Völlig losgelöst von der Erde

Trampolinspringen gehört in der Region nicht zu den bekanntesten Sportarten. Vielleicht wird sich dies ändern nach dem Ostschweizer Trampolin-Cup, der morgen Sonntag von der Trampolinriege Schönengrund durchgeführt wird.

Urs Huwyler
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SCHÖNENGRUND. Vermehrt werden in den Gärten für die Freizeitgestaltung der Kinder Trampoline aufgestellt und auch Freestyle-Wintersportler trainieren ihre Tricks auf dem gespannten Tuch. Wer als Kunstturner in ein höheres Kader aufsteigen möchte, muss an den Testtagen auch das Trampolinspringen beherrschen. Trotzdem wollen gesamtschweizerisch wenige jugendliche Sportlerinnen und Sportler völlig losgelöst von der Erde einen Moment schwerelos durch die Turnhalle fliegen. «Wieso dem so ist, obwohl eigentlich alle gerne springen, lässt sich kaum erklären. Viele wollen wohl zum Plausch einfach bei Gelegenheit jumpen», sagt Lehrerin Beatrice Buff-Conrad, die als Initiantin der Trampolinriege Schönengrund gilt. Wobei die «Schönegröndler» trotz des kleinen Einzugsgebiets sowohl quantitativ als auch qualitativ mit ihrem Nachwuchs zufrieden sein dürfen. Im Vordergrund steht die Freude am Sport, doch die Talente wollen leistungs- und resultatmässig weiterkommen. Sie behaupten sich inmitten der Schweizer Elite. Caroline (7.) und Silvan Buff (10.) belegten 2011 an der Schweizer Meisterschaft Spitzenplätze.

Volle Konzentration

Wer glaubt, wenn er auf dem Garten-Trampolin einen Salto vorwärts beherrsche, sei er eine grössere Nummer, muss umdenken. Das fröhliche Gehüpfe im Freien hat wenig mit dem Trampolinsport zu tun, wie er in Schönengrund, Bern oder Luzern zelebriert wird. Kraft, Ausdauer, Stehvermögen und Beweglichkeit sind gefordert. «Die einzelnen Sprünge, die Kombinationen sind wesentlich anspruchsvoller als viele glauben», weiss Beatrice Buff, die in früheren Jahren mit Ski-Doppelolympiasiegerin Marie-Theres Nadig Fussball gespielt hat, ehe sie ihre Leidenschaft für den akrobatischen Turnsport entdeckte.

Zusammen mit ihrem Mann Jürg trainiert sie die Gruppe. Unruhig wird die gebürtige Bündnerin aus Landquart kaum mehr. «Entscheidend ist der korrekte Aufbau der Übungen und die Körperhaltung, dann ist Trampolinspringen nicht gefährlicher als andere Sportarten. Auch das Raum- und Lagegefühl wird bei den Jugendlichen ausgebildet», betont das coachende Duo. «Aber man muss im Gegensatz zu anderen Sportarten auch im Training immer voll konzentriert sein. Sonst kann es gefährlich werden», fügen jugendliche Aktive an. Doch sie sind sich einig: Es mache einfach Spass. Das Gefühl, für einen Augenblick schwerelos in der Luft einen Salto zu drehen, sei speziell.

Teure Anschaffungen

Im Abschlusstraining vor dem Ostschweizer Trampolin-Cup gab es trotz der lockeren Stimmung keine kritischen Situationen. Sobald die Jungs und Mädchen auf dem Sprungtuch standen und ihre Pflichtelemente oder die Kür übten, wirbelten die Akrobaten bis knapp unter die Hallendecke durch die Luft. Bis zu acht Meter hoch springt die internationale Spitze. «Die Geschwindigkeit ist durch die Spannung des Tuchs höher als bei einem Freizeit-Trampolin», fügt Beatrice Buff an. Ein Wettkampfgerät mit den nötigen Absicherungen kostet 8000 Franken. Zwei davon braucht es, um zielgerichtet trainieren zu können. Für Jürg Buff steht die optimale Unterstützung der Gruppe im Zentrum. Am sonntäglichen Cup wollen die einzelnen Teammitglieder dem Publikum mit anderen Vereinen zusammen zeigen, was sie drauf haben und weshalb es sich lohnt, sich als Trampolinspringer zu versuchen. Am Cup werden sich sechs Ostschweizer Trampolingruppen in den Kategorien Einzel, Synchron- und Show messen. Ein Besuch lohnt sich, denn meist finden solche Wettkämpfe nicht in der Region statt. «Wir sind bereit und freuen uns über jeden Zuschauer. Was uns noch fehlt, ist einzig jemand, der Würste grilliert», ist in der Riege zu hören.

Ostschweizer Trampolin-Cup, Sonntag, 12. Februar, 10.30 Uhr Mehrzweckhalle Schönengrund