Kreuzlingen
Heimspiel für SRF-Direktorin

Nathalie Wappler sprach beim Arbeitgeberverband Kreuzlingen über die zielgruppengerechte Entwicklung von Angeboten.

Inka Grabowsky
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SRF-Direktorin Nathalie Wappler war gerne der Gast von Arbeitgeberpräsident Attila Wohlrab.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler war gerne der Gast von Arbeitgeberpräsident Attila Wohlrab.

Bild: Inka Grabowsky

«Es weht derzeit ein rauer Wind in ihre Richtung», kündigte Präsident Attila Wohlrab die prominente Referentin bei der Generalversammlung der Arbeitgeberverbands Kreuzlingen und Umgebung an. Nathalie Wappler nahm das gerne auf: «Wenn man von allen Seiten kritisiert wird, dann steht man offenkundig in der Mitte», sagte die SRF-Direktorin. Rückläufige Werbeeinnahmen und eine veränderte Mediennutzung hatten einen Sparkurs und eine Programmreform beim Schweizer Radio und Fernsehen nötig gemacht. Das führte zu teils heftigen Reaktionen. «Das SRF gehört allen – also reden auch alle mit. Ich bin vor drei Jahren angetreten mit dem Wissen um die Notwendigkeit von Veränderungen und die Herausforderungen.»

Mit Blick auf die Einschaltquoten der «Tagesschau» meinte Wappler: «SRF taktet das Land immer noch auf halb acht. Und unsere sechs Radiosender kommen auf einen Marktanteil von rund sechzig Prozent.» Das traditionelle Geschäft sei lebendig, aber es entwickele sich weiter. «Für über 27 Prozent der unter 45-Jährigen sind wir im Alltag nicht relevant. Das muss uns beschäftigen.» Da kein zusätzliches Budget zur Verfügung stehe, müsse man eben anderswo etwas streichen, auch wenn es Ärger gebe. Nur so habe man neue Formate wie «SRF rec» für den Onlinekanal «Play SRF», «SRF Kids» auf Youtube, News für Jugendliche auf Tiktok oder «We, myself and why» für und von Frauen auf Instagram entwickeln können. «Sie kommen bei den Zielgruppen an», meinte Nathalie Wappler zufrieden.

Die Generalversammlung, die diesmal auf dem Wolfsberg in Ermatingen stattfand, gab Wappler die Gelegenheit, den Umbau vor einem freundlich gesonnenen Publikum zu erklären. «Sie als Unternehmer wissen, dass es eine Evolution ist, wenn man zwanzig Prozent der Mittel aus den traditionellen Kanälen in die Online-Angebote umschichtet, keinesfalls eine Revolution.» Das Angebot verändere sich, der qualitative Anspruch an den Service public nicht.

Ein Heimspiel war der Auftritt vor den Arbeitgebern nicht nur, weil Wappler sich für die rund 3000 Mitarbeitenden von SRF verantwortlich fühlt und also auch Arbeitgeberin ist. Sie ist ausserdem in Kreuzlingen aufgewachsen und hat in Konstanz studiert. Die Ausführungen zum geplanten Digital Campus in Kreuzlingen von Stadtpräsident Thomas Niederberger und Projektleiter Jérôme Müggler kommentierte sie mit: «Es hat hier in der Region so viel Potenzial. Das macht Lust wieder zurückzukommen.»