Zwischenräume als Chance

Unter dem Vorsitz von Ausserrhoden findet die Frühjahrstagung der Parlamentarier-Konferenz Bodensee im Reka-Feriendorf Urnäsch statt. Referate aus Sicht der Wirtschaft, des Tourismus und der Forschung thematisieren Chancen und Risiken der Bodenseeregion als Zwischenraum.

Mea Mc Ghee
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URNÄSCH. Sie vertreten gut 26 Millionen Menschen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein. Sie präsidieren Kantonsräte, Grossräte und Landräte. Kurz, sie sind die ranghöchsten Parlamentarier aus dem Bodenseeraum – und sie gaben sich gestern im Reka-Feriendorf in Urnäsch die Ehre. Konrad Meier, Präsident des Ausserrhoder Kantonsrates. begrüsste die rund 40 Abgeordneten der Landtage von Baden-Württemberg, Bayern, Fürstentum-Liechtenstein und Vorarlberg, Vertreter der Kantonsräte von Appenzell Ausserrhoden, Schaffhausen, St. Gallen und Zürich sowie Grossräte der Kantone Appenzell Innerrhoden und Thurgau zur Frühjahrstagung der Parlamentarier-Konferenz Bodensee (PKB), deren Vorsitz Appenzell Ausserrhoden heuer innehat.

Das Jahresthema «Zwischenräume» stand dabei im Zentrum. Der Bodenseeraum zwischen Stuttgart, Zürich und München sei voller Zwischenräume, so Konrad Meier. Interessant sei, welche Chancen und Risiken diese Zwischenräume bieten.

Bodenseeregion bespielen

Vier Referate bildeten den Schwerpunkt des Morgenprogramms. Den Blickwinkel der Forschung nahm Roland Scherer von der Universität St. Gallen ein. Er sagte: «Die Bodenseeregion ist ein Verflechtungsraum zwischen Metropolen, der sich eigenständig entwickelt und der über Potenzial verfügt.» Es gelte, die Region um den Bodensee zu bespielen. Die Herausforderungen für eine gesunde Entwicklung seien grenzübergreifend vergleichbar, es gebe aber in den einzelnen Ländern unterschiedliche Strategien, zur Förderung der regionalen Entwicklung, so Roland Scherer. Chancen für die Bodenseeregion sieht er darin, dass sie Funktionen für die Metropolräume übernehmen kann, dass sie sich als attraktives Wohn-, Freizeit- und Erholungsgebiet positioniert. Bei guter Infrastruktur eines Zwischenraums könne sich die Wirtschaft entwickeln, da in Metropolen erschwinglicher Raum rar sei.

Erfolgreiches Projekt

Die nächsten zwei Referenten sprachen aus der Optik des Tourismus. «Mit dem gelebten Brauchtum als Besonderheit positionieren wir das touristische Angebot im Appenzellerland», sagte Sandro Agosti, Geschäftsführer Appenzellerland Tourismus AR. «Ein Zwischenraum muss sich klar positionieren, sich auf die Zielgruppe fokussieren, wirkungsvoll kommunizieren und zusammenarbeiten.» Der Versammlungsort, das Reka-Feriendorf Urnäsch, sei ein Beispiel für ein erfolgreiches Entwicklungsprojekt in einem Zwischenraum, so Tagungsleiter Meier.

Gastgeber und Leiter des Reka-Feriendorfes, Konrad Frischknecht, gab den Gästen einen kurzen Überblick über die Geschichte und die Organisation der Ferienanlage für Familien. Dass in einem ländlich geprägten Zwischenraum auch Betriebe aus der Wirtschaft gute Bedingungen vorfinden können, erläuterte der vierte Referent, Jörg Müller, CEO der Arcolor AG, Waldstatt: «Die Logistik ist einfach, da es hier kaum Verkehrsprobleme gibt, die Bodenpreise sind tiefer als in urbanen Gebieten, die Arbeitsethik auf den Land ist hoch und der Weg zu den politischen Entscheidungsträgern kurz.» Grösster Nachteil der Bodenseeregion aus wirtschaftlicher Sicht seien die Landesgrenzen und die verschiedenen Währungen.

An ihrer Herbsttagung werden die Abgeordneten die Thematik der Zwischenräume nochmals aufnehmen, indem sie Beispiele von Projekten aus ihren Regionen präsentieren. Am Nachmittag erhielten die Parlamentarier im Brauchtumsmuseum Urnäsch einen Einblick in die Kultur des Appenzellerlandes.