Kleine Schulen im Nachteil

Eine Reduktion der Oberstufen-Standorte bringt dem Kanton nur Kosteneinsparungen, sofern Sekundarschulen ihr Angebot anpassen. Langfristig sieht der Regierungsrat grössere Schulen besser für die Zukunft gerüstet.

Michael Genova
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An der Kantonsratssitzung vom 21. September stellt der Ausserrhoder Regierungsrat einen Bericht zur Reorganisation der Oberstufe vor. (Bild: Urs Bucher)

An der Kantonsratssitzung vom 21. September stellt der Ausserrhoder Regierungsrat einen Bericht zur Reorganisation der Oberstufe vor. (Bild: Urs Bucher)

AUSSERRHODEN. Auf Druck des Kantons haben kleine Sekundarschulen in den vergangenen Jahren neue Schulmodelle eingeführt und dadurch die Kosten gesenkt. Im Gegenzug holten sie sich die Zusicherung, ihre Oberstufen noch bis 2020 weiter betreiben zu dürfen. Ob kleine Schulen darüber hinaus überleben, ist fraglich. «Die Nachteile fallen auf lange Sicht stärker ins Gewicht», schreibt der Ausserrhoder Regierungsrat in einem Bericht. Er antwortet damit auf ein Postulat, das der inzwischen verstorbene Kantonsrat Ivo Müller vor einem Jahr eingereicht hatte. Das Anliegen fand die Unterstützung aller Fraktionen. Müller forderte den Regierungsrat auf, die Vor- und Nachteile einer Reduktion der Oberstufen-Standorte nochmals zu prüfen. Ein erster Vorschlag aus dem Jahre 2009 scheiterte am Widerstand der Gemeinden.

Kein kurzfristiger Druck

Aus Sicht des Regierungsrates könnte eine Gesetzesänderung die bisherige Zurückhaltung der Gemeinden beeinflussen. Als ein Beispiel nennt er die Einführung finanzieller Anreize wie die Übernahme von Projektkosten für Zusammenschlüsse. Einen Schritt weiter ginge die gesetzliche Festlegung einer Mindestgrösse für Sekundarschulen oder die Nennung einer maximalen Zahl von Standorten. Je nach Massnahme wird die Gemeindeautonomie mehr oder weniger stark eingeschränkt. Druck für weitere Zusammenschlüsse will der Regierungsrat jedoch nicht aufbauen. «Wenn die Gemeinden als Schulträger diesen Weg vor 2020 einschlagen, werden sie vom Departement Bildung dabei fachlich unterstützt», sagt Bildungsdirektor Alfred Stricker.

In seiner Antwort auf das Postulat äussert sich der Regierungsrat auch zur Frage, ob eine Übertragung der Sekundarschulen von den Gemeinden an den Kanton sinnvoll wäre. Durch eine Kantonalisierung würde die Weiterentwicklung der Sekundarschule einfacher und einheitlicher. Auf der anderen Seite ginge der Wettbewerb unter den Gemeinden verloren. Offen sei auch die Frage, wie die finanziellen Lasten neu aufgeteilt würden. Denn zurzeit beträgt der Aufwand der Gemeinden für die Sekundarstufe I rund 40 Millionen Franken. Eine konkrete Empfehlung für oder gegen eine Kantonalisierung gibt der Regierungsrat nicht ab. Dies sei Teil der noch laufenden Reform der Volksschulgesetzgebung.

Unklares Sparpotenzial

Bei einer Reduktion der aktuell zwölf Sekundarschulstandorte auf acht oder fünf erwartet der Regierungsrat aus pädagogischer Sicht keine weitreichenden Folgen. Im Gegenteil: Die Anfälligkeit im personellen Bereich falle weg und die Führung werde einfacher und einheitlicher. Eine Gefahr sei allenfalls, dass Sekundarschüler nicht mehr in ihrer Wohngemeinde zur Schule gehen könnten und dadurch die Kontinuität auf der Schullaufbahn abnehme.

Überraschend sind die Schlussfolgerungen des Regierungsrats zu den finanziellen Auswirkungen: «Sofern an den verbleibenden Standorten keine Anpassungen am Angebot vorgenommen werden, sind bei einer Reduktion von Standorten keine wesentlichen Einsparungen zu erwarten.» Als Grund nennt er die in den vergangenen Jahr bereits stark gesunkenen Kosten kleiner Sekundarschulen. Zudem entstünden bei einem Zusammenschluss zusätzliche Kosten für Transport, Verpflegung und Betreuung, welche die Einsparungen teilweise neutralisieren. Falls die Reduktion der Standorte mit einer Anpassung des Schulangebots verbunden werde, könnte der Kanton bei einer Reduktion von zwölf auf acht Standorte rund eine Million Franken pro Jahr einsparen.