Regionalfussball
Auftakt des FC Appenzell: Zuzwil trifft nicht nur im Video

Der Drittligist Appenzell eröffnet das Jahr mit einem 2:2. Auch der «Traum-Mätsch» des FC Urnäsch ist beim Spiel gegen Zuzwil ein Thema.

Lukas Pfiffner
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Der Appenzeller Jonas Signer (in Weiss) kämpft mit dem Zuzwiler Dominik Egli um den Ball.

Der Appenzeller Jonas Signer (in Weiss) kämpft mit dem Zuzwiler Dominik Egli um den Ball.

Bild: pf

«Nachdem uns vor der Rückrunde mit dem FC Urnäsch bei der Bewerbung zum ‹Traum-Mätsch› des FCSG ein Appenzeller Verein vor der Sonne gestanden ist, werden wir alles daransetzen, nun in der Meisterschaft gegen Appenzell die Oberhand zu behalten», steht im Matchprogramm des FC Zuzwil.

Der geradezu euphorische Speaker heisst aber «unsere Freunde aus Innerrhoden» am Samstagabend herzlich willkommen. Bemerkenswerterweise nennt er bei der Vorstellung der Appenzeller Spieler nur deren Vornamen.

Zur virtuellen Unterstützung hat Zuzwil im Winter den ehemaligen Schweizer Nationalspieler Ludovic Magnin engagiert. Im Bewerbungsvideo für das Projekt des Senders Blue sind Tanzeinlagen und Clownereien der Zuzwiler und Aufnahmen von sehenswerten Schüssen ins Lattenkreuz zu sehen. Magin stellt bewundernd fest: «Schiessen können sie, die Jungs aus Zuzwil!» Vielleicht wäre es gut, er würde das Video der eigenen Mannschaft zeigen. Altach hat seit seiner Amtsübernahme in sechs Spielen der obersten österreichischen Liga nur zwei Tore erzielt.

Zuzwil vergibt einen Penalty

Beim Start in die 3.-Liga-Rückrunde treten die Gäste zunächst stärker auf. Appenzell spielt sehr agil und konzentriert. Die Führung gelingt aber nicht. Der Tabellendritte Zuzwil steigert sich, setzt den Ball einmal auf die Latte und darf in der 37. Minute nach einem ungeschickten Eingreifen Lars Schneiders einen Penalty treten: Goalie Michael Räss wehrt den Versuch mit einem Flug ab. Zweimal fahren Velos durch die Coachingzonen. Nichts gegen den FC Urnäsch und dessen Anlage im Grünen. Aber man hätte sich auch auf dem idyllischen Zuzwiler Gemeindesportplatz einen «Traum-Mätsch» gegen St. Gallen vorstellen können.

In der Pause gibt der Schiedsrichter seinem Sohn den Ball und die rote Karte zum Spielen. Die gelbe braucht er dagegen auf dem Feld – er zeigt sie während der Partie fünfmal. Eine Bank sponsert die Mitteilung der Zuschauerzahl. «Für Radio, Fernsehen und Presse», erklärt der tüchtige Mann am Mikrofon. Irgendwie ist er auch ohne FCSG in der grossen Fussballwelt zu Hause. 135 Leute sind anwesend.

«Sitzen auf der WC-Schüssel»

Zwei Minuten nach der Halbzeit hat Simon Baumann die Ruhe und die Präzision, um das 0:1 zu erzielen. Nach 66 Minuten stösst Zuzwils Patrick Gähwiler in eine Lücke und freut sich über den Ausgleich. Der Speaker untermalt die Toransage schmetternd-musikalisch. Die Innerrhoder lassen sich nicht beeindrucken. Sie setzen nach und gehen durch ein grossartiges Solo von Lars Manser wieder in Führung (75.). Bei ihren Kontern stehen die Gäste dem dritten Tor mehrmals nahe. Zuzwil erhöht den Druck, beweist eine gute Moral und stemmt sich gegen die zweite Saisonniederlage. Auffälligster Spieler ist in dieser Phase Appenzells Verteidiger Leon Keller, der Ball um Ball erläuft und aus der Gefahrenzone schlägt. In der Nachspielzeit bringt der Torhüter der Einheimischen einen Freistoss hoch in den Strafraum, Remo Krucker lenkt mit dem Kopf zum glücklichen 2:2 ein.

Zuzwil trifft also nicht nur im Blue-Bewerbungsvideo, allerdings an diesem Tag nicht ins Lattenkreuz. Der späte Ausgleich ist Trost dafür, dass der «Traum-Mätsch» im Juni in Urnäsch über die Bühne gehen wird. Und auch eine Belohnung für die Qualen der Vorbereitung, «bei der gelitten werden musste und man am Tag nach einer Crossfit-Trainingseinheit beim Sitzen auf der WC-Schüssel Schmerz verspürt hat», wie es der Verfasser des Matchprogramms formuliert. Auf Innerrhoder Seite ist derweil die Pein eher moralischer Art. «Wir hätten mehr verdient. Aber so ist Fussball – wir müssen daraus lernen», meint Alexandro Isler, der Trainer.

Die übrigen Resultate

In der 1. Liga der Frauen musste sich Bühler gegen Kloten mit einem 1:1 begnügen, während Appenzell bei Südost Zürich 3:0 gewann. Die 2.-Liga-Männer des FC Herisau haben ihr erstes Rückrundenspiel in Ems 2:3 verloren. Erst heute Dienstag wird in der 3. Liga die Partie zwischen Teufen und der zweiten Mannschaft von Rorschach-Goldach ausgetragen. (pf)