Tops und Flops im Kleintheater

REGION. Rund 4000 Zuschauende haben dieses Jahr 42 Anlässe im Zeltainer erlebt. «Zeltino» Martin Sailer zeigt sich im Interview zufrieden über die elfte Saison seines Kleintheaters, das er mit einer Handvoll Helfenden als kleines Unternehmen führt.

Michael Hug
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Sein Publikum nennt ihn den «Zeltino»: Martin Sailer zeigt sich zufrieden über die gerade zu Ende gegangene elfte Saison seines Kleintheaters. (Bild: Michael Hug)

Sein Publikum nennt ihn den «Zeltino»: Martin Sailer zeigt sich zufrieden über die gerade zu Ende gegangene elfte Saison seines Kleintheaters. (Bild: Michael Hug)

Martin Sailer, sind Sie zufrieden mit der 11. Saison in Ihrem Zeltainer?

Martin Sailer: Ich bin sehr zufrieden. Es ist erstaunlich, dass es jedes Jahr trotz mehr Anlässen noch besser läuft. Nun ist das Theater wieder im Winterschlaf.

Welches waren 2014 die Highlights, welches die Flops?

Sailer: Highlights gab es viele, zuschauermässig und qualitativ. Vom Zuschauerandrang war ich überwältigt bei den Vorstellungen von Messer & Gabel, Claudio Zuccolini, Bliss, Martin O., Michel Gammenthaler, Lapsus. Bei den eher bekannteren Namen also. Es gab aber auch unbekannte Namen, die sechzig bis siebzig Leute anzogen. Lustige, berührende und unerwartete Momente. Flops gab es auch, aber nur zuschauermässig, dazu gehören zwei der drei Kinderanlässe. Auch das Public Viewing an der Fussballweltmeisterschaft lief schon mal besser.

Wie laufen eigentlich die Vorstellungen während der Sommerferien? Kommen auch Touristen in den Zeltainer?

Sailer: Eigentlich noch zu wenig. Ich weiss nicht, woran es liegt, sind doch alle Hotels sehr gut über mein Programm informiert. Die Sommerferien liefen aber grundsätzlich gut, hatte ich doch in dieser Zeit mit Martin O. und Langenegger/Alder zwei ausverkaufte Vorstellungen.

Wie viele Vorstellungen und Zuschauer haben Sie insgesamt in dieser Saison gehabt?

Sailer: Mit den Doppelvorstellungen zweiundvierzig plus die Viewings der Fussball-WM. Dabei kamen knapp 4000 Zuschauer in den Zeltainer.

Sie bezeichnen den Zeltainer als das schrägste Theater in der Region?

Sailer: Das waren anfangs nicht meine Worte, sondern diejenigen eines Künstlers. Ich fand dann aber, dass er so unrecht gar nicht hatte. Die exotische Mischung macht es aus. Ein Zelt kombiniert mit drei Schiffscontainern und einem Bauwagen als Garderobe ist schon sehr speziell und macht es einzigartig. Es gibt aber natürlich sehr viele Kleintheater mit eigenem Charme.

Man hört oft, dass die Gagen der Künstler drastisch steigen. Stimmt das?

Sailer: Im Bereich Kleintheater ist der Anstieg meiner Meinung nach nicht drastisch. Die Künstler wissen, welches Theater wie viele Plätze hat und können sich so die Maximalgagen vorher ausrechnen.

Was sind die Begründungen der Künstler für ihre Gagenforderungen?

Sailer: Immer mehr Künstler reisen mit eigenem Techniker an und einzelne betreiben auch einen beträchtlichen Aufwand im Bereich Bühnentechnik, Requisiten und professioneller Werbung.

Ich kann aber wie gesagt keinen erheblichen Gagenanstieg feststellen. Im Bereich Musik ist der wohl eher zu spüren.

Können Sie uns die Durchschnittskosten pro Künstler ungefähr beziffern?

Sailer: Könnte ich schon, will ich aber nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass ein Künstler, der viel spielt, sehr gut davon lebt, unbekanntere weniger.

Wie weit haben Sie das Programm 2015 schon beisammen?

Sailer: Ich habe bis jetzt etwa fünfzehn Künstler gebucht und ich sage ja immer, dass dreissig genug seien für unser kleines Dorf. Aber eben, Konsequenz ist bekanntlich nicht meine Hauptstärke. Dieses Jahr waren es zweiundvierzig statt dreissig...

Verraten Sie schon jetzt, welches die Highlights im nächsten Jahr sein werden?

Sailer: Zu viel verrate ich nicht, aber schon mit grosser Vorfreude gebucht sind zum Beispiel Rob Spence, Sarah Hackenberg und Michael Elsener. Das Programm sollte wie immer Ende Februar komplett sein.

Wie gehen Sie bei der Programmierung vor, haben Sie eine Struktur, bestimmte Vorlieben?

Sailer: Ich bin total unstrukturiert, ich versuche zu buchen, was mir persönlich gefällt, und muss zum Glück niemanden um Erlaubnis bitten. Es sind aber sicher hauptsächlich lustige Sachen. Comedy und Kabarett bilden den Hauptpunkt, ergänzt mit etwas Musik und ein paar Kinderanlässen. Letzteres würde ich gerne ausbauen.

Wen würden Sie gerne mal engagieren und es gelang Ihnen noch nie? Warum?

Sailer: Die gibt es in der Tat: Ursus & Nadeschkin, Marco Rima, Lorenz Keiser, Divertimento, Massimo Rocchi, Züri West, Patent Ochsner oder Gerhard Polt. Scheitern tut es meist am Geld. Mit maximal zweihundert Plätzen sind zehntausend Franken utopisch. Auch schon gescheitert sind Verhandlungen an den technischen Rahmenbedingungen, die ein Künstler stellt. Träume habe ich aber noch viele. Und wer weiss: bei Emil dachte ich auch immer, dass das unmöglich sei – aber er ist gekommen. So schön!