Leichtathletik
«Cool und irgendwie unfassbar»: Mit Jenice Koller und Cédric Deillon starten zwei Appenzeller Talente an der U18-EM in Jerusalem

Mit Jenice Koller und Cédric Deillon sind zwei Talente des TV Teufen an die U18-Europameisterschaften der Leichtathleten nach Jerusalem geflogen. Erstaunliche und weniger erstaunliche Parallelen zeigen sich.

Jörg Greb
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Cédric Deillon und Jenice Koller starten erstmals im Schweizer Dress.

Cédric Deillon und Jenice Koller starten erstmals im Schweizer Dress.

Bild: PD

Karl Wyler hat ein strenges Jahr und einen noch intensiveren Sommer vor sich. Vorzeige-Zehnkämpfer Simon Ehammer begleitet der Vereinstrainer des TV Teufen an die internationalen Vergleiche. In Belgrad beim WM-Silber im Hallen-Siebenkampf im Februar war Wyler dabei, ebenso, als Ehammer den Uralt-Schweizer-Rekord von Beat Gähwiler in Ratingen brach. In Götzis, beim erneuten Rekord und dem herausragenden zweiten Platz. Und jetzt folgen im Juli die WM in Eugene und im August die EM in München.

Schon die Eltern trainiert

Doch nicht nur mit Ehammer ist Wyler international unterwegs. Am Freitag flog er nach Jerusalem. Er wird mit Jenice Koller und Cédric Deillon zwei junge TV-Teufen-Talente an der U18-EM betreuen: Koller im Speerwerfen, Deillon im Zehnkampf. Und als wäre das Programm nicht voll genug: Mitte Monat geht es mit Zehnkämpfer Andrin Huber nach Cali (Ecu) an die U20-WM. Bezogen auf die jüngsten Topathleten und den TV-Teufen/die Sportschule Appenzellerland gibt es weitere Zusammenhänge. Wyler sagt: «Ich trainierte schon den Vater von Jenice als Springer und Mehrkämpfer sowie die Mutter von Cédric als Siebenkämpferin.» Vor Jahrzehnten war das.

Premiere im Schweizer Dress

Doch nun zu diesen beiden Protagonisten. Beide gelangen zu einer Premiere: ihrem Ersteinsatz im Schweizer Team. 17 ist er, 16 sie, und beide sprechen von einem absoluten Höhepunkt. Jenice Koller sagt:

«Es ist schon früh ein Kindheitstraum von mir gewesen, einmal im Ausland, mit dem Schweizer Shirt zu starten.»

Und Deillon erklärt: «Ich habe noch immer Mühe, dies zu realisieren.» Was aber sie wie er sind: voller Tatendrang. «Leichtathletik ist das, was ich am liebsten tue, und das in diesem neuen Rahmen: mega, einfach grossartig», sagt sie. Er nickt.

Es begann mit einem Tiefschlag

Erklärt ist das Erstaunliche vor allem bei Cédric Deillon durch die Vorgeschichte. Es begann mit einem Tiefschlag. Deillon zog sich im Frühling einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zu. Zwischen Wut, Hader und Kampfgeist wechselten seine Gemütszustände. Doch bei der letzten Qualifikationsmöglichkeit, der Mehrkampf-SM in Kreuzlingen, nutzte er Mitte Juni die Chance. Er sagt:

«Ein unglaubliches Feuer hat das ausgelöst.»

Bereits vorher erfüllte hatte Jenice Koller die Limite – nicht nur im Speerwerfen, sondern auch im Siebenkampf. In Kreuzlingen doppelte sie mit ihrem Meistertitel nach. «Leider gibt die Schweiz vor, dass wir nur in einer Disziplin antreten», sagt sie. Der besseren Aussichten wegen verzichtet sie schweren Herzens auf den Siebenkampf. «Vom Zeitplan her wäre die Kombination beider Disziplinen aufgegangen», sagt sie. Sämtliche Energie richtet sie nun auf das Speerwerfen. «Mein Ziel ist ein guter Wettkampf, vom Rang lasse ich mich überraschen.»

Tipps von Clubkollege Simon Ehammer

Koller wie Deillon sind voller Tatendrang für ihre Einsätze Mitte nächster Woche. Die beiden Kantonsschüler – beide in Trogen – sehen bestätigt, dass sich «das konsequente Ansteuern und Verfolgen hoher Ziele bezahlt macht.» Und ganz tief verankert in ihr Inneres haben sie eine Erfolgsstrategie. Ein besseres Vorbild als Simon Ehammer finden sie kaum. Der Senkrechtstarter zeigte und zeigt ihnen nicht nur vor, was möglich ist, er motiviert auch im täglichen Training und im kollegialen Austausch. Und er, wie Frauen-Vorbild Antonia Gmünder, versorgten die beiden Talente vor dem Abflug mit wertvollen Tipps. «Toll, wie wir von ihnen profitieren können», sagen sie beide, «irgendwie ist das Ganze nicht nur cool, sondern unfassbar.»