Gesprächskultur gefordert

In Rehetobel stösst die manchmal zurückhaltende Informationspraxis des Gemeinderats wiederholt auf Kritik. Nun will die IG Dorfentwicklung die Mitsprachemöglichkeiten der Bürger verbessern und eine Gesprächskultur etablieren.

Ueli Abt
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Märchenhafte Stimmung in Rehetobel dank herbstlichem Nebel – in der Gemeinde wünschen sich Bürger künftig mehr Transparenz. (Bild: Urs Jaudas)

Märchenhafte Stimmung in Rehetobel dank herbstlichem Nebel – in der Gemeinde wünschen sich Bürger künftig mehr Transparenz. (Bild: Urs Jaudas)

REHETOBEL. Die Kritik kommt immer wieder, von verschiedenster Seite: Die Kommunikation in der Gemeinde Rehetobel könnte besser sein.

Ein Beispiel: Mitglieder der Kulturkommission (KKR) hatten diesen Frühling unter anderem dem Gemeinderat beantragt, dass er die Unterschutzstellung eines historischen Gebäudes in die Wege leite, ein diesbezüglicher Entscheid sei zu kommunizieren (die Appenzeller Zeitung berichtete).

Nach Monaten versandet

Am 18. Juni schrieb Gemeindepräsident Ueli Graf den Kommissionsmitgliedern, dass der Gemeinderat am 15. Mai entschieden habe, nicht darauf einzutreten, dass er also die Unterschutzstellung des sogenannten Gadens nicht anstreben werde. Jedoch sei er ebenfalls der Meinung, dass dieser Entscheid – «möglichst unter Einbezug der KKR» – zu veröffentlichen sei.

Bis heute steht eine entsprechende Mitteilung im Rehetobler «Gmändsblatt» aus – obwohl seither im Juni, August und September je eine Ausgabe erschien. Vordergründig scheiterte der Akt der Publikation offenbar daran, dass Graf eine entsprechende Pressemitteilung im August mit den Kulturkommission-Leuten vorbesprechen wollte, was diese aber schliesslich ablehnten.

Frust in Kommissionen

Bemerkenswert: Die Kritik an der Gesprächskultur kommt gerade auch von Einwohnern, die sich in Kommissionen der Gemeinde engagieren – von Leuten also, die in Gemeindebelangen am Puls des Geschehens sein müssten und bei denen ausserdem das Gefühl vorherrschen müsste, im Dorf ein Wörtchen mitreden zu können. Dass dies offenbar nicht immer zutrifft, wurde an der öffentlichen Versammlung vom 26. März dieses Jahres klar (die Appenzeller Zeitung berichtete). Damals gab Präsident Graf die rasche Schliessung des Altersheims «Haus ob dem Holz» bekannt. Brigitte Bruderer von der – inzwischen stillschweigend per Ende Juni aufgelösten – Altersheimkommission machte in ihrem Votum transparent, was im Hintergrund abgelaufen war: Die AHK-Mitglieder waren punkto definitive Schliessung per Ende Juni seitens des Gemeinderates vor vollendete Tatsachen gestellt worden; denn erst 30 Minuten vor den Angehörigen und Bewohnern hatten die AHK-Mitglieder vom Entscheid erfahren. Gemäss Pflichtenheft war die AHK aber unter anderem immerhin für den strategischen Bereich des Heims zuständig.

Bauliche Entwicklung verbessern

Kein Wunder, dass nun einige Dorfbewohner eine grundlegende Veränderung anstreben: Die Gründung der IG Dorfentwicklung steht unmittelbar bevor, mit dabei sind nebst Brigitte Bruderer und weiteren Personen auch der ehemalige Gemeindepräsident Heinz Meier, der das Amt 2007 an Ueli Graf übergab.

Verbesserungen strebt die IG Dorfentwicklung in mehreren Bereichen an. Unter anderem soll die Interessengemeinschaft zuhanden des Gemeinderates Ideen ausarbeiten, wie die bauliche Entwicklung nachhaltig gestaltet werden kann.

«Keine offene Debatte»

Wie aus einem Grundlagenpapier hervorgeht, soll zudem die Frage der Mitsprache im Dorf geklärt werden. Ziel soll es gemäss den Gründern sein, dass sich alle Einwohner mit ihren Ideen und Interessen fürs Dorf und zum Wohle der Dorfgemeinschaft einbringen können.

Weiter sollen politische Entscheidungen von einer breiten Basis der Bürger mitgetragen werden. Die derzeitige Situation beschreibt die IG wie folgt: «Vorhaben, die in Behörden behandelt werden, sind vertraulich und unterstehen dem Amtsgeheimnis. So werden sie erst publik, wenn alle Entscheide getroffen und Tatsachen geschaffen sind. Der öffentlichen Diskussion sind solche Vorhaben entzogen. Manche heutige Baustelle beschäftigt die Öffentlichkeit, ohne dass darüber offen debattiert wird.»

Ferienbedingt war gestern von Gemeindepräsident Graf zum Thema kein Statement zu erhalten.