Den Amtsschimmel im Sack

APPENZELL. Das schweizerische Alkoholgesetz legt genau fest, wo und wie für Alkohol Werbung gemacht werden darf. Auf ihren Tragtaschen muss die Appenzeller Alpenbitter AG darum künftig etwas anderes als Schnaps abbilden.

Karin Erni
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Die Verpackung links gilt nicht als Alkohol, die rechts sehr wohl. Arthur Loepfe mit dem Corpus Delicti. (Bild: ker)

Die Verpackung links gilt nicht als Alkohol, die rechts sehr wohl. Arthur Loepfe mit dem Corpus Delicti. (Bild: ker)

«Dieser Sack verstösst gegen das Gesetz» titelte der «Sonntags-Blick» in seiner letzten Ausgabe. Gemeint war die Tragetasche, in denen Kunden der Appenzeller Alpenbitter ihren Einkauf vom Fabrikladen nach Hause tragen können. Das Problem: Die Taschen seien zu stabil und könnten daher mehrfach verwendet und auch für andere Einkäufe eingesetzt werden. «Bei der Alkoholverwaltung sind ein paar neue Köpfe am Werk, die es ganz genau nehmen», sagt Arthur Loepfe, seit 30 Jahren Mitbesitzer der Appenzeller Alpenbitter AG.

Alkoholgesetz

Gemäss Alkoholgesetz ist nämlich die Werbung für gebrannte Wasser auf Packungen und Gebrauchsgegenständen, die keine gebrannte Wasser enthalten, verboten. Damit will man verhindern, dass durch deren Verwendung ein unerlaubter Werbeeffekt erzielt wird. Im letzten Frühling wurde die bestehende Regelung noch verschärft und die Abbildung von alkoholischen Produkten auf Tragtaschen gänzlich verboten. «Um die Gleichbehandlung aller Teilnehmender am Spirituosenwerbemarkt sicherzustellen, sollen inskünftig keine mit Spirituosenbranding bedruckten Papiertragtaschen oder Plastiksäcke mehr in Verkehr gebracht werden», so die Eidgenössische Alkoholverwaltung EAV. «Die betroffenen Firmen wurden diesen Frühling informiert und haben eine Übergangsfrist bis Ende 2014 erhalten», schreibt die EAV.

Kampf dem gebrannten Wasser

Die immer strengeren Vorschriften aus Bern nerven Arthur Loepfe: «Die Alkoholverwaltung hat sich dem Kampf gegen die gebrannten Wasser verschrieben und will auch noch unsere letzten Freiheiten beseitigen.» Bier und Wein hätten als Landwirtschaftsprodukte eine starke Lobby und würden viel weniger eingeschränkt, so der ehemalige Nationalrat. «Dabei wird in der Schweiz erwiesenermassen der meiste Alkohol in dieser Form konsumiert.»

Nur noch neutraler Schriftzug

Arthur Loepfe legt eine ganze Palette von Tragtaschen auf den Tisch, die man der EAV bereits zur Prüfung vorgelegt hat. Sie alle haben den gestrengen Testkriterien nicht standgehalten und werden künftig nicht mehr toleriert. Selbst ein einfacher, gelber Papiersack mit einem rot-schwarzen Schriftzug fällt unter das Verbot, weil er gemäss der EAV einen zu hohen Wiedererkennungswert hätte: «Der durchschnittliche Konsument identifiziert die gelbe Farbe, das Schriftbild und den roten Anfangsbuchstaben mit den Spirituosenprodukten».

Schlaue Lösung parat

Die Kunden der Appenzeller Alpenbitter AG müssen ihre dort eingekauften Flaschen aber auch künftig nicht unverpackt nach Hause tragen. Die Alkoholverwaltung hält nämlich fest: «Die Firmen können nach wie vor Taschen abgeben. Diese dürfen mit einer Firmenwerbung versehen werden, sofern sich diese von deren Spirituosenwerbung unterscheidet.» Gefordert ist im Falle Alpenbitter ein neutraler Schriftzug auf einem nicht-gelben Grund.

In Appenzell hat man aber bereits eine elegantere Lösung parat: Ab 2015 wird eine Packung mit Alpenbitter-Stengeli die Säcke zieren. Diese enthalten zwar auch Hochprozentiges, fallen aber nicht unter das Spirituosen-, sondern unter das Lebensmittelgesetz.