In Klang gekleidet

Der Herisauer Künstler Roman Rutishauser hat für jeden der zwölf Jugendlichen der SBW Futura Kunst eine musikalische Porträtskizze komponiert. Es entsteht eine Art klingendes Klassenfoto.

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HERISAU. Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie Sie klingen, wenn Sie sich durch Ihren Alltag bewegen? Welche Klangspuren Ihre Worte und Schritte hinterlassen? Und wie Ihre Wesensart als Partitur aussehen würde? – Zwölf Jugendliche der SBW Futura Kunst haben in den letzten Monaten am eigenen Beispiel erleben dürfen, was es heisst, von einem Komponisten in ein musikalisches Bild gesetzt zu werden: Roman Rutishauser hat für jede und jeden eine musikalische Porträtskizze geschrieben, eine Art musikalische Spiegelung der eigenen Persönlichkeit.

Persönliche Grooves

Es war September, als Roman Rutishauser bereits um 5 Uhr morgens am Klavier sass, sich die einzelnen Charaktere, ihr Lächeln und den Klang ihrer Stimme ins Bewusstsein rief und dazu improvisierte: das stille Wasser, die quirlige Neugier, der genaue Beobachter oder der fröhliche Geist, der für ein heiteres Klima sorgt. „Diese unterschiedlichen Lebensrhythmisierungen sind Musik pur und als persönliche Grooves, Harmonien und Melodien hörbar“, sagt Roman Rutishauser. Entstanden seien keine Ölgemälde, sondern kurze, skizzenhafte Kompositionen, die den Anspruch erfüllen, von der ganzen Kunstklasse mit ihren unterschiedlichen musikalischen Fertigkeiten gespielt werden zu können.

Musikalische Enthüllung

In Querceto, einem idyllischen Weindorf in der Toscana, kam es im Rahmen der Kunstwoche zur musikalischen Enthüllung der Porträtskizzen vor den Jugendlichen. Vor diesem Moment habe er grossen Respekt gehabt, sagt der Komponist: «Ich wollte zwar durchaus persönlich werden, aber niemanden karikieren und schon gar nicht blossstellen.» Offensichtlich waren die Befürchtungen umsonst, «die Porträtierten sahen sich und ihre Kollegen und Kolleginnen gespiegelt, fanden es lustig und berührend, sich auf diese Weise in Klang gekleidet zu erleben.»

Magischer Moment

Für Aurelia Niederer aus Urnäsch war es ein magischer Moment, sich selber zu hören. «Dieses Stück passt voll und ganz zu mir, es klingt so, wie ich bin: eine ruhige Person, die jederzeit ausbrechen kann, und hinter der vielleicht mehr steckt, als auf den ersten Blick sicht- und hörbar ist», sagt die 15-Jährige mit einem Schmunzeln. Und greift wieder zu Geige und Bogen, denn als nächstes wird ihr Porträt geprobt, vom Orchester interpretiert. Es reiche nicht, nur seinen eigenen Part zu beherrschen, sondern müsse beim Spielen immer das angestrebte Klangziel – die Darstellung eines Menschen – vor Ohren haben, sagt Roman Rutishauser.

Demnächst soll das Musikatelier in ein Tonstudio verwandelt und die Porträts als eine Art klingendes Klassenfoto eingespielt werden.