Der schöne Glaceverkäufer

Unerwartet war Sandro Cavegns Sieg an der Mister-Schweiz-Wahl nicht. Bereits vor der Wahlnacht lag der St.Galler mit Bündner Wurzeln in der Publikumsgunst vorne. Das hat er nicht nur seinem sonnigen Gemüt und dem durchtrainierten Körper zu verdanken.

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Sandro Cavegn nach seiner Wahl zum neuen Mister Schweiz. (Bild: Keystone)

Sandro Cavegn nach seiner Wahl zum neuen Mister Schweiz. (Bild: Keystone)

Unerwartet war Sandro Cavegns Sieg an der Mister-Schweiz-Wahl nicht. Bereits vor der Wahlnacht lag der St.Galler mit Bündner Wurzeln in der Publikumsgunst vorne. Das hat er nicht nur seinem sonnigen Gemüt und dem durchtrainierten Körper zu verdanken. Von Konkurrenten und Medien wurde der Vorwurf laut, er wolle sich den Titel mit Flyern und einem Wettbewerb erkaufen. «Das stimmt nicht», sagte Cavegn kurz nach der Wahl. «Ich habe alles mit vollem Einsatz gemacht. Am Ende geht es aber nicht darum, wer der Schönste ist und den besten Body hat; es geht darum, wer am meisten Menschen mobilisieren kann – und das habe ich geschafft.»

In der Zürcher Maag-Halle sassen 140 Fans in Sennen-Shirts, vor dem Fernseher müssen es noch weit mehr gewesen sein. Dank Sport und Beruf habe er ein grosses Netzwerk, sagt der ehemalige Fussballer. «Ich wäre blöd, wenn ich das nicht nutzen würde.»

Fussball spielen statt feiern

Sandro Cavegn, geboren am 3. September 1984, war ein sportbegeisterter Jugendlicher. «Für mich gab es damals nur den Fussball», sagt der 27-Jährige. «An den Ausgang mit Kollegen verschwendete ich keine Gedanken.» Unter anderem trainierte er in der Nachwuchsabteilung der Grasshoppers, spielte mit der Schweizer U16-Nationalmannschaft und debütierte als 16-Jähriger mit seinem Stammverein, dem FC Rapperswil-Jona, in der 1. Liga.

Seine Mitspieler von damals – unter anderem Tranquillo Barnetta und Diego Benaglio – spielen heute in Spitzenmannschaften. Davon träumte auch der talentierte Nachwuchsspieler. Nach einer halben Saison beim FC Winterthur traten gesundheitliche Probleme auf. Dreimal musste er sich die Bänder am Sprunggelenk operieren lassen, Bänder im Knie rissen, er zog sich mehrere Muskelfaserrisse zu und musste 2005 gar an der Hüfte operiert werden. Das Comeback im Jahr darauf blieb ohne Erfolg.

«Ich bin hart im Nehmen, doch irgendwann musste ich einsehen, dass das Ganze keinen Sinn mehr macht.» Heute trainiert er «aus purem Spass» mit dem 2.-Liga-Eishockeyteam der Bulldogs, fährt Snowboard und spielt Tennis.

«Zudem bin ich ein passionierter Hochseefischer», sagt Cavegn. Er beschreibt sich als sehr traditionell. «Wenn ich irgendwo Alphorn oder Schwyzerörgeli höre, fühle ich mich gleich zu Hause», sagt der Ostschweizer. Zudem sei er zuverlässig, pünktlich und zielstrebig. Wenn nach einem Tag auf dem See noch immer kein Fisch angebissen habe, werde er aber auch einmal ungeduldig.

Wichtiger als eine Ausbildung

Der Sport habe ihm die richtigen Türen geöffnet, sagt der ehrgeizige Betriebsökonom im Rückblick. Durch Rocco Delli Colli, Präsident des FC Rapperswil-Jona, bekam er eine Stelle bei der Pizza-Kette Dieci. Bis vor kurzem arbeitete der mehrsprachige Cavegn als stellvertretender Geschäftsführer. Seit August ist er selbständig und führt eine Gelateria am Zugersee. Die Amtszeit sei die perfekte Plattform, um weitere Kontakte zu knüpfen, sagt Cavegn. «Für mich ist das Netzwerk wichtiger als jede Ausbildung oder Schulzeit. Persönlicher Kontakt ist die Basis für fast alles.» Auch für die Wahl zum Mister.

Raya Badraun