Unterwegs zu neuem Schulmodell

SCHWELLBRUNN. Eine gemeinsame Sekundarschule Schwellbrunn-Waldstatt ist vom Tisch – nun arbeitet man in Schwellbrunn mit voller Kraft darauf hin, ein altersdurchmischtes Schulmodell einzuführen. Am Mittwoch wurde die Bevölkerung orientiert.

Roger Fuchs
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Die Oberstufe in Schwellbrunn kann zwar eigenständig bleiben, wird aber künftig auf ein altersdurchmischtes Schulmodell setzen. (Bild: Bruno Eisenhut)

Die Oberstufe in Schwellbrunn kann zwar eigenständig bleiben, wird aber künftig auf ein altersdurchmischtes Schulmodell setzen. (Bild: Bruno Eisenhut)

SCHWELLBRUNN. Kleine Sekundarschulen mit weniger als 120 Schülern können nach Ansicht des Ausserrhoder Regierungsrates künftig nur noch dann verantwortet werden, wenn diese in einem integrierten Modell geführt werden. Aufgrund dieser Tatsache hat der Gemeinderat von Schwellbrunn in den letzten Monaten nach neuen Lösungen gesucht: Kooperationen mit Herisau und Waldstatt wurden geprüft, jedoch wieder verworfen, wie Gemeinderat und Schulpräsident Hansueli Reutegger vorgestern an einer Infoveranstaltung kommunizierte.

Um die Eigenständigkeit behalten zu können, würde nun ein Modellwechsel angestrebt. Auf Nachfrage aus dem Publikum zeigte sich dann, dass dieser nicht nur angestrebt wird, sondern vom Gemeinderat bereits beschlossene Sache ist und auf Sommer 2014 eingeführt werden soll.

ADL als Lösung

Konkret will man in Schwellbrunn fortan auf ADL setzen – das sogenannt altersdurchmischte Lernen. Noch offen ist hingegen, wie das neue Modell im Detail ausgestaltet werden soll. Um der Bevölkerung das ADL näherzubringen, ist Bruno Hofer, Schulberater aus dem Kanton Thurgau, angereist. Zusammengefasst lässt sich gemäss Hofer sagen, dass ADL im Gegensatz zum heutigen Schulmodell vermehrt auf Integration setzt, stärker individualisiert und auch die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler fördert. Diese würden in den altersdurchmischten Klassen häufig selbständig an eigenen Arbeitsaufträgen arbeiten, für Fächer wie Französisch oder Englisch gäbe es den Niveau-Unterricht. Ebenfalls eine Neuerung seien die altersdurchmischten Lerngruppen, in denen sich die Schüler gegenseitig unterstützen könnten.

Im weiteren gab Bruno Hofer zu bedenken, dass man sich in Schwellbrunn auch Gedanken machen solle, allenfalls auf ein ADL-Modell mit Lernlandschaften zu setzen, wie dies in Herisau der Fall sei. In einer Lernlandschaft könnten bis zu 60 Schülerinnen und Schüler sitzen, die individuell an ihren Aufträgen arbeiteten. Für sogenannte Inputlektionen in Sprachen, Mathe oder Realien würden sie jeweils aus der Lernlandschaft herausgeholt.

Team muss dahinterstehen

Funktionieren wird das neue Schulmodell nur, wie Bruno Hofer betonte, wenn auch das Lehrerteam bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen. Dass dies in Schwellbrunn der Fall ist, versicherte Oberstufenlehrer Jürg Leibundgut. «Wir sind überzeugt, dass die Schule mit ADL nicht schlechter wird», so Leibundgut. Das Lehrerteam sei motiviert und auch glücklich, eigenständig bleiben zu können.

In der Bevölkerung selbst herrscht hingegen noch eine grosse Unsicherheit, wie sich zeigte. Ein Votant liess sich gar zur Bemerkung hinreissen, er sei froh, seien seine Kinder bald aus der Schule. Ein anderer stellte Fragezeichen ans künftige Zeugnis, und auch die Qualität wurde hinterfragt. Bruno Hofer verwies dabei mehrfach auf Alterswilen (TG), wo seit über zehn Jahren in diesem Modell unterrichtet würde. Ein Leistungsunterschied zu früher habe nicht festgestellt werden können, jedoch seien die Schüler heute nach der Oberstufe selbständiger und verfügten über eine höhere Sozialkompetenz.

Wie Gemeinderat Hansueli Reutegger abschliessend festhielt, wird nun die Detailplanung vorangetrieben und ein Konzept erstellt.