Supporter wechseln Sportler aus

Der 19jährige Langläufer Beda Klee wird als Junior dank der Initiative von Bert Baumann, Reto Hänni und Christoph Eigenmann von einem Club mit 75 Mitgliedern unterstützt. Ähnliche Projekte von vereinsinterner Nachwuchsförderung sind kaum bekannt.

Urs Huwyler
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Gemeinderat Hansheiri Keller gratuliert Beda Klee im Beisein der Supporter-Initianten Reto Hänni (links), Bert Baumann und Christoph Eigenmann (rechts) zu seinen Erfolgen. (Bild: Urs Huwyler)

Gemeinderat Hansheiri Keller gratuliert Beda Klee im Beisein der Supporter-Initianten Reto Hänni (links), Bert Baumann und Christoph Eigenmann (rechts) zu seinen Erfolgen. (Bild: Urs Huwyler)

LANGLAUF. Davon träumen nicht nur talentierte Athletinnen und Athleten quer durch alle Disziplinen, sondern auch international erfolgreiche Sportler: Wer erhält schon einen funktionierenden Supporterclub mit aktuell 75 Mitgliedern geschenkt. In dieser komfortablen Ausgangslage befindet sich Langläufer Beda Klee (Wattwil). Nach dem Rücktritt des dreifachen Olympiateilnehmers und ehemaligen Tour-de-Ski-Leaders Christoph Eigenmann stellte sich den Verantwortlichen die Frage, was jetzt mit dem Supporterclub geschehen soll. In 99 von 100 Fällen entscheiden sich die Mitglieder, die Vereinigung aufzulösen und sich beim einen oder andern «Weisch-no»-Stamm über alte Zeiten zu unterhalten.

Interner Transfer

Nicht so im Falle von Langlauf-Sprinter Christoph Eigenmann. Die Supporter-Initianten Bert Baumann und Reto Hänni dachten mit dem 36jährigen alt Internationalen zusammen über einen internen Transfer zu Beda Klee (19) nach. Der alte und der junge trainier(t)en oft zusammen, der jüngere sieht zum älteren seit der Jugend- und Anfangszeit als Vorbild auf. Einmal soweit kommen wie «Chrigi», dachte und wünschte sich Klein Beda, als Gross Christoph 2007 nach dem Weltcupsieg im Münchner Olympiastadion zu Hause von den angefressenen Langläufern empfangen wurde. Inzwischen fand im Restaurant Eidgenossen Ulisbach die erste Versammlung der Neu-Klees und Alt-Eigenmanns im Beisein von Gemeinderat Hansheiri Keller statt. Der Behördenvertreter freute sich ebenso über die Erfolge des Loipen-Hoffnungsträgers wie Christoph Eigenmann und Reto Hänni, der als Nordisch-Leiter beim SC Speer Ebnat-Kappel den Werdegang des polysportiv talentierten Beda Klee skizzierte. Zu Beginn habe der amtierende dreifache Schweizer Meister nicht nur gute Resultate erreicht, sondern (vor allem) Flausen im Kopf gehabt.

Gymnasium für Sportler

Der Aufstieg vom «Freizeit-Rutscher» zum U18-Europameister verlief nicht analog zu (zu früh) gelobten Jahrzehnte-Talenten. Beda Klee lief anfangs mehrheitlich im vorderen Mittelfeld, zum Seriensieger wurde er erst nach dem 16. Altersjahr.

Der Wechsel ins Sportgymnasium Davos begann sich in jener Phase auszuzahlen. Der mit Fotos illustrierte Blick hinter die Kulissen der Sportlerschmiede lieferte – auch dank der Andeutungen, was sonst noch alles geschah – einige Aufschlüsse über das Leben im Wohnheim und die Tagesgestaltung.

Keine Schwäche gezeigt

Im vergangenen Sommer schloss der Sohn von Cosima und Rolf Klee schliesslich die Ausbildung am Gymnasium mit der Matura ab. Er wohnt nun als 90-Prozent-Profi wegen der idealen Trainingsbedingungen weiterhin im Bündner Kurort. Daneben darf der «Läufer ohne Schwäche», so die Einschätzung von Reto Hänni, dank der Vermittlung von Bert Baumann stundenweise in einer Schreinerei arbeiten.

Förderung mit Vorbildcharakter

Als neuen Kopfsponsor kann das Mitglied des Micarna-Teams das Fleischunternehmen aus Bazenheid präsentieren. «Es ist nicht selbstverständlich, dass ich im Juniorenalter derart grosszügig unterstützt werde», bedankte sich Beda Klee bei den Anwesenden. Unter Druck fühlen muss er sich wegen der Supporter nicht. Diese wissen als Sportler, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Jahrelang lief Beda Klee in einer Kappe, die ihm Christoph Eigenmann einst geschenkt hatte. Von Eigenmanns Erfahrungen wird Klee ebenfalls profitieren können. Auch beim Material war dies in der Vergangenheit wiederholt der Fall. Diese Art von vereinsinterner Nachwuchsförderung geniesst Vorbildcharakter.