sanierung der Wasserdruckleitung Forre.

Stefan Hilzinger
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Geschlossen stimmen der Gemeinderat um Präsident Roger Jung (am Rednerpult) sowie die Stimmberechtigten einem Antrag zu.

Geschlossen stimmen der Gemeinderat um Präsident Roger Jung (am Rednerpult) sowie die Stimmberechtigten einem Antrag zu.

Bild: Stefan Hilzinger

Grün wechselt auf Rot. So illustrierte Finanzverwalterin Isabelle Reut den aktuellen Übergang von Jahren mit Überschüssen zu solchen mit Defiziten. 57 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger kamen am Donnerstagabend in die Mehrzweckhalle nach Gachnang an die Budgetgemeindeversammlung.

In den Jahren bis 2020 schloss die Gemeinde im Durchschnitt mit einem Plus von rund 240’000 Franken jährlich ab. Grund für die erwarteten Defizite im laufenden und auch im nächsten Jahr sind weniger sinkende Erträge, denn trotz Corona rechnet die Gemeinde 2022 wieder mit etwas mehr Steuereinnahmen, sondern vielmehr die steigenden Aufwände. Diese seien, so erklärte Gemeindepräsident Roger Jung, in erster Linie den anhaltend hohen Nettoinvestitionen geschuldet. Auch im nächsten Jahr plant Gachnang solche von rund 3,7 Millionen Franken, je zur Hälfte aus Steuergeldern respektive aus Gebühren finanziert, allein in Strassensanierungen sollen 1,1 Millionen Franken fliessen.

57 Stimmberechtigte sind der Einladung des Gemeinderates in die Mehrzweckhalle gefolgt.

57 Stimmberechtigte sind der Einladung des Gemeinderates in die Mehrzweckhalle gefolgt.

Bild: Stefan Hilzinger

Verkraftbar dank hohem Bilanzüberschuss

Bei einem Aufwand von knapp 15 Millionen Franken rechnet der Gemeinderat für 2022 nun mit einem Minus von 424’000 Franken. Dank des hohen Bilanzüberschusses sei das verkraftbar, sagte Jung. Auch die laut Finanzplan in den nächsten Jahren erwartenden Fehlbeträge lägen drin. Dennoch muss die Gemeinde sich für die Investitionen verschulden. «Wir behalten das im Auge», versprach Gemeindepräsident Roger Jung, nach dem Votanten kritisiert hatten, dass aus den Unterlagen zum Budget nicht klar hervorgehe, wie viel der Gemeinde für Investitionen effektiv zur Verfügung stehe. Die Versammlung sagte bei einer Enthaltung deutlich Ja zum Budget 2022 bei gleichbleibendem Steuerfuss von 42 Prozent.

Roger Jung, Gemeindepräsident Gachnang.

Roger Jung, Gemeindepräsident Gachnang.

Bild: Andrea Stalder

Für knapp 4,5 Millionen Franken soll in den nächsten 13 Jahren die Wasserzuleitung vom Grundwasserpumpwerk im Thuracker bis zum Reservoir «In der Forre» im Wald oberhalb Gachnang ersetzt werden. Die Leitung stammt aus den frühen 1950er-Jahren und hat Alterserscheinungen. Die Notwendigkeit und auch die Etappierung des Vorhabens über mehr als ein Jahrzehnt leuchtete der Versammlung ein, sodass dem Kredit ohne Diskussion einstimmig grünes Licht erteilt wurde. Wie der zuständige Gemeinderat Daniel Widmer erklärte, sollen die einzelnen Etappen der Leitungserneuerung etwa mit anstehenden Strassensanierungen abgestimmt werden.

Die Druckleitung zwischen Reservoir Forre und Grundwasserpumpwerk Thuracker soll saniert werden.

Die Druckleitung zwischen Reservoir Forre und Grundwasserpumpwerk Thuracker soll saniert werden.

Bilder: Mathias Frei

Verabschiedung von Gemeinderat Karl Ringenbach

Diskussionslos und mit dem Segen aller 57 Anwesenden wurde das Deutsche Ehepaar Kristina und Peter Stuber samt den beiden Kindern eingebürgert. Nach mehr als 30 Jahren Engagement in verschiedenen öffentlichen Ämtern in der Gemeinde verabschiedete Gemeindepräsident Jung Gemeinderat Karl Ringenbach mit einem Geschenk und bestem Dank. Ringenbach stand zuletzt während zehn Jahren im Gemeinderat dem Ressort Werke vor.

Mehr Raum für mehr Kinder

Seit Schulpräsident Sven Bürgi sein Amt 2013 angetreten hat, nahm die Zahl der Schulkinder von 325 auf 440 zu. Im Schuljahr 2023/24 werden es 456 sein. Und es könnten in den Folgejahren noch mehr werden, wie Bürgi an die Budgetversammlung der Primarschule vor jener der politischen Gemeinde sagte. Zwar hat die Schulgemeinde mit dem Bau der neuen Schulanlage in Islikon auf das Wachstum reagiert. Doch schon zeichnen sich erneut Raumknappheit ab. So überlegt sich die Behörde, das aktuell durch einen Hort genutzte Erdgeschoss im alten Schulhaus in Islikon wieder für schulische Zwecke zu nutzen und für den Hort eine andere Lösung zu suchen. Das Budget 2022 rechnet bei einem Gesamtaufwand von 7,7 Millionen mit einem Defizit von gut 42’000 Franken. Weil sich weder Corona noch die Unternehmenssteuerreform entscheidend negativ auf die Schulfinanzen ausgewirkt haben, schlug die Behörde vor, den Steuerfuss um zwei Punkte auf 68 Prozent zu senken. Die 57 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sagten einstimmig Ja zum Budget mit neuem Steuerfuss. (hil)