Eine neue Perspektive gewonnen

Aus dem Kantonsratspräsidenten Konrad Meier wird am nächsten Montag wieder ein «gewöhnlicher» Parlamentarier. Nachtrauern wird er dem abgegebenen Amt nicht, obwohl er das «Supplement» durchaus genossen hat.

Johannes Wey
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HERISAU. Säbel, Tornister, Pflasterstein – am nächsten Montag wird Noch-Kantonsratspräsident Konrad Meier (FDP) diese «Insignien der Macht» an seinen designierten Nachfolger Ivo Müller (SP, Speicher) übergeben. Der Pflasterstein symbolisiert dabei die Last des Amtes. Eine Last, die dem 47jährigen Landwirt während seines Präsidialjahres nie zu schwer wurde. Rund zwei Tage pro Woche habe er in sein Amt investiert, erklärt er. «Natürlich bedeutete das Präsidium mehr Arbeit, alles andere wäre erstaunlich.» Die Mehrbelastung habe auch seine Familie zu spüren bekommen, die ihm dabei einen wichtigen Halt gegeben habe. «Ich fand es schön, mit ihr etwas aus dem Rat diskutieren zu können, ohne dass es später in der Zeitung stand.»

Neuer Blick auf den Rat

Trotz der Belastung sei ihm das Amt während der ganzen Zeit nie verleidet, ganz im Gegenteil: Wie ihm Rolf Degen, einer seiner Vorgänger, vorausgesagt hatte, übernahm Konrad Meier mit dem Präsidium eine neue Perspektive: «Erst habe ich ihm das nicht geglaubt. Aber man <spürt> den Rat viel besser. Dafür kann man nicht mehr aktiv eingreifen.» Für ihn sei es eine neue Erfahrung gewesen, mit einer neuen Herangehensweise: Die Organisation des Ratsbetriebs stand im Vordergrund, trotzdem musste er sich in den Dossiers auskennen.

Jahr mit vielen Höhepunkten

Einen neuen Blickwinkel boten Meier auch die repräsentativen Aufgaben des höchsten Ausserrhoders. «Das waren für mich Höhepunkte. Man trifft Personen, die man sonst nie kennenlernen würde. Und merkt dann, dass sie auch nur Menschen sind.» In dieser Beziehung war das zu Ende gehende Amtsjahr mit der Wahl von Hans Altherr zum Ständeratspräsidenten und Andrea Caronis zum Nationalrat sowie dem Präsidium der Parlamentarier-Konferenz Bodensee ein ganz besonderes. «In diesem Gremium herrschen andere Gepflogenheiten, was das Auftreten und die Diskussionskultur angeht, als im Kantonsrat. Doch eigentlich hat diese Konferenz nicht viel zu beschliessen.»

Leerläufe vermieden

In Erinnerung bleiben wird auch der Weg zum neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht. «Angesichts all der Anträge, die zu diesem Gesetz eingegangen sind, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass es so reibungslos ablief.» Die Parteien hätten ihre Positionen frühzeitig ausgetauscht, um schon vor der Ratssitzung den Weg zu einem Kompromiss zu ebnen. «Das ist eine Stärke des Ausserrhoder Kantonsrats. So einen Rat zu leiten, macht Freude.»

Mit seiner Amtsführung ist Meier im grossen und ganzen zufrieden. «Wir hatten weniger Leerläufe in den Diskussionen als in anderen Jahren. Der Rat hat sich diesbezüglich erfreulich entwickelt.»

Konrad Meier hat sein Präsidium genossen und spricht von einem «Super-Jahr». Er lernte indessen auch Schattenseiten kennen: «Manchmal wird man angegriffen, ohne sich offen verteidigen zu können.» Man könne es nie allen recht machen; «dann bleibt einem nur, still zu sein.»