«Walhalla» im Lehrlingsdilemma

Die neue Eigentümerin des Hotels Walhalla trennt sich von 15 Lehrlingen. Gastro- und Hotellerieverbände haben dafür wenig Verständnis. Die Candrian Catering AG wehrt sich aber gegen die Vorwürfe: Es habe zu viele «Stifte» gehabt.

Elisabeth Reisp
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Über dem Hotel Walhalla ziehen Wolken auf: Ein Dutzend Lehrlinge wurde entlassen. (Bild: Urs Bucher)

Über dem Hotel Walhalla ziehen Wolken auf: Ein Dutzend Lehrlinge wurde entlassen. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Das Hotel Walhalla am Bahnhof hat eine neue Eigentümerin. Vor einem Monat hat die Brauerei Heineken Switzerland das Unternehmen an die Candrian Catering AG mit Sitz in Zürich verkauft (Tagblatt vom 5. Mai). Der bisherige «Walhalla»-Direktor wurde nach 16 Jahren freigestellt, das Hotel soll jetzt neu konzipiert werden. Im Zuge dieser Umstrukturierung haben 15 Lehrlinge und angehende Lehrlinge ihre Stelle verloren. «Wir haben gute Gründe für diesen Entscheid», sagt Pascal Sommer, Leiter Personalwesen bei der Candrian Catering AG. «Es gab viel zu viele Lehrlinge.»

Ausbildungsbewilligung bleibt

Ruedi Giezendanner vom kantonalen Amt für Berufsbildung ist in Kontakt mit der Candrian Catering AG. Mit Hilfe des Verbandes Hotellerie Ostschweiz und anhand der eigenen Branchenkenntnisse unterstütze man die jungen Auszubildenden bei der Suche nach einer neuen Lehrstelle. «Der neue Eigentümer hat die Kündigungen mit Änderungen im Angebotskonzept begründet, das ist bei Eigentümerwechseln nicht ungewöhnlich», sagt Giezendanner. Für einen Entzug der Ausbildungsbewilligung bestehe daher keine Veranlassung. «Aber wir werden den Lehrbetrieb im Auge behalten.»

Josef Müller-Tschirky, Präsident des Gastroverbands des Kantons St. Gallen, ist zuversichtlich, dass alle Lehrlinge irgendwo unterkommen werden. In diesem Fall funktioniere das Netzwerk: «Wir rufen alle Betriebe, die in Frage kommen, persönlich an.» Allerdings werden nicht alle Betroffenen in der Stadt bleiben können, einige werden ihre Lehre ausserhalb antreten müssen. In der Regel seien Betriebsschliessungen, Konkurse oder der Ausfall des Lehrmeisters die Gründe, weshalb der Verband für die Gastro-Lehrlinge einen anderen Lehrbetrieb suchen müsse, sagt Müller-Tschirky. «Dass aber Lehrverträge nicht eingehalten werden, ist ungewöhnlich.»

Elefant im Porzellanladen

Dem Vernehmen nach soll das Hotel Walhalla künftig als Garni-Hotel geführt werden – dazu ist weniger Personal notwendig. Grundsätzlich sei der Garni-Betrieb für Stadthotels gut vorstellbar, sagt Müller-Tschirky. «Dass aber ein Hotel an dieser Lage ein Garni werden soll, ist schwer nachvollziehbar.» Was Müller-Tschirky aber wirklich stört, ist das Vorgehen der neuen Eigentümerin: Drei Tage vor der Entlassung des Direktors sei dem ganzen Team mitgeteilt worden, es werde sich nichts ändern. Dann sei der Direktor von einem Tag auf den anderen freigestellt worden. «Er genoss in St. Gallen grosses Ansehen und ist mit seinem Team mehrfach ausgezeichnet worden.» Die neuen Eigentümer sind für Müller-Tschirkys Empfinden nach wie der sprichwörtliche Elefant in den Porzellanladen gedonnert. «Und ein solches Verhalten kommt in St. Gallen nicht gut an.»

Hälfte des Personals «Stifte»

«Tatsache ist, dass das Hotel Walhalla 55 Mitarbeiter beschäftigte. Davon waren 23 Lehrlinge», sagt Pascal Sommer von der Candrian Catering AG. Offenbar habe es da eine Spezialbewilligung gegeben. Lehrlingsausbildung sei seit jeher eine Herzensangelegenheit des Familienunternehmens Candrian. «Aber unter diesen Umständen können wir keine seriöse Ausbildung garantieren.» Die Candrian AG sei bemüht, für alle Betroffenen gute Lösungen zu suchen.

Sommer: «Acht Lehrlinge konnten wir in der Kartause Ittingen unterbringen. Zwei KV-Lehrlinge kommen zu uns nach Zürich.» Acht Lehrlinge im 2. und 3. Jahr können im «Walhalla» bleiben. Einer habe einen Lehrbetrieb in der Stadt St. Gallen gefunden. Für vier Lehrlinge werde noch die passende Stelle gesucht. Offen bleibt vorerst, ob das Hotel Walhalla künftig tatsächlich als Garni geführt wird und ob dabei am Betrieb der Brasserie und des (Hotel-)Restaurants festgehalten wird. Die Candrian Catering AG konnte gestern dazu noch keine Stellung nehmen. Dazu sei es zu früh.