Musikvereine
Vom Sterbebett ins Kolosseum: Wie die Brassband Gais zurück in die Erfolgsspur fand

2010 waren sie nur noch zu zwölft. Heute musiziert die Brassband Gais wieder mit 29 Mitgliedern und hat mit ihren Show-Konzerten am Wochenende Grosses vor.

David Widmer
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Die 29 Musikantinnen und Musikanten der Brassband Gais sind mit Herzblut bei der Sache.

Die 29 Musikantinnen und Musikanten der Brassband Gais sind mit Herzblut bei der Sache.

Foto: daw

«So, jetzt bitte noch einmal konzentrieren, nicht müde werden im Kopf!», weist Dirigent Marcel Züst seine Musikantinnen und Musikanten in der zweitletzten Probe vor dem Konzertwochenende an, bevor er den Taktstock schwingt und die Brassband-Nummer «Fire In The Blood» einzählt. Der Titel des Stücks passt: Das Feuer für ihren Dorfverein und für Brassband-Sound fliesst offensichtlich in den Adern der Mitglieder. Die Brassband Gais ist wieder ein lebendiger, attraktiver Musikverein mit einer spürbaren «Kultur des Machens», und kommt praktisch ohne auswärtige Aushilfen aus. Dafür musste allerdings gekämpft werden. Die Brassband unterzog sich während der vergangenen Jahre einer «Aktualisierungskur», wie sie es nennt. Diese erhält am Wochenende mit den zwei Show-Konzerten einen würdigen Abschluss.

Gastsolist, Dudelsack und Kolosseum: Es wird imposant

Was die Gaiser geplant haben, lässt aufhorchen. Im Oberstufenzentrum wird ein Kolosseum aufgebaut. Eine Konstruktion aus Gerüstbauelementen wird als Römer-Bauwerk dienen. «Für die Imitation der Arena-Mauer liessen wir 400 Quadratmeter Blache bedrucken», erzählt Präsident Peter Heierli nicht ohne Stolz. Auch musikalisch wird etwas geboten. Gastsolist Matthias Keller und die «united-maniacs» aus St.Gallen sollen den zwei Abenden die Krone aufsetzen. Dass Dudelsäcke und schottische Trommeln perfekt in eine Arena passen, zeigt das jährlich in Edinburgh, Schottland, stattfindende «Tattoo Festival» auf eindrückliche Weise. Diese Stimmung soll auch in Gais erzeugt werden.

Mit Newcomern aus der Krise

Peter Heierli, Präsident der Brassband Gais.

Peter Heierli, Präsident der Brassband Gais.

Foto: daw

Es war im Jahr 2010, als die Brassband noch zwölf Mitglieder hatte. Ein Ende des Schrumpfens schien nicht in Sicht. Peter Heierli erinnert sich: «Am Tiefpunkt hielten wir eine Krisensitzung ab. Es musste irgendetwas passieren, so konnte es nicht weitergehen. Auch eine Vereinsauflösung stand im Raum.» Die verbliebenen Mitglieder entschieden sich aber dagegen und wollten aktiv gegen die Krise ankämpfen. Wie das geschehen sollte, fasst Heierli kurz und knapp zusammen:

«Wir mussten alte Zöpfe abschneiden und stattdessen neue, innovative Ideen für unseren Verein suchen und ausprobieren.»

Nun mussten den Worten Taten folgen. «Es gibt rückblickend fast nichts, was wir unversucht liessen», sind sich die Mitglieder von damals heute einig. Im Bewusstsein, ein Dorf-Verein sein zu wollen, machte man sich mit einer grossen Offenheit auf die Suche nach musikalischer Verstärkung im Dorf. So spielte es keine Rolle, ob jemand bereits ein Instrument beherrschte. Wichtig war, dass die Person für den Verein begeistert werden konnte. «Das wirst du dann schon lernen!», wurden die Betreffenden jeweils aufgemuntert, und die darauffolgende Entwicklung – heute beweist sich die Brassband Gais erfolgreich in der 3. Stärkeklasse – bestätigte dies fast immer.

Als Beispiel für eine gelungene Integration dient Es-Hornistin Hanna Konrad, die seit eineinhalb Jahren dabei ist. Nach ihrem Umzug von Deutschland in die Schweiz wurde sie zufällig auf die Brassband aufmerksam: «Vor meinem Fenster hatte die Musik eine Outdoor-Probe. Das hat mich an meine Jugend als Waldhornistin erinnert, mein Blasmusikfieber wurde wieder entfacht und ich habe mit dem Verein Kontakt aufgenommen.»

Engagement als Schlüsselkriterium

«Wir sind glücklich und stolz, heute als gesunder Verein dazustehen», freut sich Heierli. Welche der vielen Ideen und Änderungen schliesslich ausschlaggebend für den positiven Weg war, kann er nicht benennen. Vielleicht könne es mit dem Vereinsslogan «Ein aktiver Verein für ein attraktives Dorf» zusammengefasst werden, meint er. Mit drei bis vier Anlässen, beispielsweise Seifenkistenrennen oder Eisdisco, welche die Brassband Gais jedes Jahr in der Gemeinde organisiert, bleibt dieser definitiv keine leere Worthülse.

Dirigent Marcel Züst.

Dirigent Marcel Züst.

Foto: daw

Eine wichtige Rolle fällt Dirigent Marcel Züst zu. Ihm gelingt es, mit Humor, Herzblut und vor allem Engagement seinen Verein zu begeistern. Seit sechs Jahren schwingt er den Taktstock, und dass er bis heute keine Ausbildung als Dirigent hat, passt zum unkonventionellen Weg der Brassband Gais. Diese wolle er baldmöglichst nachholen, schmunzelt er. «Zuerst müssen wir jetzt aber diese Arena bauen!»

Show-Konzerte der Brassband Gais

Ort: Oberstufenzentrum Gais
Freitag, 13. Januar: ab 18.30 Uhr (mit Gala-Dinner)
Samstag, 14. Januar: ab 19 Uhr
Informationen und Reservation unter www.mg-gais.ch.