Mountainbike
Zwei Ausserrhoderinnen an der Mountainbike-WM: Gutes Gefühl vor Saisonhöhepunkt

Zwei Ausserrhoder Mountainbikerinnen kämpfen in Frankreich um WM-Medaillen: Monique Halter aus Herisau und Ronja Blöchlinger aus Heiden. Die Vorderländerin holte zum Auftakt gleich Gold.

Lukas Pfiffner
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Monique Halter: Zielankunft an der EM.

Monique Halter: Zielankunft an der EM.

Bilder: PD/Swiss Cycling

Beide betreiben einen wöchentlichen Trainingsaufwand von etwa zehn Stunden. An fünf Tagen pro Woche sitze sie auf dem Rad, einmal trainiere sie im Bauch-/Beckenbereich, ein Tag sei trainingsfrei, erzählt Monique Halter, die 18-Jährige aus Herisau. «Bei mir ist es ähnlich», sagt die drei Jahre ältere Ronja Blöchlinger, die aus Heiden stammt.

Die zwei aktuellen Schweizer Meisterinnen ihrer Altersklasse haben auch im Ausland Erfolge gefeiert. Der Saisonhöhepunkt im olympischen Cross Country steht unmittelbar bevor – mit der WM im französischen Les Gets, gut 50 Kilometer von Genf entfernt.

Staffel: Gold für Blöchlinger

Ronja Blöchlinger war als U-23-Fahrerin am Mittwochmittag im Relay-Bewerb im Einsatz – mit Ramona Forchini und Nino Schurter (Elite), Anina Hutter und Khalid Sidahmed (U19) sowie Dario Lillo (U23). Die Schweizer Staffel siegte in 1:17:14. Mit sechs Sekunden Rückstand kam Italien auf den zweiten Platz, Bronze ging an die USA. 18 Nationen waren am Start. Eine Teilnahme von Monique Halter als U-19-Vertreterin stand ebenfalls zur Diskussion. «Es wäre sicher eine schöne Sache gewesen. Aber wegen des Einzelrennens am Donnerstag habe ich verzichtet. Zwei Tage nacheinander Spitzenleistungen zu erbringen, wäre für mich ungewohnt gewesen», sagt sie. (pf)

Halters Rennen findet am Donnerstag um 15 Uhr statt. Sie sagt:

«Ich weiss, dass an einem guten Tag vieles möglich ist – aber Glück brauchst du auch.»

2022 ist ihr bestes Jahr. Sie entschied unter anderem die beiden grössten Rennen der Junior World Series in Albstadt und Nove Mesto für sich. Anfang Juli wurde sie im portugiesischen Anadia Cross-Country-Europameisterin der Kategorie U19, im Shorttrack holte sie die Bronzemedaille.

Monique Halter mit der EM-Goldmedaille.

Monique Halter mit der EM-Goldmedaille.

Sportfreundlicher Arbeitgeber

Monique Halter ist Mitglied des RMC Gossau und gehört dem Team «Thömus Akros – Youngstars» an. In der Weltrangliste belegt sie Platz 1, spricht aber nicht von Druck, sondern von Selbstvertrauen. «Das Ziel ist sicher eine WM-Medaille.» In der letzten Sommerferienwoche absolvierte sie mit dem Nationalkader ein Trainingslager in Losone. «Wir waren sowohl auf den Rennvelos als auch auf den Bikes, haben an Grundlagen gearbeitet, uns technischen Dingen gewidmet.»

Vor zehn Tagen gewann Halter ein Rennen in Langendorf, ehe sie in der vergangenen Woche in die Uzwiler Firma Bühler und in die Berufsschule zurückgekehrt ist. Sie hat ihr drittes Lehrjahr als Automatikerin begonnen. «Solange die beruflichen und schulischen Leistungen stimmen, bekomme ich für Trainings und Rennen frei.» Am vergangenen Sonntag entschied sie ein Swiss-Cup-Rennen in Muttenz für sich. Von dort aus reiste die zierliche Fahrerin nach Frankreich. Ihre Statur bevorteile sie in langen Steigungen, sagt sie.

Reis morgens um halb sechs

Ronja Blöchlinger unterwegs am Weltcup-Rennen in der Lenzerheide.

Ronja Blöchlinger unterwegs am Weltcup-Rennen in der Lenzerheide.

Dagegen zählt Ronja Blöchlinger kraftvolle Aufstiege zu ihren Stärken. Und das taktische Verhalten oder die Fahrtechnik. Ihr Rennen steht am Sonntag um 9 Uhr auf dem Programm. Morgens um halb sechs Uhr wird sie Reis essen. «Das mache ich immer dreieinhalb Stunden vor dem Start. Andere verpflegen sich mit Porridge oder Teigwaren.»

Ganz ungewohnt ist der frühe Zeitpunkt nicht. Im Weltcup auf der Lenzerheide begann das Rennen noch eine halbe Stunde vorher. Sie kennt die Strecke in Les Gets. «Sie hat Aufstiege und Abfahren, ist technisch interessant.» Eine Platzierung als Ziel für ihr U-23-Rennen möchte sie nicht nennen.

«Ich fahre im Moment einfach mit viel Spass, habe ein gutes Gefühl und werde mein Bestes geben.»

Diese Haltung hat sie in diesem Jahr weit gebracht. Sie wurde an der EM erste Elite-Titelträgerin im Shorttrack und belegte im Cross Country der U23 den achten Platz. Im Weltcup erreichte sie zuletzt die Plätze sieben, fünf und zwei.

Ab November: Spitzensport-RS

Ronja Blöchlinger mit der EM-Goldmedaille.

Ronja Blöchlinger mit der EM-Goldmedaille.

Blöchlinger gehört dem RV Altenrhein an, in dieser Saison aber keinem Rennteam. Vielleicht hätte sie noch «irgendetwas» gefunden, wie sie sagt. Aber das wollte sie nicht und entschied, ihr Umfeld selber aufzubauen. Ein Trainer stellt ihr die Trainingspläne zusammen. «Ich konnte an den Weltcup-Rennen in Europa mit dem Nationalkader starten, das kam mir entgegen.» Im Hinblick auf das nächste Jahr haben Gespräche stattgefunden. «Es könnte mit einem Vertrag in einem Team klappen.»

Blöchlinger absolvierte nur einen Teil des erwähnten Trainingslagers. Sie ist mit dem Velo ins Tessin gefahren und mit dem Zug ins Berner Seeland zurückgereist. Vor zwei Jahren hat sie ein Studium an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen aufgenommen (wegen ihrer Bike-Aktivitäten mit einem Pensum von rund 75 Prozent). Dieses unterbricht sie nun und wird ab dem 1. November die Spitzensport-Rekrutenschule absolvieren. Darauf freut sie sich. «Wir werden vier Frauen von Swiss Cycling sein und haben sehr gute Bedingungen, zu trainieren.»